Reisebericht Birgit Lewe
Reisebericht vom 18.04. bis 20.04.08
Am Mittwochabend ging es los. Elke mit Talpas, Ralf, Angelika und ich sind vom hohen Norden gestartet. Erster Stopp in Celle. Dort haben wir den Transporter weiter mit Spenden gefüllt. Vielen Dank für das unermüdliche Sammeln und Lagern. Nächster Stopp Gifhorn, wo wir wieder übernachtet haben. Jörg hatte was Leckeres vorbereitet und so saßen wir noch eine Weile zusammen, waren alle begeistert von Talpas, der gut aufpaßte, dass jeder ihn beschmusen konnte und niemand dabei zu kurz kam.
Nach einer viel zu kurzen Nacht ging es Donnerstag morgen weiter. Wir nahmen von Jörg die Steffi und den Transporter mit und haben ihm dafür ein Chaos von Gläsern, Tassen und Tellern hinterlassen. Dann fuhren wir zum Tierheim Hildesheim, weil wir dort einen Hund von Bernersennen in Not e.V. abholten, um ihn in Gabors bewährte Hände abzugeben.
David wurde uns als bissig beschrieben und so wurde er mit Maulkorb und leichter Sedierung in die Transport-Box gebracht. Außerdem standen auch im Tierheim bergeweise Spenden für uns bereit. Auch hier einen herzlichen Dank. Weiter ging es zum nächsten Treffpunkt, an dem Beate und Jan zu uns stießen und wir uns von Talpas verabschieden mussten, weil er dort seinem neuen Frauchen übergeben wurde.
Und jeder von uns hätte den Kleinen Schmuser am liebsten behalten. Der nächste Halt war dann etwas unangenehm. Bei der Überquerung der österreichischen-ungarischen Grenze wurde der Vereinstransporter rausgewunken und gestoppt. Wir im Bus und PKW fuhren noch ein Stück weiter auf einen Parkplatz und rannten dort aufgeregt rum wie Kücken, die die Glucke suchen.
Zum Glück mußten wir nicht allzu lange warten. Die Zöllner öffneten nur die Türen, sahen die Masse an Spenden und ließen Elke, Angelika und Steffi schnell weiterfahren. Nächste Stopp war bei Marina. Spenden ausladen.
Virschli, das Schweinchen begrüßen, ....... einladen. Dort trafen wir uns auch mit Gabor, der dort David übernahm. Er ging erstmal etwas mit ihm hin und her und ich gestehe, ich finde David nur toll!!! Dann die letzte Etappe nach Kecskemét ins Hotel, in dem wir alle schnell in den Betten verschwanden. Freitagmorgen 8.00 Ihr Frühstück.
Wir besuchten dann die Swiss Ranch und natürlich auch gleich Kati und die Hunde, die dort leben und auf ein Zuhause warten. Dort wurden wir von einem fröhlichen Gebell begrüßt und wir freuten uns alle, dass es den Tieren dort so gut geht. Einige Zeit später dann das genaue Gegenteil.
Wir waren im Tierheim. Als erstes wurden wir von Füles begrüßt. Noch die Tüte am Kopf und humpelnd, aber er freute sich über jeden von uns, holte sich Streicheleinheiten und ich fand es wieder mal unglaublich, dass ein Tier, von Menschen auf´s Schlimmste mißhandelt, zu Menschen so freundlich ist. Füles lebt jetzt bei Attila und wenn man die Beiden zusammen sieht, weiß man auch warum.
Als Attila kam, war alles andere für Füles vergessen. Er wich ihm nicht mehr von der Seite. Dann die Ernüchterung. Schon der 1. Blick in die Gehege trieb den meisten von uns die Tränen in die Augen. Völlig überfüllt, einige Hunde versuchten, durch den Zaun zu uns zu gelangen, bellten laut, um bemerkt zu werden, schmiegten sich ganz dicht an das Geflecht in der Hoffnung, wenigstens eine kleine Streicheleinheit zu bekommen.
Andere lagen völlig aphatisch in einer Ecke oder einer Hütte und schenkten uns nicht mal mehr einen Blick. In jedem Gehege das gleiche Elend. Überall lagen Brotreste herum und es stank erbärmlich. Die Tierheim-Mitarbeiter versuchen ihr Möglichstes, aber es reicht vorne und hinten nicht. Um die Gehege einigermaßen sauber zu halten, müsste man stündlich durchgehen, nur um die Kothaufen zu entfernen.
Und überall traurige Augen. Für diese Blicke gibt es einfach keine passenden Worte. Dann entdeckte ich "meinen" Orlando. Aus dem einst so wunderschönem Hund ist ein Häufchen Elend geworden und auch jetzt beim Schreiben rollen die Tränen, wenn ich an ihn denke. Beate raste wie ein lebendig gewordener Fotoapperat herum, aber selbst die besten Fotos zeigen nicht das ganze Ausmaß an Elend.
Jan, der das 1. Mal dabei war, stand mit versteinertem Gesicht da und Ralf, der ebenfalls das 1. Mal dort war, mußte für eine Weile raus aus dem Tierheim. Das Welpenhaus ist natürlich gut, aber es ist einfach ein trostloser Ort. Kleine Fenster, kleine Gehege und alle voll.
Positiv ist nur, dass dort eine Art Schleuse eingerichtet wurde, das der gröbste Schmutz nicht rein- und rausgetragen wird. Abgesehen von dem Entsetzen und der Traurigkeit über diesen Ort kam dann noch Fassungslosigkeit und Wut dazu. An den "offenen Tagen" werden Welpen in Krankenstation-Boxen auf dem Hof ausgestellt.
Eine andere Bezeichnung gibt es nicht dafür. Wir konnten es nicht glauben. Der nächste Eklat ist der Swimmingpool für die Hunde. Vor dem Tierheimgelände wurde eine Grube ausgehoben für einen Pool für die Hunde. Offensichtlich ist Niemanden der Tierheimleitung die Konsequenz der In-Betriebnahme eines solchen bewußt.
Das ist die perfekte Brutstätte für Krankheitserreger. Hunde werden aus dem Gehege dorthin gebracht und müssen dann wieder ins Gehege zurück, wo sie dann mit Angriffen ihrer Artgenossen klarkommen müssen. Es ist wie so oft im Leben. Da gibt es einen gut gemeinten Gedanken, der leider nicht zu Ende gedacht wird.
Das sind die Momente, in denen ich mir 6 Richtige im Lotto wünsche, um das Tierheim kaufen zu können. Natürlich wird es immer mal wieder zu Unstimmigkeiten zwischen der Tierheimleitung und der PHU kommen, schon alleine wegen der kulturellen Unterschiede. Aber es ist schwer zu akzeptieren, dass "gut Ding Weile braucht". Der Freitagnachmittag war dann wieder mit viel Arbeit verbunden.
Die ganzen Pässe mußten kontrolliert werden, Boxen in den Autos aufgebaut werden, die Aufgabenliste unserer Teamkolleginnen mussten abgearbeitet werden. Zwischendurch musste der Transporter noch in die Werkstatt, weil die Tür sich nicht mehr abschließen ließ. Und auch da wurde es wieder klar, wie wichtig Gabor und Kati für uns sind.
Gabor organisierte das mit der Werkstatt und Kati mußte sich zerteilen, weil sie ständig von einer von uns als Dolmetscherin gebraucht wurde. Auch Niki raste unermüdlich mit uns 'rum, um Fragen zu beantworten. Dann kamen Kati und eine Tierheim-Mitarbeiterin namens Angelika zu mir. Angelika bat mich um Hilfe für eine Hündin namens Boci. Bocis Besitzer war verstorben, sie hat einen riesigen Nabelbruch und in Ungarn keine Chance.
Ein Anruf und es war gesichert, dass Boci erstmal auf eine Pflegestelle kann. Danke, Denise. Als ich Angelika die Nachricht überbrachte, rollten bei ihr die Tränen und sie konnte nicht mehr aufhören, sich zu bedanken. Nach einem arbeitsreichen Tag verließen wir am frühen Abend dann sehr traurig und vielleicht auch etwas hoffnungslos das Tierheim.
Kurz ins Hotel, etwas erfrischen und dann warteten auch Gabor und seine Frau Bea auf uns.
Wir gingen zu Fuß zum Restaurant, in dem Gabor einen Tisch für uns alle bestellt hatte. Dieser kleine Bummel durch die Stadt hat uns sehr gut getan und dank "Touristenführer" Gabor haben wir auch mal etwas über die Stadt und ihre sehr schönen alten Gebäude erfahren. Im Restaurant stießen dann noch Kati und ihr Mann zu uns.
Natürlich war das Hauptthema das Tierheim. Aber im Laufe des Abends konnte jeder von uns etwas loslassen und wir hatten dann viel zu lachen. Auf dem Weg zurück ins Hotel waren wir uns alle einig, dass es wirklich ein sehr schöner Abend war und bedauerten nur, das er so früh zu Ende ging. Aber wir hatten ja noch viel vor.
Samstag wieder um 8.00 Ihr Frühstück. Dann wollten wir kurz ins Tesko etwas Reiseproviant und eine Birne für eine Taschenlampe einkaufen. Das wurde dann doch etwas länger, weil einer von uns angeblich Ware beschädigt hat. Als wir dem Ausgang zustrebten, wurden wir umringt von Security und Kaufhausdetektiven. Dann gesellten sich auch noch 2 Hostessen dazu, von denen eine deutsch sprach.
Elke rief Gabor an, der wollte mit dem Kaufhausdetektiv reden, der sich aber weigerte. Die ganze Situation war ziemlich aufregend und löste sich dann endlich auf. Wir kauften diese Taschenlampe und durften dann gehen. Wieder im Tierheim fing es an in Strömen zu regnen. Das Tierheim wurde noch trostloser und bei einigen wusste man nicht, ob da jetzt der Regen oder Tränen über das Gesicht fließen.
Die Hunde, die keinen Schutz hatten, standen oder lagen diesen Sturzbächen ausgeliefert herum und es war unerträglich, dass wir ihnen nicht helfen konnten. Jeden Einzelnen hätten wir mitnehmen wollen. Dann kam das Schlimmste. Die Hunde zu den Autos bringen. Jeder Hund, der durch die Gänge geführt wird, wird von lautem Bellen begleitet.
Es ist als, ob alle rufen:" Hier bin ich, nimm mich auch mit!" Unter dieser Geräuschkulisse verließen wir das Tierheim und ich bin mir sicher, nicht nur ich hab den Zurückgebliebenen in Gedanken versprochen, alles zu tun, um ein Zuhause für sie zu finden. Die Rückfahrt verlief im Großen und Ganzen ruhig. Ana hatte den tollsten Platz.
Sie saß bis zur Übergabe an ihr Frauchen auf Beates Schoß. Bei jedem Stopp lief sie draussen an der Leine fröhlich herum und sobald sie wieder im Auto saß, pinkelte sie Beate voll. Aber Beate hat tapfer durchgehalten. Beate und Jan verließen als erstes unseren Konvoi. In Hannover wurde Steffi von ihrem Mann erwartet.
Jede Übergabe war wieder einfach nur schön und es ist immer etwas traurig, dass wir so unter Zeitdruck stehen. Einen Schock bekamen wir noch, als die Übernehmer von Pisze meinten, sie wäre zu groß und sie nicht übernahmen.
Sie sitzt jetzt in der Pension und wartet auf jemanden, der ihr ein Zuhause gibt. Die Bilder vom Tierheim im Kopf, bekommt man zu hören, der Hund sei ein paar Zentimeter zu groß. Unglaublich. Dazu kann ich nur sagen, diese Leute haben diese liebe Hündin nicht verdient!!! Obwohl Ralf und ich Zuhause stürmisch von unserem Rudel begrüßt wurden, konnte ich mich nicht richtig freuen.
Wir mussten zu viele dort lassen und bei einigen ist es fraglich, ob ich sie nochmal lebend wiedersehe, da sie vielleicht bald unter dem Regenbogen stehen.
Alle Bilder dieser Fahrt finden Sie hier
Birgit Lewe






















