Reisebericht Regina Kubiak-Heutling
Am 10.08. ganz früh morgens hat mich Elke in der Nähe von Kassel abgeholt und wir fuhren mit einem voll Spenden beladenen Lieferwagen Richtung Ungarn. Wir kamen wunderbar voran, obwohl es teilweise wie aus Eimern schüttete. In Wien fuhren wir zum Flughafen, um Dagmar abzuholen, die diesmal aus Zeitgründen mit dem Flugzeug angereist war. Zu dritt fuhren wir dann nach Cegled, dort kamen wir kurz vor Mitternacht an und verbrachten eine kurze Nacht in einer Appartementanlage. Es stürmte und regnete, aber nach der anstrengenden Fahrt konnten wir doch ein paar Stunden schlafen, um Energie für den bevorstehenden Tag zu sammeln. Morgens brachen wir zeitig auf, denn in Kecskemét direkt neben „unserem“ Tierheim sollte eine Flugshow stattfinden, und man riet uns auf jeden Fall vor 8 Uhr dort zu sein, damit wir dem Besucherverkehr zuvorkommen. Leider klappte das nicht so ganz, da unser Navi uns offensichtlich missverstanden hatte und uns lieber zu einem kleinen Abstecher in ungarische Wiesen und Felder verhelfen wollte. Trotz allem schafften wir es dann, mit per Handy gerufener Eskorte, im Tierheim anzukommen.
Es bot sich ein schon irgendwie fast vertrautes und erwartetes Bild. Viele viele Hunde drängten sich ans Gitter und bellten aufgeregt bei unserer Ankunft. Gleich am Eingang in einem Zwinger sahen wir eine wunderschöne Hündin die sich ans Gitter presste und erst beim zweiten Blick bemerkten wir, dass sie Welpen hatte. Es war Bubu , die heute Sunny heißt und in Bayern lebt, mit ihren drei Kindern.
Nebenan im Zwinger, die weißgraue Hündin mit den abgeschnittenen Ohren, die zu den sogenannten Kampfhunden gehört. Sie hatte einen solch traurigen Blick, dass ich ihn nie vergessen werde.
Wir gingen eine Runde durchs Tierheim und sahen viele altbekannte und noch mehr neue Gesichter. Manches Wiedersehen trieb uns die Tränen in die Augen. Die Hunde verkraften den Tierheimalltag und das Vorangegangene völlig unterschiedlich. Einige werden dick, bewegen sich nicht mehr, andere hören auf zu fressen und magern bis auf die Knochen ab.
Nach der ersten Runde begannen wir damit die Spenden aus dem Transporter zu laden. Gemeinschaftlich gelang es schnell den Transporter leer zu räumen. Dann bauten Gabor und einige Tierheimmitarbeiter die Boxen auf und ordneten sie im Transporter an. Wir gingen mit einigen Tierheimmitarbeitern durch die Gehege und Zwinger und stellten Fragen zu bestimmten Hunden und machten Fotos. In der Quarantäne sahen wir einen „lachenden“ Hund, in den wir uns alle spontan verliebten. Außerdem verlor ich mein Herz an ein kleines weißes Welpenmädchen, das mich zutiefst berührt hat. Inmitten einer großen Gruppe von süßen Welpen hatte sie sich ein pinkfarbenes Körbchen erobert und thronte darin wie eine kleine Prinzessin. Diese Hündin erinnerte mich so sehr an meine eigene Ungarin, dass ich sie am liebsten einfach mitgenommen hätte. Ich bin froh, dass sie bei unserer nächsten Fahrt mit ausreisen wird und ein gutes Zuhause gefunden hat.
Ungefähr um 16 Uhr begannen wir, die Hunde die ausreisen sollten, in ihre Boxen zu bringen. Aus dem Tierheim Cegled war bereits ein Hund im großen Kennel gebracht worden, der für pererra mit nach Deutschland reisen sollte. Dieser arme Hund war derart von Menschen gequält und misshandelt worden, dass er so große Angst vor uns hatte, dass wir ihn nicht aus der Box nehmen konnten.
Er musste also in seiner Box sitzen bleiben und wir stellten ihn dann so in den Transporter. Als endlich alle Hunde in ihren Boxen waren, brachen wir auf zur langen Heimfahrt. Zu diesem Zeitpunkt ahnten wir noch nicht, dass es eine wirklich extrem lange Heimfahrt werden würde.
An der ungarischen Grenze wurden wir vom Zöllner sehr kritisch unter die Lupe genommen. Elke musste mit ins Büro kommen, alle Papiere vorlegen und dann wurden die Hundeboxen mit der Taschenlampe angeleuchtet und kontrolliert. Zum Glück kam der österreichische Zöllner zu Hilfe und verhinderte die Kontrolle jedes einzelnen Hundes. Alle Papiere waren in Ordnung und auch die Anordnung der Boxen, sowie die Versorgung der Tiere gab keinen Anlass zu Beanstandungen. Für uns war das Ganze aber trotzdem sehr unangenehm, weil wir dadurch Zeit verloren und wir Angst hatten, dass die Hunde aufgeregt werden.
In Nickelsdorf trafen wir uns dann schon sehr verspätet mit Marina vom Tierschutzverein Bubastis und nahmen das erste Mal eine Katze mit. Die Mieze war völlig entspannt und hatte überhaupt kein Problem mit der Anwesenheit der Hunde.
Leider mussten wir schon bald wieder anhalten, weil einige unserer Mitfahrer Durchfall hatten. Da hieß es, Boxen putzen und Hunde säubern. Leider war im Tierheim vergessen worden, den ausreisenden Hunden das Futter vor der Fahrt zu entziehen. Wir wischten und schrubbten und kaum hatten wir eine Box sauber, war die nächste dran. Für uns sehr unangenehm, aber für die armen Hunde wirklich schlimm. Wir trösteten uns damit, dass als Entschädigung ein wunderbares Zuhause auf sie wartet.
Wir verloren einige Stunden und kamen zur ersten Übergabe viel später als ursprünglich gedacht. Alle Übernehmer waren informiert und warteten geduldig auf uns. Wir wurden mit Kaffee und Kuchen empfangen und übergaben die ersten Hunde an die neuen Besitzer. So fuhren wir eine Übergabestelle nach der anderen an und es war schön zu sehen, wie sehr sich manche Menschen über ihr neues Familienmitglied freuten.
Auch der liebe Folti war bei diesem Transport dabei. Während der Fahrt haben wir immer wieder besonders nach ihm gesehen, ihm Wasser angeboten. Wir haben uns große Sorgen um ihn gemacht und uns alle so sehr gewünscht, dass er in seinem neuen Zuhause wieder richtig gesund werden kann. Leider wurde unser Wunsch nicht erfüllt. (siehe Regenbogenbrücke)
Bis Kassel kamen wir dann gut durch. Ich war eine lange Strecke am Stück gefahren, weil ich meine beiden Kolleginnen Dagmar und Elke ja ab Kassel verlassen würde und wir hofften, dass die beiden dann die letzten 480 km zu zweit gut schaffen würden. Die beiden Ärmsten hatten aber noch eine ganz schlimme Fahrt vor sich.
Sie gerieten in einen Stau nach dem anderen und waren wirklich am Ende ihrer Kräfte. Ich hätte ihnen so gerne geholfen, konnte aber nichts weiter tun als per Handy gute Wünsche zu schicken. Sie kamen dann völlig erschöpft an und übergaben die letzten Hunde an ihre neuen Menschen. Die Fahrt hatte insgesamt über 28 Stunden gedauert.
Die Reise war wieder sehr anstrengend, und auch emotional sehr aufreibend, und trotzdem werden wir alle drei, Dagmar Elke und Regina, wieder nach Ungarn fahren, um den Hunden zu einer schönen Zukunft zu verhelfen. Wir lassen uns nicht von einer Grenze oder anderen Widrigkeiten daran hindern, Hunden zu helfen, die in Not sind.


















