Ungarn/ Rumänien Fahrt 01.08.2009
Unsere Fahrt nach Ungarn und Rumänien am 24.7. begann gegen 17.30 Uhr. Es sollte eine anstrengende Fahrt mit Temperaturen von bis zu 40 Grad werden. Am Nachmittag des nächsten Tages erreichten wir die Swiss Ranch, wo wir unser Quartier für die nächste Zeit bezogen. Silke und Christine bauten ihr Zelt auf, Birgit zog es bei warmen Nachttemperaturen vor, draußen unter dem Pavillon zu schlafen und ich durfte ein Zimmer im Haus beziehen. Völlig erschöpft von der langen Anreise konnte dann auch niemand über Schlafmangel klagen.
Unser erster Besuch galt dem Tierheim Kecskemét. Hier bot sich mir ein leicht verändertes Bild. Bei meinem Besuch im vergangenen Dezember waren dort deutlich mehr Tiere. Auch jetzt bot sich uns aber der immer gleiche Anblick. Hunde, die sich am Zaun drängeln und um ein paar Streicheleinheiten betteln. Sofort schlich sich der eine oder andere in mein Herz. Von einer großen, wunderschönen Hündin konnte ich mich nur schwer wieder trennen. Tränen liefen mir über das Gesicht. So eine liebe, anschmiegsame Hündin sitzt dort. Und niemand will sie haben?
Und dann Vanda: Völlig abgemagert lag sie im Zwinger. Ihre Augen zeigten ganz deutlich, dass sie aufgegeben hatte. Sie konnte dort nicht bleiben. Sofort stand fest, dass sie mit auf die Swiss Ranch musste. Wir packten sie ins Auto und nahmen sie mit. Und schon am nächsten Tag sah man die Veränderung. Sie stand am Zaun, ihre Augen bekamen wieder ein wenig von dem Glanz, der in den Augen aller Tiere zu sehen sein sollte.
Bei diesen hohen Temperaturen versuchen die Tiere, ein schattiges Plätzchen zu finden. Aber auch dort werden sie von den Fliegen gequält, die sie zerbeißen. Dicke Schorfschichten bedecken die Spitze der Ohren.
Unser nächster Besuch galt den Tieren bei Gabor. Wir nahmen eine kleine, erst wenige Wochen alte Hündin aus dem Tierheim mit dort hin: Brunhilde. Diese kleine, kecke Hündin sollte zusammen mit „Abigail Tüte“ in einen schnell gebauten neuen Welpenauslauf. Abigail musste, nachdem ihr Besitzer sie durch Fußtritte schlimm zugerichtet hatte, operiert werden. Ein Knochenbruch im Vorderlauf musste gerichtet werden. Die beiden Kleinen freundeten sich schnell an und es war schön, sie beim Spielen zu beobachten.
Am Montag starteten wir zur Weiterfahrt nach Arad/Rumänien. Niemand von uns wusste, was uns erwarten würde. Nach langer Fahrt bei Temperaturen von ca. 40 Grad erreichten wir Arad. Ein kurzes Telefonat und wir wurden von Andreas St. Schön abgeholt und zu Christina und ihrer Mutter Viktoria von APAM geführt. Diese beiden unglaublich engagierten Frauen kennen lernen zu dürfen, war etwas ganz Besonderes. Die beiden Tierschützerinnen führten uns über das Gelände zu den einzelnen Gehegen mit jeweils zwei Hunden. Sie erzählten uns die Geschichte einzelner Hunde. Da ist der kleine Mischling mit den amputierten Hinterläufen. Mit unglaublicher Geschwindigkeit fährt er mit seinem kleinen Rollwagen. Hier sah man ganz deutlich, auch ein behinderter Hund hat noch Spaß am Leben.
Was ihm zum Glück fehlt, ist – wie all den Tieren dort - nun eigentlich nur noch ein Zuhause. Bei vielen Hunden war deutlich die Scheu vor den Menschen zu sehen. Vergessen werden sie das Erlebte sicher nie, aber sie lernen, mit ihrer Vergangenheit zu leben. Jeder einzelne von ihnen hat es verdient, den Rest seines Lebens genießen zu dürfen. Wir waren beeindruckt von der Sauberkeit und dem guten, liebevollen Umgang mit den Tieren. Seit 15 Jahren betreiben Cristina und Viktoria Tierschutz in Rumänien und in all den Jahren habe niemals jemand seine Hilfe angeboten, erklärten sie uns.
Nach dem Rundgang luden wir unsere Spenden aus. Hier in Deutschland gesammelte Handtücher, Decken, Futter, Hundekörbe, Leinen und Geschirre. Die beiden strahlten und bedankten sich immer wieder. Wir hatten eine kleine deutsche Eiche im Gepäck, die wir dort einpflanzten, in der Hoffnung, dass sie wächst wie die Freundschaft zu diesen Frauen.
Der Abschied von Cristina und Viktoria fiel uns nicht leicht. Zwei Hunde konnten wir auf der Rückfahrt mitnehmen. Lia und Zorba fuhren mit uns zurück nach Ungarn, um noch einige Tage mit uns auf der Swiss Ranch zu bleiben und dann die Reise nach Deutschland anzutreten. Unser nächster Weg führte uns zu Andres St. Schön, wo wir gleich mit einer vorbereiteten Mahlzeit und kalten Getränken verwöhnt wurden. Seine Ausführungen über die Grausamkeiten an den rumänischen Straßenhunden schockierte uns und bestärkte uns in unserer Überzeugung, unbedingt helfen zu müssen. Hunde, die an der Kette ihr Dasein fristen müssen, oft ohne frisches Wasser und Futter. Geschlagen, getreten, geschunden, gequält. Hier wegsehen und weitergehen? Unmöglich! Die Zahl der am Straßenrand liegenden totgefahrenen Hunde lässt auf die Menge der Straßenhunde schließen. Ausgemergelte Hündinnen, die am Flugplatz von Arad versuchen, ihre Jungen durchzubringen. Womit? Sie sehen selber aus, als seien sie dem Tod näher als dem Leben.
Nach einer Nacht im Haus von Andreas konnten wir am nächsten Morgen die Fahrt zurück nach Ungarn antreten. Wieder auf der Swiss Ranch erwartete uns noch die Fahrt in die Nähe von Budapest. Ein Tierarzt sollt sich das Bein von Abigail und Zorba, unserem Rumänen, ansehen. Zorbas Bein – versteift durch eine Operation, vermutlich nach einem Zusammenstoß mit einem Auto – musste so bleiben, wie es ist. Eine weitere Operation würde nicht helfen. Abigails Bein musste ein weiteres Mal operiert werden, jetzt aber mit der Aussicht auf vollständige Heilung.
Ganz besonders in Erinnerung wird mir die Hündin Patata bleiben. Sie hat, als wir auf der Swiss Ranch waren, Futter gestohlen und ist damit über einen Zaun und dann über die Einzäunung des Welpenauslaufs gesprungen, um die ihr fremden Welpen (Abigail Tüte und Brunhilde)zu füttern. Dass sie anschließend ihren nun wieder leeren Magen durch einen Sprung durch die geöffneten Fenster unserer Autos mit unserem Reiseproviant wieder auffüllen musste, haben wir ihr lachend verziehen.
Die letzten beiden Tage vergingen mit der Vorbereitung auf die Rückreise nach Deutschland. Die Transportboxen mussten zusammengebaut und verstaut werden. Am Freitag um 6.45 kamen wir ein wenig verschlafen aus den Betten. Wir wollten vor unserer Rückreise noch auf den Markt. Wir deckten uns mit frischer ungarischer Paprika, Knoblauch und Chili ein.
Wieder zurück auf der Swiss Ranch wurden die Chips überprüft und die Ausreisepapiere fertig gestellt. Die Hunde bekamen noch ein Spot-on-Präparat und wurden dann am späten Nachmittag in die Boxen gesetzt. Sobald alle Tiere in den Autos saßen, traten wir unsere Heimreise an.
Immer wieder ein wunderbares Erlebnis ist die Übergabe der Hunde an die neuen Besitzer. Das Glück in den Augen der Menschen und auch der Hunde zu sehen, ist einfach überwältigend. Immer wieder kullerten bei uns die Tränen vor Freude. Von so manchem Hund fiel uns die Trennung besonders schwer. Toni – so lange hat er gewartet -, unsere ersten Rumänen, die Welpen – sie alle dürfen nun ein hoffentlich noch langes, glückliches Leben führen.
Nach langer Fahrt kamen wir völlig erschöpft wieder zu Hause an. Und doch: Nach einer durchschlafenen Nacht würde jeder sofort wieder losfahren nach...
Edith Kniehase


















