Reisebericht Birgit Lewe
Gegen 10.00 waren wir im Tierheim.
Das war am Donnerstag schon schwer zu ertragen, weil es komplett überfüllt ist.
Die Welpen sitzen in "Karnickelbuchten" ohne Möglichkeiten zu spielen und zu toben. Das Einzige, was sie tun können, wenn jemand vorbeigeht, ist zu versuchen, Aufmerksamkeit zu bekommen.
Sie quetschen ihre Köpfe gegen die Gitter und schreien....
Wir hatten an diesem Morgen um 8.00 ein Treffen mit der Stiftungsleitung in einem Hotel in Kecskemèt.
Viele Diskussionen für die Zukunft, aber davon werden diese Würmchen nichts haben.
Kann sich jemand vorstellen, wie es sein muss, so aufzuwachsen?
Ich hätte am liebsten alle Türen geöffnet und die Kleinen auf eine Wiese getragen.
Das, was uns so selbstverständlich erscheint, ist dort einfach nicht möglich.
Viele dieser Welpen sterben, ohne jemals eine Wiese unter den Pfötchen gespürt zu haben.
So viele Leben, die schon beendet sind, bevor sie angefangen haben.
So traurige und resignierte Augen bei Babys, die eigentlich unbelastet Schuhe und Socken schreddern sollten.
Wir machten gemeinsam einen Rundgang durch die Quarantäne.
Voll mit Großen und Kleinen, Jungen und Alten.
Eine Dogge stand dort und wartete. Völlig lieb und gepflegt.
Elke war hin und weg. Und die Dogge auch bald, weil der Besitzer sie gesucht und im Tierheim wiedergefunden hatte.
Ein junger Boxer mit Problemen an den Vorderbeinen.
Natürlich nicht zur Zucht zu "gebrauchen" , also weg damit.
Verzweifelt versuchte er, Aufmerksamkeit zu bekommen.
Ein kleiner Mischling mit einer Marke am Halsband.
Verzweifelt und verstört.
Mit 2 anderen Hunden in einem Zwinger, die sich völlig in sich selbst zurückgezogen hatten.
Nur der Kleine kam ans Gitter und wollte raus. Auch sein Blick war voller Verzweiflung.
Dann ging es weiter im Tierheim.
Die Atmosphäre ist schwer zu beschreiben. Es war drückend heiss und völlige Gewitterluft. Dazu kam, dass dies wieder ein "Flugshow-Wochenende" war, also ständiger Lärm von Flugzeugen, Düsenjäger und was da noch so am Üben war, herrschte.
Und das in einem Überfülltem Tierheim.
In vielen Gehegen saßen die Hunde alle dicht in eine Ecke gedrängt.
Wir sind wie auf rohen Eiern durch das Tierheim gegangen, immer bedacht darauf, dass wir keine Streitereien in den Gehegen auslösen.
Die Lauflisten mußten abgearbeitet werden.
Und immer wieder fielen uns Notfälle auf.
Hunde mit Zwingerkoller, Hunde die sich selbst die Rute anknabberten und Hunde, die sich aufgegeben haben, nicht mehr die Hütte verlassen, wie Ficko.
Noshi war nicht wiederzuerkennen.
Er liegt einfach nur noch da.
Reagiert auf nichts.
Sieht durch einen hindurch.
Die Augen sind stumpf.
Noshi ist ein Husky. Ein junger Husky. Er war einmal ein wunderschöner Husky. Nun ist er nur noch ein Schatten seiner selbst.
Gabor versucht, ihn auf die Swiss-Ranch zu nehmen.
Aber auch dort ist eigentlich kein Platz mehr.
Da wir für diesen Tag noch gegen 17.00 nach Budapest durchstarten wollten/mussten, fingen wir mit den Transportarbeiten an.
Erst einmal die ganzen Spenden entladen.
Wir hatten durch Carolin S. vom Tierhilfsnetzwerk Europa einige Tage vor der Tour eine ganze Ladung voll Spenden bekommen. Liebe Carolin, vielen Dank für Eure Spenden, womit wir den neu errichteten Katzencontainer schon gut ausstatten können und winterfest bekommen.
Die konnten wir dieses Mal aber nicht alle komplett mitnehmen, da wir auch eine Röntgenanlage gespendet bekamen und dere Gewicht schon sehr hoch war.
Leider gibt es von dem Ver- und Entladen der Röntgenanlage keine Bilder, weil sie mit 6 Leuten "gewuppt" werden mußte und niemand daran dachte zu fotografieren.
Liebe Frau Dr. J: vielen, vielen Dank für diese so dringend benötigte Anlage!
Das Entladen der Spenden und der Aufbau der Boxen ist ja mittlerweile eine oft geübte Sache, aber immer wieder mit kleineren Verzweiflungsausbrüchen von Lazi verbunden.
Was bei uns immer viel Lachen hervorruft.
Trotz der hartnäckigen Widerstände der Boxen, sich aufbauen zu lassen, war es dann irgendwann soweit, dass die "Reisetickets" verteilt werden konnten.
Das Boxenaufbauen ist immer sehr spannend.
Plötzlich stellt man fest, dass die Größenangaben der Hunde nicht so ganz stimmen und die eine oder andere Box doch zu klein ist. Also muss umgeplant werden.
Steffi macht nochmal Zettelkontrolle, sie muss irgendwie immer nochmal etwas kontrollieren ;) und bei uns allen steigt die Vorfreude, Hunde in ihr neues Leben fahren zu können.
Wenn man nur mehr in ein neues Zuhause bringen könnte !!!!
Man kann es drehen und wenden, wie man will, ohne ein konsequentes Kastrationsprogramm wird sich die Situation nicht ändern.
Aber da ist Ungarn ja schon dran.
Zurück auf der Swiss-Ranch wollten wir uns noch etwas aufhübschen.
Es war ein Abendessen in Budapest geplant, da Steffi an diesem Abend ihre Tochter per Flieger erwartete.
Aber vorher mußte ich meiner Lieblingsbeschäftigung nachgehen.
Gucken, wie es "meinen" alten Fellnasen geht.
Gabor hat eine Art Seniorenresidenz geschaffen.
Einen Platz für einige der Alten.
Z.Zt. leben dort Balthazar, Biberos(der ja nun in Deutschland ein Körbchen hat), Amadeus, Mici, Alice und Mr. Barsony.
Mici und Alice werden nicht mehr reisen können. Sie werden ihre letzte Zeit bei Gabor in Fürsorge und Obhut auf der Swiss-Ranch verbringen.
Balthazar fährt im September in sein neues Zuhause.
Mr. Barsony ist z.Zt. auch nicht reisefähig. Wir müssen abwarten, wieweit er sich erholt. Amadeus wird sicher im September fahren.
Es tut gut, zu wissen, dass diese alten Herrschaften geschützt leben können, ob in einem Zuhause in Deutschland oder bei Gabor.
Der Abend endete in Budapest mit einem tollen Essen, vielen Gesprächen und viel Lachen.
Zurück auf der Swiss-Ranch fielen wir nur noch in die Betten.
Morgen früh sollte es schließlich mit den Transport voller Tiere in ihr neues Leben gehen.
Heute, 2 Tage später, sitze ich am PC.
Die Rückfahrt verlief supergut und reibungslos.
Wir haben viel gelacht und geweint auf dieser Fahrt und auch das Lachen ist so wichtig.
Viele Übernehmer bringen uns Sachen zur Übergabe mit.
Brötchen und Brote, Kaffee, Naschis und dieses Mal auch einen wunderschönen Blumenstrauß für Elke und mich.
Sorry Steffi, Du bist zu früh ausgestiegen, aber hier ist ein Bild;).
Vielen Dank an alle, die uns wieder so unglaublich schöne Übergaben beschert haben.
Vieles vergisst man nach solchen Fahrten, nur eines bleibt tief verankert:
solche Augen, stellvertretend für 500 Augenpaare
























