Reisebericht Steffi und Maggi
Tja, was soll ich sagen? Elke und Birgit haben schon viel berichtet und es gibt nicht viel hinzuzufügen. Ich bin jetzt drei Monate hintereinander in Ungarn gewesen! Während ich im Juli wirklich bis in die letzte Ecke des Tierheims gekrochen bin und jede Menge Bilder gemacht habe, fiel es mir dieses Mal irgendwie schwer, meine Kamera zu benutzen.
Der Donnerstag und der Freitag waren viel zu schnell vorbei. Freitag Abend haben wir meine Tochter Maggi aus Budapest abgeholt. Sie wollte Ungarn, das Tierheim, endlich mal live erleben und ich machte mir viele Gedanken, wie sie das wohl wegstecken und verarbeiten würde, was sie zu sehen bekommt.
Aber ich war auch ziemlich stolz auf meine „Kleine“, die ganz alleine in einem Flugzeug nach Ungarn fliegen und mit eigenen Augen sehen wollte, was ihr von mir seit drei Jahren immer wieder berichtet wurde. Und das war ihr so wichtig, dass sie ihr letztes Geld vom Konto genommen hat, um den Flug zu bezahlen!
So bin ich am Samstag mit meinem Kind durchs Tierheim gelaufen und habe ihr alles gezeigt. Maggi ist immer stiller geworden und ich habe ihr angesehen, wie sehr sie mit sich gekämpft hat.
Die Zeit war knapp und wir mussten anfangen, die Hunde in den Transporter zu setzen. Maggi hat dabei geholfen und als wir fertig waren und uns von allen verabschiedeten, war es schon ein komisches Gefühl, sie in Ungarn zurückzulassen. Aber ich wusste, dass sie bei Gabor gut aufgehoben ist und er sie auffangen würde, sollte sie die Fassung verlieren.
Maggi hat ihre Gedanken niedergeschrieben:
Spontanreise nach Ungarn
Erst einmal stelle ich mich vor: Ich bin Magdalena Piehl (17), Steffis Tochter.
Ich fand es immer ätzend mit so vielen Hunden und habe mich immer beschwert, trotzdem hab ich mich irgendwie immer in einen der Hunde verliebt, die bei uns waren. Bis zum letzten Wochenende konnte ich nie verstehen, wieso man so was macht.
Meine Mutter ist ja schon lange dabei und ich habe immer viel mitbekommen. Sie hat mir beigebracht, wie man mit solchen Hunden umgehen muss und wie es bei der Pfotenhilfe zugeht. Dadurch habe ich einige tolle Menschen kennen gelernt, von denen man einiges lernen kann, nicht nur über Hunde sondern auch, was im Leben wichtig ist.
Irgendwann wollte ich dann auch unbedingt nach Ungarn und mir alles ansehen, um es richtig zu verstehen, also haben wir einen Flug gebucht und es ging los.
Freitag Abend hat mich Jörg zum Flughafen gebracht und ich sollte nun zum ersten Mal in meinem Leben in ein Flugzeug steigen. Gegen 22 Uhr kam ich nach einem Flug mit vielen Turbulenzen in Budapest an, wo mich Mama und Gabor in Empfang nahmen. Eine gute Stunde später waren wir auf der Ranch und gingen kurz darauf ins Bett.
Eigentlich wollten Mama und ich am Samstag ganz früh ins Tierheim fahren, damit wir genügend Zeit haben und ich mir alles anschauen kann. Kurz nach 9 Uhr stiegen wir ins Auto, fuhren los und standen nach wenigen Minuten im Stau!
Durch die Flugtage in Kecskemét waren die Hauptstrassen so verstopft, dass nichts mehr ging. Kurz vor der Autobahn wurden wir von Verkehrspolizisten umgeleitet und wir mussten einen riesigen Umweg fahren, um dann mit Gabors Hilfe ins Tierheim zu kommen, wo wir dann kurz vor 11 Uhr eintrafen!
Naja, wenigstens hab ich so ein bisschen von der schönen ungarischen Landschaft sehen können. Es war nicht mehr viel Zeit bis zur Abreise des Transporters, aber wir konnten dennoch zusammen durchs Tierheim laufen und Mama hat mir Alles gezeigt!
Es ist einfach, sich die ganzen Bilder anzusehen, die meine Mutter immer gemacht hat. Man hatte immer noch einen gewissen Abstand zu der Sache, die dort passiert, aber da zu sein ist ziemlich schwer, vor allem zum ersten Mal.
Es war echt krass zu sehen, wie die Hunde da leben, wie es ihnen dort geht und wie sie alle zusammen da eingesperrt sind. Man konnte vielen ansehen, dass sie die Hoffnung schon aufgegeben haben, dort noch einmal lebendig raus zu kommen. So viele Hunde so leiden zu sehen, das ist wirklich eine Herausforderung - vor allem bei den Welpen. Die Kleinen können nichts tun, sie können sich nicht wehren, sie sitzen da einfach nur fest.
Als wir den Rundgang beendet hatten, musste ich mich echt zusammen reißen. Das alles zu sehen, ist heftig.
Ich habe dann, als die Hunde in den Transporter gebracht werden sollten, beim Kontrollieren der Pässe geholfen. Der Transporter mit Mama, Birgit und Elke fuhr ab und ich bin zusammen mit Gabor, Dori und Kati zurück auf die Ranch gefahren. Dort zeigte mir Kati dann die Hunde, die dort untergebracht sind und ich habe ihr ein wenig beim Füttern geholfen.
Der Sonntag verlief relativ ruhig. Gabor und Dori haben mir Kecskemét gezeigt und gegen Abend haben mich Kati und ihre Tochter Carina dann zum Flughafen gebracht!
Dieser Besuch in Ungarn und alles was ich dort im Tierheim und auf der Ranch gesehen habe, hat mir mehr als deutlich gezeigt, was diese Menschen bewirken. Damit meine ich das Team der Pfotenhilfe und Gabor mit seiner Familie. Sie sorgen dafür, dass wenigstens ein paar dieser Hunde ein neues, schönes Zuhause bekommen.
Dafür hat sich der Weg echt gelohnt, ich würde es jeder Zeit wieder machen. Hoffentlich kann ich irgendwann mal ein Teil dieses Vereins sein und dabei helfen, ein paar dieser Hunde da raus zu holen.
Maggi
Unsere Rückreise verlief wirklich gut. Regelmäßig haben wir angehalten, um nach den Hunden zu schauen, ihnen Wasser anzubieten und um einfach sicher zu sein, dass es ihnen noch gut geht. Zumal wir dieses Mal ja wirklich etliche alte Socken an Bord hatten.
Wie eigentlich immer auf der Rückreise haben wir die vergangenen Tage Revue passieren lassen, waren wütend, haben geweint und gelacht! Die Übergaben kamen und nach und nach konnten wir unsere Schützlinge in die Obhut ihrer neuen Menschen übergeben, von denen sie sehnsüchtig erwartet wurden.
Noch unterwegs haben wir ein wenig umdisponiert und beschlossen, dass der kleine Moko mit zu mir auf Pflegestelle kommt. Dieser kleiner, verängstigte Hund, der zwischendurch eine Zeitlang VIP bei Elke und mir auf dem Schoß reisen durfte, ist ein Beispiel dafür, wie wichig es ist, weiter zu kämpfen.
Moko ist von Demodikose schwer gezeichnet. Während er vor 4 Wochen noch Fell auf dem Rücken hatte, ist er nun fast komplett nackt. Seine Haut ist schorfig und juckt und in seinem kurzen Leben hat er nichts kennengelernt, als die Gitterstäbe seines Zwingers im dunklen Welpenhaus und wenigen Menschen, die ihm Futter brachten.
In Hannover bin ich, wie immer, ausgestiegen und unsere liebe Team-Kollegin Daniela, die Göndörke abholen kam, hat Moko und mich nach Hause gebracht. So kamen wir völlig übermüdet gegen 5 Uhr morgens in Gifhorn an.
Bevor ich ins Haus ging, bin ich mit Moko in den Garten und er hat dort zum ersten Mal in seinem Leben Gras unter seinen Pfoten gespürt. Verwundert hat er sich immer wieder umgesehen, lief wenige Meter und kam dann schnell zurück, um an mir hochzuspringen. Es war die reine Freude, das mit anzusehen.
Die Zusammenführung mit meinem Rudel verlief problemlos und nach einer Stunde bin ich dann endlich völlig erschöpft ins Bett gefallen.
Sonntag Abend sollte mein Kind aus Ungarn zurückkehren und ich war sehr gespannt, was sie mir wohl erzählen würde. Ich habe von meinen Kindern nie erwartet, dass sie verstehen, warum ich das alles mache und auch keine Hilfe erwartet, wenn ich wieder einmal einen Pflegi „angeschleppt“ habe, nur, dass sie meine Entscheidungen akzeptieren.
Als mir Maggi heute ihren Reisebericht gab, war ich sehr gerührt. Sie hat verstanden und das ist für ein so junges Mädchen sicher nicht selbstverständlich!
Übrigens: Klein-Moko taut immer mehr auf! Er wetzt mit den anderen Hunden über die Wiese, verfolgt mich überall hin und lernt jeden Tag ein bisschen dazu. Ein kleiner Nacktfrosch auf dem Weg zurück ins Leben! Das erleben zu dürfen, ist einfach nur schön und ich hoffe von ganzem Herzen, dass er bald „seine“ Menschen findet.
















