Reisebericht Beate Dörsing
Reisebericht vom 28.12. bis 30.12.07
Der Nottransport Ende des Jahres 2007, welcher extra kurfristig eingerichtet wurde, um die Welpen von Marina, die wegen des Parvoausbruchs bei Bubastis und der Quarantänezeit länger in Ungarn bleiben mussten, doch noch dieses Jahr nach Deutschland zu bringen, sollte meine erste Fahrt nach Kecskemét werden und so übernahm ich kurzerhand den Reisebericht. Am 28. 12. wurde ich morgens um 7 in Kirchheim von Regina und Steffi in einen voll beladenen Transporter eingeladen.
Entgegen vorheriger Androhungen durfte ich mit vorne sitzen und musste mich nicht in eine Hundebox quetschen. Als „Vereinsküken“ lernt man auf so einer Fahrt unglaublich viele wichtige Dinge von den erfahrenen Fahrern. Zum Beispiel, dass Steffis Bouletten eher fad sind, dass Bockwürstchen Unmengen von Vitaminen enthalten und dass man in einem Tescogeschäft einfach alles kaufen kann.
Wir kamen sehr gut voran, da kaum Autos unterwegs waren und waren so schon um 21 Uhr im Hotel. Dort blieb uns noch Zeit für ein gemütliches Beisammensitzen mit Kakao und Süßigkeiten, die die Fahrt überlebt hatten. Am nächsten Morgen gab es zur Enttäuschung aller kein Frühstück, dafür aber liebevoll gepackte Lunchpakete im Hotel.
Wir beschränkten uns also auf Instantkaffee und unsere Lunchpakete und brachen anschließend zum Tierheim auf. Die Fahrt war abenteuerlich, zumindest ab dem Zeitpunkt, wo unser Navigationssystem uns sagte: „Die Straßenführung endet hier, das Ziel liegt in Pfeilrichtung“. Wir haben uns trotzdem tapfer durch den Schnee gekämpft und sind ohne Umwege angekommen.
Zunächst gingen wir die obligatorische Runde durch das Tierheim. Für mich war es das erste Mal, aber da ich vorher schon andere ungarische Tierheime gesehen hatte, wusste ich ungefähr, was mich erwartet. Dennoch war ich betroffen, wie viele Hunde auf engem Raum zusammenleben müssen. Vorne entdeckte ich in einem kleinen Zwinger einen Mudimix, der blind und mit abgerissenem Schwanz zwischen vier anderen Hunden stand und hoffnungsvoll wedelte, wenn man mit ihm sprach.
Später erfuhr ich, dass es sich um den kleinen Ruby handelte, der leider schon nach ein paar Tagen verstarb. Im Büro lernten wir Füles kennen, jenen armen, geschundenen Kerl, der von seinem Besitzer mit einer Mistgabel malträtiert und anschließend aus dem Auto geworfen wurde. Er begegnete uns sehr freundlich und folgte uns überall hin, so als ob er uns sein Tierheim zeigen wollte.
Im Büro saß auch die kleine Pindúr, die schlimme Bissverletzungen an den Hinterbeinen hatte. Wir sahen viele altbekannte und noch mehr neue Hunde. Zu unserer Freude war die Quarantänestation relativ leer, das lässt uns hoffen, dass wir langfristig die Anzahl der Tiere reduzieren können. Positiv überrascht wurden wir gleich in mehrerlei Hinsicht.
1. Das Welpenhaus ist fertig. Es ist gefliest, es ist warm und es ist leider auch schon rappelvoll mit Welpen. Hier verliebte sich Regina spontan in den kleinen Flusl, der unter Schock stand, stark ausgekühlt war und wahrscheinlich nicht mehr lange gelebt hätte. Nach einer kurzen Rücksprache mit Elke und der Kontrolle der Impfungen stand fest: Er kommt mit. Regina konnte sich dann auch nicht mehr von „dat Flusl“ trennen und so lebt er heute bei ihr.
2. Die Krankenstation ist auch fertig. Auch hier wurde gefliest, um die Abteile richtig säubern zu können und auch hier war es warm. Hunde wie der felllose Folti, frisch kastrierte Hündinnen und der einäugige Columbo finden hier bessere Genesungsvoraussetzungen.
3. stellte sich uns ein neuer Tierarzt vor, der auf den ersten Blick einen kompetenten und freundlichen Eindruck machte.
Am Mittag kam Elke, welche vorher beim Tierschutzverein Bubastis gewesen war und brachte uns schon einige unserer vierbeinigen Mitfahrer von Bubastis sowie noch einen Schwung Spenden. Danach gingen wir noch mal eine Runde mit Kati und Andi durch das Tierheim und stellten Fragen zu verschiedenen Hunden. Wieder fielen uns eine Menge Hunde auf, die eigentlich dringend ein Zuhause brauchen, weil sie bei den Temperaturen von -6 Grad stark froren, weil sie vollkommen resigniert in ihren Hütten lagen oder weil sie schlimme Bissverletzungen hatten.
Gegen 16:30 begannen wir mit dem Beladen des Transporters. Jeder Reisekandidat wurde aus dem Gehege geholt, der Chip wurde kontrolliert und er kam in seine Reisebox. Wir kamen gut voran. Erst bei dem letzten Hund auf der Liste gab es Probleme. Es handelte sich um Bruce, unseren Dackelopa, welcher ein schönes Zuhause gefunden hatte. Wir hatten uns allesamt so für ihn gefreut, aber jetzt war Bruce nicht auffindbar.
Andi stellte das gesamte Tierheim auf den Kopf, leuchtete mit der Taschenlampe in die Hütten, suchte eine Stunde lang alles ab. Aber Bruce war verschwunden. Wir entdeckten ihn tot hinter dem Tierheim. Er hatte es nicht geschafft, wir waren einen Tag zu spät gekommen. Die Trauer, der Frust und die Wut waren allen ins Gesicht geschrieben. Diese Ohnmacht und diese Hilflosigkeit, weil Bruce so kurz vor seinem Ziel scheitern musste.
Kurz vorher hatten die Adoptanten von Pindúr, der kleinen, zerbissenen Pudelhündin unter fadenscheinigen Gründen abgesagt. Auch hier waren wir fassungslos vor Wut. Bruces Familie entschied sich kurzfristig, die arme Maus an Bruces Stelle aufzunehmen, denn sonst hätte sie in Ungarn bleiben müssen. An dieser Stelle noch mal ein ganz herzliches Dankeschön an die Familie, die auch schon unseren Hugo adoptiert hat.
Es ist wirklich schön zu wissen, dass es solche Menschen gibt. Sie haben all unsere Hochachtung für so eine kurzfristige und bedingungslos tierliebe Entscheidung verdient. Somit wurde dieser Tag zumindest für Pindúr zum Happy End.
Nachdem alle Tiere sicher in ihren Boxen saßen, ging es auch schon los, Steffi und Regina im Transporter und Elke mit mir und dem kleinen Flusl vorneweg in Elkes Auto. Es war inzwischen richtig dunkel. Dennoch kamen wir bis Budapest gut voran. Hier sollten noch vier weitere Hunde vom Tierheim Belfegor zusteigen. Leider war am Treffpunkt weit und breit niemand zu sehen und nach einem kurzen Telefonat hatten wir das Missverständnis aufgeklärt: Die ungarischen Tierschützer hatten 6 Uhr morgens verstanden, wir warteten jedoch um 18 Uhr des vorherigen Tages auf sie. So musste der Transporter noch mal eine gute Stunde stehen und warten, damit Buksi, Lora, Lulu und Masni mit konnten. Als auch diese Hürde überwunden war, fuhren wir weiter bis nach Nickelsdorf, wo wir noch 6 Katzen und die Welpen vom Tierschutzverein Bubastis in Empfang nahmen. Durch Österreich kamen wir gut durch. In Deutschland begann es jedoch plötzlich zu schneien und so kämpften wir uns bis Regensburg, wo das Wetter schlagartig wieder besser wurde, durch Schneetreiben und über ungeräumte Autobahnen. Immer im Schneckentempo, das Ziel vor Augen, bei jeder Hundeübergabe neue Kraft tankend.
Die Adoptanten waren allesamt pünktlich, es flossen einige Tränen und jeder dieser Augenblicke verdeutlichte mir, warum ich all die Strapazen und emotionalen Belastungen auf mich nehme. Unsere Adoptanten meinten es gut mit uns. Nach dem dritten Halt hatte ich drei spendierte Kaffee intus, die von den wartenden Familien fürsorglich vor unserer Ankunft besorgt worden waren.
Und da ich normalerweise gar keinen Kaffee trinke, war ich gegen Ende der Fahrt doch ziemlich zitterig. So haben Regina und Steffi mich mit meinem Pflegling Öt, der später Balou werden sollte in Kirchheim wieder abgesetzt und den noch großen Rest der Reise tapfer alleine bewältigt. Abschließend möchte ich sagen, dass Kecskemét tatsächlich schlimm ist, dass die Bedingungen für jeden einzelnen Hund furchtbar sind und dass die Zustände dort im Prinzip nicht tragbar sind.
Aber, und das ist für mich das Wichtigste, es bewegt sich etwas. Es gibt sicht- und fühlbare Veränderungen. Es ist noch ein sehr weiter Weg, bis akzeptable Umstände erreicht sind, aber wir kommen diesen mit jedem kleinen Schritt ein Stückchen näher und irgendwann wollen und werden wir sagen können: „Ja, jetzt ist es ok, jetzt ist es ein gutes Tierheim.“ Um dieses Ziel zu erreichen brauchen wir Ihre Hilfe.
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Beate Dörsing



















