Ungarn/Rumänienfahrt 12.12.2009
Es war meine erste Fahrt nach Ungarn/Rumänien und ich war mächtig aufgeregt.
Nicht nur, weil ich mir einen Hund mitbringen wollte, sondern auch, weil ich an den Ort kam, an dem mein Elliot gelebt hat.
Hinzu kommt natürlich, dass Tierheime nicht grade die schönsten Orte sind. Ich hatte mich aber durchgerungen und machte mich am Mittwoch morgen um halb acht, mit einem Auto voll Spenden, auf den Weg nach Hannover, denn da sollte ich Birgit Lewe von der PHU treffen und dem Transport zusteigen.
Pünktlich um zehn haben wir uns getroffen und versucht meine Spenden noch in dem PHU-Transporter unterzubringen, welcher eigentlich schon restlos mit Spenden überfüllt war.
Um halb elf ging es dann endlich los auf große Fahrt.
Wenn das mal so einfach wäre… da der Transporter so voll war, hat andauernd irgendein Lämpchen geblinkt, z.B. Hintertür offen. Oh Schreck. Ich glaube wir haben auf der Hinfahrt 6 Mal angehalten, um sicher zu gehen, dass die Türen auch wirklich zu sind.
Sie waren es immer, aber irgendwie hört man ja doch auf so Bordcomputer. Außerdem konnten wir gut darauf verzichten unsere Spendenladung auf der Autobahn wieder zu finden und dadurch einen Stau zu verursachen.
Diese Fahrt war keine einfache Ungarnfahrt, nein wir sollten auch an einem Tag Spenden nach Rumänien bringen und Hunde mit zu ihren neuen Besitzern nach Deutschland nehmen. Mittwochnacht um ca. 1 Uhr waren wir endlich in Kecskemet im Hotel, und das ohne größeres Verfahren – super! Wir wollten nur noch ins Bett und ein bisschen schlafen. Donnerstagmorgen um halb sieben ging aber schon wieder der Wecker, denn wir hatten ja viel vor. Erst ging es zu Gabor auf die Swiss Ranch, um unsere Kolleginnen Elke und Ine und natürlich Gabor zu begrüßen und auch um Spenden auszuladen.
Danach ging es dann schnurstracks auf die Autobahn Richtung Rumänien.
Je näher wir Rumänien kamen, desto mehr Stände mit Knoblauch sahen wir am Straßenrand. Man muss nämlich wissen, dass wir auf direktem Wege nach Transsilvanien waren…
An der Grenze haben wir gezittert und gebetet, dass wir nicht auf die Waage müssen, denn Birgit war davon überzeugt, dass wir viel zu viele Spenden an Bord haben.
Aber alles ist gut gegangen und so konnten wir unseren Weg nach Arad fortsetzen.
Rumänien war schon ein Unterschied zu Ungarn. Ungarn machte auf mich einen sehr westlichen Eindruck, Rumänien hingegen schien Jahrzehnte in der Entwicklung zurück zu liegen. Es ist wirklich ein sehr, sehr armes Land, bzw. die Schere zwischen Reich und Arm geht sehr weit auseinander.
Um ca. 11 Uhr haben wir uns mit unserem Kollegen Andreas auf dem Parkplatz eines Einkaufcenters getroffen, da wir den Weg zu ihm nicht genau wussten. Andreas war etwas zu spät, sodass wir uns ein wenig die Beine vertreten haben… na und da ist es passiert.
Als ob sie uns erwartet hätte kam eine kleine Hündin schnurstracks auf uns zu, so als würde sie uns schon ewig kennen.
Trippel…trippel…trippel…an Birgits Bein geschmiegt und rauf auf den Schoß, um zu kuscheln.
Sie sah uns mit einem Blick an, der sagte „Auf eurem Auto steht zwar Pfotenhilfe Ungarn, aber vielleicht helft ihr mir ja auch!“ Es war ja meine erste Fahrt, aber selbst Birgit meinte, dass ihr so etwas noch nie passiert wäre. Und wie wir so sind, konnten wir das kalte Mäuschen natürlich nicht einfach so zurücklassen
Als Andreas kam gab er uns sein Okay, dass sie bei ihm bleiben kann.
Da wir eh bei einem Tierarzt vorbei kamen haben wir halt gemacht und die Maus chippen, impfen und durchchecken lassen. Raus aus dem Haus des Tierarztes ist sie dann mit dem Namen Amely und einem EU-Heimtierausweis.
Dann ging es weiter zu Andreas.
Amely hat ihre neuen Mitbewohner bei Andreas kennengelernt und dann wurden viele Spenden ausgeladen, Weihnachtsgeschenke überreicht und natürlich Hunde durchgekuschelt.
Es wurde gequatscht und gelacht und am Ende zwei Hunde eingeladen, die in Deutschland ein neues Zuhause gefunden haben. Im Anschluss sind wir dann zum privaten Tierheim APAM gefahren.
Als wir dort ankamen war es bereits dunkel, aber trotzdem konnte ich mir mit Hilfe einer Taschenlampe einen Überblick verschaffen.
So viele wirklich hübsche Hunde auf einem Haufen, die auf eine Familie warten, unglaublich.
Auch bei Cristina wurden Spenden ausgeladen und Geschenke verteilt (danke an die Forums-Damen, welche die Geschenkidee hatten und organisiert haben).
Dann wurden Boxen aufgebaut, denn von APAM sind 10 Hunde in ein neues Leben gereist.
Als wir das alles erledigt haben wurden wir noch köstlich beköstigt. Leider konnten wir nicht so lange bleiben, denn wir hatten ja noch den Rückweg nach Ungarn vor uns.
Cristina und Victoria haben sich schweren Herzens von ihren Hunden getrennt. Sie machen wirklich alles für die Tiere und lieben sie sehr, sodass der Abschied schwer gefallen ist.
Besonders Roni, der große, schmusige rumänische Hirtenhund, konnte sich nur schwer von seinen Mamas trennen. Hat er doch fast sein ganzes Leben bei ihnen verbracht. Er wusste ja auch noch nicht, das eine schweizer Familie Platz auf ihrer Couch für ihn gemacht hatte.
Wieder mitten in der Nacht sind wir am Hotel angekommen, nachdem die Hunde aus Rumänien auf der Swiss Ranch versorgt wurden.
Am nächsten morgen sind wir zum Tierheim nach Kecskemet gefahren.
Es wurden die Boxen für den nächsten Tag aufgebaut und versucht alle im Transporter unterzubringen.
Außerdem musste noch eine Menge Schriftkram erledigt, Transportlisten erstellt und Pässe gecheckt werden.
Ine hat mich dann durch das Tierheim geführt. Es hat genieselt und die Hunde haben vor Aufregung alle gebellt
Es war für mich kaum auszuhalten.
Eigentlich sollte ich Fotos machen, aber mir war so gar nicht danach. Ich wollte lieber so viele Hunde wie möglich streicheln, damit sie einen klitzekleinen Moment menschliche Wärme erfahren konnten.
Außerdem kam ich mir wie eine Voyeurin vor…Elend zu fotografieren war gar nicht mein Ding.
Ine konnte mich verstehen, sagte aber auch, dass ich vielleicht genau DAS Foto mache.
DAS Foto, aufgrund dessen sich vielleicht Menschen in diese eine arme Seele verlieben.
Da hatte sie Recht, also habe ich versucht gute Fotos zu machen, damit sich ganz viele Menschen in so viele Hunde wie möglich verlieben.
Nachdem wir den ganzen Tag im kalten Nieselregen verbracht haben, sind wir abends in ein Restaurant essen gegangen. Es war seeehr lecker und nach den Strapazen auch sehr entspannend. Dann ging es früh ins Bett, denn am nächsten Morgen sollten ja erst die richtigen Strapazen losgehen.
Um acht haben wir uns alle am Tierheim getroffen.
Die Hunde aus Rumänien und von der Swiss Ranch wurden überprüft, haben ein Spot-on bekommen und sind dann in ihre Transportbox gesetzt worden.
Und danach wurde jeder einzelne Fahrgast des Tierheims zu uns gebracht. Es wurden die Chips überprüft, sie haben alle ein Spot on und ein Halsband bekommen.
Man hat richtig gemerkt, dass alle Hunde wussten was los ist. Es wurde gebellt und auf sich aufmerksam gemacht
Mitten in der Arbeit ist dann ein großer LKW vorgefahren und hat neue Hütten ausgeladen.
Hütten für die, die leider noch länger im Tierheim auf ein neues Zuhause warten müssen. Ich habe mich riesig gefreut als ich das gesehen habe, denn langsam begannen die ersten Schneeflocken zu fallen.
Früher als geplant konnten wir unsere Heimreise antreten. Doch noch bevor wir auf der Autobahn waren, geschah wieder eine komisch Sache, so eine Sache wie mit der Hündin Amely in Rumänien.
Birgit und ich sind mit dem PHU Transporter gefahren, Elke und Ine mit Elkes Privatauto.
Eigentlich kennt Elke die Strecke zur Autobahn in und auswendig, doch an dem Tag, ist sie falsch abgebogen…und das war auch gut so, denn so haben die beiden gesehen, wie ein Hund an einem Zaun am Straßenrand gegraben hat, damit er den Zaun überwinden konnte.
Er wusste ja nicht, dass ihn hinter einem Stückchen Wiese eine sehr vielbefahrene Straße erwartet.
Elke hat Gabor angerufen, der sofort los gefahren ist, um den Hund vor den Autos auf der Straße zu bewahren. Leider war dieser wunderschöne Kommondor weg, als Gabor und die Tierheim-Mitarbeiter eintrafen.
Nach diesem kleinen und vor allem wichtigen Umweg, konnten sich auch Ine und Elke auf die Reise Richtung Deutschland machen. Das frühe loskommen in Ungarn sollte uns aber nicht wirklich etwas nützen, denn im verschneiten Österreich haben wir eine Verspätung eingefahren.
Nichts desto trotz, stand mir noch das schönste der Ungarnfahrten bevor – die Übergaben.
Birgit hat nicht gelogen, als sie mir vorher sagte, dass einem das ganz viel gibt. Nach all den negativen Bildern (natürlich war nicht alles negativ…) sind die Übergaben wie ein Traum.
Ein Hund, der vorher im Tierheim nicht beachtet wurde, wird plötzlich mit Tränen in den Augen von seiner neuen Familie erwartet. Das ist etwas ganz, ganz tolles!
Eigentlich habe ich mich bei den Übergaben zurück gehalten, Fotos gemacht und versucht so gut wie möglich zu helfen, aber die eigentlich „Arbeit“, die Hunde aus den Boxen holen, habe ich den Erfahrenen überlassen. Was zu Beginn auch gut so war, denn es waren einige ängstliche Hunde dabei, die sich nicht aus ihrer Box getraut haben.
Irgendwann meinte dann aber Birgit, dass es nun auch an der Zeit sei, dass ich das auch mal mache.
Und wer war dran, einer meiner Lieblinge – Henry – ein älterer Herr, auf den zwei ganz nette Leute gewartet haben.
Und da schau an, der Henry war gar nicht ängstlich, ich habe ihm die Leine angelegt und gesagt, dass seine neuen Eltern draußen warten.
Mit einem Satz ist er aus der Box gesprungen, ist zur Tür gelaufen und hat seine neuen Eltern wedelnd begrüßt, so als ob er nur im Urlaub gewesen wäre. Die anderen Übergaben gingen genauso weiter: viele glückliche Menschen und viele glückliche Hunde, auf die ein neues Leben wartet.
Ich kann zum Schluss nur sagen, dass es eine ganz tolle Fahrt war und man so etwas wirklich einmal live erlebt haben muss.
Man muss das Tierheim und die Umstände dort gesehen haben, damit man versteht, was das Team der PHU wirklich leistet.
Meine Fahrt endete um neun Uhr bei mir vor der Tür, das heißt nach 26 Stunden wach sein und nach 22 Stunden Autofahrt. Ich musste erstmal meinen Spatz Elliot mit seinem neuen Bruder Wilson bekannt machen und eine Gassi-Runde gehen.
Es war anstrengend, es war traurig, es war stressig, es war lustig und es war schön…ich bin im nächsten Jahr auf jeden Fall wieder mit dabei!
Denise Anton
(mit Wilson, der nach viel zu kurzer Zeit ins Regenbogenland ging)






















