Zu vermitteln
Unsere Vergessenen in Kecskemét
Jeder Hund, der aus einem Gehege geholt wird, verursacht einen ohrenbetäubenden Lärm aus Hundegebell. Es liegt eine unerträglich erwartungsvolle Spannung in der Luft. Alle Hunde bellen gleichzeitig und andauernd.
Es klingt wie ein einziger Schrei.
Die Zeit scheint zu gefrieren.
Alles wird unterbrochen,
die Hunde rennen an die Zäune
und an ihnen entlang,
springen hoch,
krallen sich im Gitter fest,
verfolgen, was passiert,
sind bis aufs Äußerste angespannt und erregt.
Sie bellen um ihr Leben und für ihr Glück…
Vielleicht, ja vielleicht sind sie selber dieses Mal auch dabei… Unter diesem Lärm werden die reservierten Hunde in ihre Boxen verbracht. Es ist furchtbar schwer auszuhalten, denn es scheint, als wüssten alle Hunde nur zu genau, was passiert, und was es bedeutet.
Ich fühlte mich wie eine Verräterin.
Einige Hunde erleben dieses nur einmal und sie gehören zu den Glücklichen, die diesen Schrei des Hoffens und Bangens, der Verzweiflung und Angst und schließlich der Resignation, wenn der Transporter das Tierheim verlässt, nie wieder hören müssen.
Vergessen kann ihn niemand.
Andere Hunde sind diesem Aufruhr immer und immer wieder ausgesetzt, und nichts ändert sich für sie. Diese Hunde möchte ich euch vorstellen, euch ans Herz legen, für sie bitten, gerade weil sie schon so unendlich lange warten, oder dringend ihre Familie brauchen, aber immer noch ihren Platz im Tierheim und ihr Vermittlungsfoto und ihren Steckbrief auf der Webseite der Pfotenhilfe – Ungarn haben…
Elke Niegl
Kacér, hinter dem Regenbogen
Kacér, du bleibst unser Ansporn…
Liebe Kacér, dein Bild führt zu den Vergessenen.
Wir haben es ausgewählt, weil es uns passend erschien.
Es zeigt uns die Hoffnung und Verzweiflung, mit denen ihr darauf hofft,
endlich, endlich das Tierheim verlassen zu dürfen.
Dagmar hat die Fotogalerie durchsucht, um ein Bild zu finden, das die Stimmung beim Verladen in den Transporter sichtbar macht.
Kacér, du standest am Gitter, die Nase in der Freiheit, dein flehender Blick.. Kacér, für dich war kein Platz reserviert im Transporter,
du hattest noch keine Familie…
Kacér, dir blieb keine Zeit…
Niemand konnte dir helfen…
Das überfüllte Gehege war dein Todesurteil.
Kacer, du bleibst unser Ansporn auch für aussichtslose Fälle weiter zu kämpfen und zu hoffen...
Mach es gut, kleine Maus.
Danke, liebe Kacér…
Pepita
Tierheimnummer 119.
Tag der Inhaftierung: 25.11.2007.
Weißt Du Pepita,
ich glaube, es hat wirklich keinen Sinn,
dein Durchhalten.
Niemand interessiert sich für einen Schäfermix.
Ja, ja, ich weiß,
du warst immer freundlich-schüchtern und hast nicht gezankt,
hat dir das was genutzt?
Hat dich jemand deshalb adoptiert??
Eher nicht, oder?!
Klar, du lebst noch,
aber
wie hoch ist der Preis für so ein Hundeleben?
Was ist überhaupt ein Hundeleben?!
Dein Jetziges hat ja wohl mehr mit einem Sterben auf Raten zu tun,
als mit Leben, oder??
Wie alt bist du jetzt?
Fast fünf - aha.
Na schauen wir mal,
wie viele Winter du noch durchhältst.
Wenn ich könnte,
würde ich dich hell anmalen.
Beige ist sehr beliebt.
Deinem Fell würde ich ein paar vorwitzige Wellen verpassen
die in deine Augen fallen
und deinem Gesicht ein weniger ernstes Antlitz verleihen.
Ein paar Zentimeter kürzer müßtest Du schon noch werden,
damit ich dich auf ein Sofa vermitteln kann.
Oder auf ein weiches Hundekissen
das ganz warm unter deinem Körper liegt,
wenn es draußen kalt wird.
Ach, meine süße Pepita
mit fast fünf ist man ja schon ein bißcher ruhiger,
doch ich weiß,
dass dein Herz noch mal richtig brennen könnte.
Für einen Menschen der dich einfach so nimmt, wie du bist.
Schüchtern. Einsam.





