Reisebericht Claudia Wrobel
Reisebericht vom 19.02. bis 21.02.2009
Ein Terrier, ein Pudel und ein Owtscharka gehen zusammen mit 47 anderen Hunden on tour…
Am 19.02. morgens um 4:00 Uhr ging es, nachdem wir noch etliche Spenden verladen haben, auf die Piste. Jetzt lagen mindestens 16 Stunden Fahrt vor uns. „Uns“ das sind dieses Mal Dagmar Sieg, Christine Hartung-Czaja und meine Wenigkeit, Claudia Wrobel. Wir drei kennen uns ja nun schon seit Beginn der Vereinsgründung der PHU und es gibt immer viel zu bereden, so dass die Fahrt nicht langweilig wurde. Nach ungefähr 12 Stunden kommt bei jeder Fahrt das Phänomen zustande, dass alle im Auto nur noch Blödsinn reden….
So auch bei uns passiert: Wir fingen an, uns Gedanken darüber zu machen, welche Hunde wir wohl charakterlich darstellen würden, wenn wir nicht als Mensch sondern als Hund auf der Erde wären. Und so haben wir für uns beschlossen, dass wir einen Terrier, einen Pudel und einen Owtscharka verkörpern würden. Wer, wer ist, das bleibt jetzt unser kleines Geheimnis, aber ich denke, alle, die uns kennen, können auch die Tiere zuordnen.
Aber zurück zur Fahrt: Die Hintour verlief ohne Staus, schlechte Straßen oder sonstigen Vorkommnissen. Wir waren um 20:00 Uhr in Kecskemét und konnten im Hotel einchecken. Dort konnten wir dann auch Alexandra Hopfauf und Conny Orthmann begrüßen, die sich netterweise spontan bereit erklärt hatten, uns beim Transport der vielen Spenden und den wieder mal viel zu vielen Hunden zu helfen. Wir waren alle gerädert, aber einen kleinen Absacker wollten wir noch gemeinsam zu uns nehmen, bevor wir dann erschöpft in die Betten fielen. Der nächste Morgen sollte erstmal mit einem Frühstück eingeleitet werden, denn wir wussten auf uns kam viel Arbeit zu.
Zumal unser lieber Gabor ja als Helfer ausfiel, denn er hatte einen Unfall und musste mit 10 Stichen im Gesicht genäht werden. Uns war nach seinem Anblick klar, dass er unheimliche Schmerzen haben musste und wir hatten uns vorgenommen ihn weit möglichst zu schonen.
Um 9:00 Uhr kamen wir im Tierheim an und nun bestand die Aufgabe darin, beide Autos von ihrem Übergewicht an Spenden zu befreien, diese zu sortieren nach Futter, Decken, Katzensachen und natürlich den vielen, tollen, gespendeten Wärmelampen. Danke nochmals dafür!
Das ganze musste dieses Mal unter einer Zeitvorgabe geschehen, da wir um 10:00 Uhr schon wieder einen Termin in der Futtermittelherstellungsfabrik hatten. Also packten alle an, so dass Gabor und ich uns um 9:45 auf den Weg in die Fabrik machten.
Um 10:15 standen wir dann in der Fabrik auf der Matte. Die erste Tonne unseres speziell für uns hergestellten Futters stand zum Einladen bereit auf Europaletten. Auch hier wurde ich wieder von dem Einfallsreichtum der Ungarn überwältigt: es existierte kein elektrischer Gabelstabler, sondern nur einer, der von Hand betrieben wurde. Die 500 Kilo auf die Höhe des Transporters zu bringen, erforderte von den Männern schon Höchstleistung. Als die Palette dann auf der entsprechenden Höhe war, wurde sie mit Manneskraft in das Auto geschoben. Nun sollten ja aber zwei Paletten ins Auto: kurzerhand wurde mit dem handbetriebenen Gabelstabler ein Europalettentransportwagen auf die Höhe gehievt und so aufgebockt konnte die Palette dann ans Ende des Transporters gelangen. Das Foto verdeutlicht hoffentlich meine Ausführungen. Ich habe so etwas vorher noch nicht gesehen und war wirklich fasziniert.
Auch diese ganze Aktion ist nur möglich gemacht worden durch alle fleißigen Spender, wir haben jetzt für 2000 € Futter bestellt und können damit hoffentlich die Pizzarestefütterung im Tierheim erst einmal unterbinden.
Im Tierheim wieder angekommen, wurde sich sehr über den Futtertransporter gefreut. Alle packten tatkräftig an und so war innerhalb weniger Minuten das ganze Futter mäusesicher in einem ausgedienten Kühlwagen verstaut. Aber mit Verschnaufen war nichts: die Boxen für den Transport mussten aufgebaut werden. Und auch hier wurde wieder bewiesen, dass wir inzwischen auch mit den Tierheimmitarbeitern als Team fungieren können. Die Boxen standen alle aufgebaut innerhalb von 15 Minuten und Laszlo konnte mit dem Puzzelspiel: Wie bringe ich 36 Hunde in einen Transporter? beginnen. Das andere Auto war dank der guten Vorarbeit durch Christine und Alexandra schon für 9 Hunde vorbereitet. Laslo hat wirklich großartig gearbeitet und so konnten wir am selben Abend alle Boxen schon mit Transportzetteln, Decken und Leckerlis für die Fahrt ausstatten.
Bei unserem Rundgang durch die Quarantäne fiel uns ein Hund auf, der sich augenscheinlich zu seinem Nachbarn in den Käfig gesellen wollte. Bei näherem Hinsehen mussten wir dann aber feststellen, dass der Hund zwischen den Gitterstäben festsaß. Er konnte sich weder vor noch zurück bewegen. Zum Glück war seine Nachbarin Nana aber ein ganz besonders lieber Hund. Unvorstellbar, was passiert wäre, wenn dort nicht Nana, sondern ein unverträglicher Hund gesessen hätte. Der kleine Kerl wäre chancenlos zusammengebissen worden. In gemeinsamer Kleinstarbeit gelang es uns dann endlich, die kleine Maus aus ihrer misslichen Situation zu befreien.
Dies war auch kein Einzelfall. Kurze Zeit später hing der nächste Hund im Gitter fest.
Damit stand auch unserer nächstes Projekt fest: Wir müssen unbedingt dabei unterstützen, dass die Drahtgitter verkleinert werden, damit so etwas nicht mehr passieren kann.
Unseren aufregenden, anstrengenden Tag haben wir dann mit einem gemeinsamen Essen ausklingen lassen. Dort haben wir Kati dann auch ihre Überraschung überreichen können. Ich denke dieses Bild spricht Bände, oder???
Am Samstag wollten wir eigentlich vor dem Tierheim noch auf die Swiss Ranch, um uns ein Bild von den dort untergebrachten Hunden zu machen. Leider kam uns eine Stadtrundfahrt durch Kecskemét dazwischen. Zu deutsch, wir haben uns auf unser Navi verlassen und uns schlußendlich elendig verfahren. Gerade, als wir völlig planlos durch die Gegend fuhren, klingelte das Handy und auch unsere beiden Unterstützer Alex und Conny hatten dasselbe Problem. So verabredeten wir uns kurzerhand beim Hotel, denn von dort kennen wir den Weg ja, und fuhren um 10:30 Uhr direkt ins Tierheim.
Dort angekommen wurden wir schon mit Kaffee begrüßt und Lapi hatte eine besondere Spezialität (warmer, süßer Eierkuchen) extra für uns gebacken. Ich bin nun wirklich schon einige Fahrten nach Ungarn gefahren, aber ich kann irgendwie nicht abstumpfen. Der Kuchen war wirklich köstlich und da extreme Minusgrade herrschten, wirklich eine Wohltat, aber mich plagt trotzdem immer das schlechte Gewissen, denn ein paar Meter weiter sitzen die armen Hunde und frieren sich den Hintern ab, während wir warmen Kuchen essen. Gerade für die Hunde mit wenig Unterwolle ist es eine Qual mit anschauen zu müssen, wie sie frieren. Ein Hund hat wirklich mit den Zähnen geklappert. Ein anderer versucht sich mit „Sport“ warm zuhalten und sobald er anhält, zittert wieder der ganze, dünne Körper. Es ist wirklich elendig. Und jedes Mal ist es das Schlimmste, zu wissen, das man zwar viele rettet, aber noch mehr dort unten bleiben und weiter frieren müssen.
Aber für Melancholie bleibt ein Glück nicht viel Zeit, denn jetzt ging es darum, alle Pässe und Impfungen zu kontrollieren, die Unterlagen vom Veterinär zurück zu bekommen, damit wir überhaupt ausreisen dürfen und die Sachen für das Verladen vorzubereiten.
Die Halsbänder werden nach Größen sortiert, Spot-on-Präparate, das Chiplesegerät geprüft und die Pässe auf einem großen Tisch vorbereitet. Und dann ist es auch schon soweit. Die Hunde werden für den Transport vorbereitet. Jedes Mal wieder bekomme ich Gänsehaut, weil es ein sehr berührender Moment ist, wenn diese Hundeaugen Dich fragend, aber auch erleichtert anschauen und dann in ihre Transportbox kommen.
Einer von unseren Schützlingen hat sich mit Eintritt in die Box so gefreut, dass wir die ganze Zeit die Rute klopfen gehört haben. Das muss man sich mal vorstellen, ein Hund sitzt in einer Box und freut sich! Er hat so sehr mit dem Schwanz gewedelt, dass seine dünne Rute an dem Gitter aufschlug und das Blut spritzte. Und er hat sich immer weiter gefreut…. Das sind die Momente, die mir die Bestätigung geben, weiter zu machen.
Als dann alle Hunde im Tierheim verladen waren, haben wir uns verabschiedet und sind zuerst zu Gabor und dann auf die Swiss Ranch, um dort die restlichen Hund einzuladen. Bei Gabor konnte ich auch endlich Zoli wiedersehen, dessen Schicksal mich sehr berührt. Gabor hat ihn ja in seiner Obhut, da er nochmals operiert worden ist. Auch alle anderen bekannten Fellnasen wurden begrüßt und geknuddelt.
Dann wurde es für unsere Reisehunde ernst und sie wurden in ihre Boxen gebracht. Nun fehlten aber immer noch die Hunde und die zwei Katzen von der Swiss Ranch. Also, dorthin und es ging weiter. Auch Kerstin war inzwischen angekommen und konnte uns ihre inzwischen auch vermittelten Pflegehunde überreichen. Alle waren jetzt an Bord und wir konnten einigermaßen pünktlich starten. Man gut, denn uns sollte noch ein Unwetter in Österreich ereilen. Schneefall mit Sichtweiten unter 50 m und dazu spiegelglatte Straßen… so katastrophale Zustände auf den Autobahnen habe ich noch nie erlebt. Vor allem, die Streufahrzeuge waren überall im stetigen Einsatz, aber irgendwie war das Unwetter schneller und deren Arbeit wurde innerhalb kürzester Zeit zunichte gemacht. Dieser Straßenzustand hielt sich leider bis Bayern. Dann fing es ein Glück an, um 0 Grad zu sein, so dass der Schnee sich in Matschepampe verwandelte. Leider hatten wir zu dem Zeitpunkt schon zwei Stunden Verspätung. Das Beruhigende ist dann nur, das die Übernehmer alle so verständnisvoll sind. Schließlich sitzen sie ja auch und warten. Teilweise haben sie ja auch stundenlange Fahrten hinter sich, aber ich habe es noch nie erlebt, dass dort ein böses Wort fiel. Stattdessen werden wir mit Naschis überhäuft und bekommen frische Brötchen und Kaffee serviert. Vielen Dank dafür.
Alle Hunde sind inzwischen gut in ihren neuen zu Hausen angekommen. Für mich ist es immer schön, die Bilder von glücklichen Hunden in Körbchen, frei laufend auf Wiesen zu sehen, denn so kann ich die Bilder, die mich in Ungarn treffen, verarbeiten. Und es bestätigt mich, weiter zu machen. Und wer weiß, vielleicht trifft man sich ja beim nächsten Pfotenhilfetreffen am 05.09.09











