Ein Weihnachtsmärchen 2011
Es war Sommer und warm, besser gesagt sehr heiß. Jeder suchte sich einen Schattenplatz und bewegte sich so wenig wie möglich, um nicht ins schwitzen zu kommen.
Gabor war am Nachmittag auf der Swiss Ranch und sehr nachdenklich. Er lehnte an einem Baum und beobachtete Donya.
Sie hatte sich nicht erholt. Der Winter war schon lange vorbei und die bunten Blumen standen in voller Blüte, aber Donya.....
In dem Moment beschloss er einzugreifen, weiter für sie zu kämpfen und, sobald sie sich zeigen würden, in die Sterne zu rufen.
Die ungarischen Nächte sind oft auch sehr, sehr warm. Schlafen ist dann schon schwierig. Meist funkeln die Sterne ebenso hell, wie die Sonne am Tag. Zumindest kommt es einem so vor, wenn man den Kopf in den Nacken legt und sich diesen Anblick gönnt.
Gabor hat in dieser Nacht keine Augen für die Schönheit der Natur, denn sein Herz ist schwer und er braucht einen Rat.
Seinen Verdacht, das Donyas verschlechterter Zustand mit dem verschwinden des alten Mannes zu tun haben könnte, kann er ja mit niemandem besprechen. Das Engelein war der einzige Zeuge und Mitwisser der ganzen Geschichte. Und nachdem er nun keine Idee mehr und alles menschenmögliche ausprobiert hatte, rief er in seiner Not in die Sternenpracht des ungarischen Himmels.
"Alter Mann, hörst du mich? Engelein der Weihnachtsgeschichte? Wo seid ihr? Ich brauche eure Hilfe. Donya geht es sehr schlecht! Gebt mir doch einen Hinweis, wie ich euch finden kann, igen? "
Sein Gesicht war in tiefe Sorgenfalten gelegt, als er noch einmal nach Donya sah, bevor er zurück ins Haus ging, um sich für die restliche Nacht hinzulegen.
Der alte Mann kam aus seinem Versteck hinter der Krankenstation hervor, als Gabor ins Haus verschwunden war. Er trug immer noch seinen Bart, dazu kurze Hosen und ein kariertes Hemd.
Heute folgte ihm kein Hund. Stattdessen hatte er einen überlangen Stab bei sich an dem er sich festhielt, wenn er einen Schritt tat. Er benutzte ihn wie einen Wanderstock.
Lautlos ging er zu Donya, die ihn freudig bewedelte. Ihr war anzusehen, das sie sich über sein Erscheinen freute und das es ihr nicht gut ging, sah man ebenfalls. Sogar Nachts.
Der Alte hatte seit dem Würfelspiel genau verfolgt wie es mit Donya weitergegangen war, denn sie war und blieb sein Liebling. Als er sich jetzt zu ihr setzte und sie streichelte spürte er ihre verkrustete Haut, die ihr große Schmerzen bereiten mußte.
Sogar unter den Füßen hatte es sie erwischt. Darum war er jede Nacht hierher gekommen. Auch im Frühling und jetzt im Sommer.
Er berührte sie überall, um mit seinen heilenden Händen ihre Schmerzen zu lindern. Leider hielt das nie so lange an, daher mußte er die Prozedur immer und immer wiederholen. Und das Nachts, damit es niemand bemerkte.
Donya entspannte sich zunehmend unter jeder Berührung und schlief ein, während seine Hände ihre brennenden Haut löschten.
Bevor Gabor am Morgen seine tägliche Arbeit aufnehmen wollte, sah er noch einmal nach Donya und staunte nicht schlecht, als er den alten Mann auf dem Erdboden sitzend vorfand.
Der streichelte immer noch die blühende Haut. Donya schlief tief und fest und ließ sich überhaupt nicht aus der Ruhe bringen durch Gabors erscheinen.
"Du bist wirklich gekommen", begrüßte Gabor den Alten freudig überrascht.
"Ich bin dir so dankbar."
Gabor hockte sich sofort neben den alten Mann zu Donya.
"Guten Morgen Gabor. Natürlich komme ich, wenn du mich rufst."
"Willst du einen Kaffee?"
Was anderes fiel ihm gerade nicht ein, vor erstaunen. Und das will bei Gabor schon was heißen!
"Nein danke, ich trinke zu Hause einen. Ich bin gekommen um Donya mitzunehmen. Ist es dir heute recht? Du weißt sie wird es gut haben bei mir und den anderen Hunden. Das verspreche ich dir."
Gabor wußte, das er nun einwilligen musste, so schwer es ihm auch fiel. Der Alte bemerkte seine Gedanken, legte ihm versöhnlich die Hand aufs Knie und sah ihm direkt ins Gesicht.
"Du triffst sie wieder. Sie wartet auf dich, wenn deine Zeit gekommen ist. Ganz sicher."
Seine Stimme war voller Zuversicht und dem Licht des Glaubens.
Als der Alte versuchte aufzustehen, war Gabor flinker auf den Beinen und half ihm, bis er ein gerades Kreuz hatte. Dann reichte er ihm noch seinen Wanderstock.
Donya lag immer noch flach atmend am Boden und als der Stab sich auf sie senkte und ein kleines Licht in ihren Körper sprang, erhob sie sich schmerzfrei, schüttelte sich, als hätte sie ein lästiges Bad hinter sich und sah die Männer dann wedelnd an.
Ihre Haut war jetzt glatt und ohne schmerzende Krusten. Die Augen klar und offen. Ihre Pfoten bluteten nicht mehr und Gabor hockte sich nochmal zu ihr, knuddelte sie, um sich zu verabschieden.
Wortlos setzte der alte Mann sich in Bewegung und Donya folgte ihm leichtfüssig und frei.
" Ich danke Dir", rief Gabor laut hinterher, damit er gehört wird.
Der Alte hob seinen Stab in die Höhe als Zeichen, das er verstanden hatte und ging zielstrebig davon.
"Und grüße mir die anderen Sterne", murmelte er noch, als der Alte in den Wald einbog.
Dreimal hörte er Donya in der Ferne freudig bellen und Gabor war trotz aller Trauer glücklich, dass seine Donya nun frei war.
Schweren Herzens machte er sich auf in Richtung Küche, um einen Moment für sich zu nehmen. Eine kleine Auszeit bei einem Kaffee erschien ihm nun genau richtig.
Gerade als er die Türklinke zur Küche runterdrückte, bemerkte er im Augenwinkel ein wippendes Füßchen, das er nicht zuordnen konnte. Gabor wandte sich der Tür ab und sah um die Ecke, wo das Engelein auf dem Gartenstuhl saß und mit dem Bein wackelte. Seine großen Augen waren feucht. Sicher hatte es Donya noch gesehen.
"Jó reggelt, guten Morgen", sagte das feine Stimmchen mit wackelnden Füßchen.
"Dir auch einen guten Morgen, Engelein. Ich bin beeindruckt. Du hast ungarisch gelernt! Wie heißt denn guten Morgen in deiner Sprache?"
Gabor setzte sich dazu.
"Magdag magau."
„Magdag magau“, wiederholte Gabor. Die offenen Augen trafen direkt in Gabors Seele und er blickte sie lange an.
"Danke, das du gekommen bist. War es schwer für dich, um diese Jahreszeit?" fuhr er fort.
"Nein, das war nicht schwer. Und ich war gerade hier in der Ecke. Es ist überall was los, weißt du, auch im Sommer. Nur die Wünsche sind ganz anders, als zu Weihnachten. Durst haben immer noch alle, aber jetzt wünschen sie sich einen Schattenplatz und keine Decke, wie im Winter."
"Ja, das stimmt wohl. Aber ich bin sicher, das du auch diese Wünsche erfüllen kannst. Irgendwie hast du es noch immer hinbekommen."
Das Engelein seufzte leise.
"Ich brauch einen Kaffee, du auch?"
"Au ja, ich auch. Aber mit viel süß drin," zwinkerte es und riss sich ein langes Gras aus der Erde und spielte damit. Gabor grinste als er aufstand, um das Gewünschte zusammen zu brauen.
Das Engelein stand auf und näherte sich den Zwingern. Das sah im Sommer alles ganz anders aus und als die Hunde sich laut melden wollten, legte es nur den Zeigefinger auf den Mund und pustete ihren goldenen Atem in die Luft. Alles war sofort still und das Engelein besuchte den schönen Afton und knuddelte ausgiebig Lujza.
Als Gabor mit dem Kaffee heraus kam, da lief ein Hund mit ihm, der war so bunt. Das Engelein bewunderte ihn. Ausserdem war er so lieb und es musste ihn immer wieder kraulen, während es, wieder sitzend, den Kaffee genoss.
"Hast du auch einen Sommerwunsch? "
Das Engelein wackelte schon wieder mit dem Fuß, als es fragte.
"Puh... einen? Da muß ich erstmal überlegen."
Gabor zwinkerte über den Becherrand hinweg.
"Hast du denn einen Wunsch, Weihnachtsengel?"
"Ich? Du hast meinen Wunsch doch schon erfüllt", zwinkerte es zurück.
"Der Kaffee ist köstlich und süß!"
Dann nahmen sie noch schweigend einen Schluck, bevor das kleine Engelein betroffen weiter sprach.
"Ich war auch woanders unterwegs, weißt du? Es gibt so viele, die Hilfe brauchen und wo oftmals gar niemand ist. Nicht mal ein einziger von uns. Ich bin da immer noch auf der Suche nach Menschen, die auch mit dem Herzen sehen können. Nicht nur mit den Augen. Ich hinterlasse überall meine Spuren, flüstere in Ohren, aber so recht tut sich da nichts."
"Ja, es ist schwer jemanden zu finden, der das sieht, was wir sehen. Und wir haben wirklich Glück miteinander. Du bist gekommen um zu helfen und der Alte hat uns auch nicht vergessen."
"Ja, er war auch sofort da, als du ihn riefst. Weißt du, die Schwierigkeiten sind oftmals auch, das die Menschen, wenn sie denn sehen können, einfach nicht hören was sie sehen. Und dann gibts wieder kuddelmuddel."
"In der Tat. Das kenne ich. Wie ein aufgeregter Hühnerhaufen, sozusagen."
"Ja genau. Und jeder gackert um sein eigenes Ei, anstatt gemeinsam die ganzen Nester zu bewachen, damit nichts geschehen kann."
"Flüsterst du auch für Hühner?"
"Hühner?"
Das Engelein wurde kurz aus dem Konzept gebracht.
"Ich flüstere für alle Lebewesen. Ich bin ein Engel!"
"Natürlich! Entschuldige, ich hab das kurz vergessen."
Gabor grinste unverschämt, nahm dann den letzten Schluck aus seiner Tasse und das Engelein betrachtete ihn aufmerksam, als es erneut fragte.
"Nun sag schon. Was ist bei dir los? Was ist dein Wunsch?"
"Hier ist viel geschehen, seit wir uns das letzte Mal trafen. Die Tierheimbetreiber hatten Probleme und es war kurz vor dem Aus. Fast hätten wir dicht gemacht. Und was das für die Hühner... äh für die Hunde bedeutet hätte, kannst du dir ja vorstellen. Nun haben wir das Tierheim übernommen und stehen da, mit allem, was dazu gehört. Und meist hat es mit dem bunt bedruckten Papier zu tun, dass das lästigste der Welt ist. Geld. Futterkosten, Strom, Tierarztrechnungen, Löhne und all das andere Irdische, was uns so sehr ausbremst. Tja, und da stehen wir jetzt. Irgendwie wieder am Anfang, obwohl wir mittendrin sind."
Gabor sah in seine Tasse, bevor er das Engelein anblickte.
"Wir haben viele Probleme, wie du siehst. Nicht nur eines."
"Ja, das verstehe ich. Und mich tröstet nur, das du nicht alleine bist. Da sind andere bei dir. Gute Geister, die mit dir arbeiten. Für die Hunde und für das bunt bedruckte Papier. Und vielleicht kommt mir ja auch noch eine Idee."
Das Engelein stand auf und ihr linker Flügel verhakte sich in dem Rückenteil des Stuhls. Eine weiße Feder fiel sanft auf die ungarische Erde.
"Ich muss jetzt wieder gehen, Gabor. Leider. Aber ich danke dir, das du mir den köstlichen Kaffee gemacht hast. Und rufe mich ruhig wieder, wenn du meine Hilfe brauchst."
Das Engelein umfasste das erste Mal den Mann, der in der Vergangenheit nicht an Übersinnliches, Wunder und Engel geglaubt hatte, bevor es mit einer Spur von Engelsstaub die Ranch verließ.
Gabor setzte sich wieder auf den Gartenstuhl und schüttelte leicht mit dem Kopf. Das war unglaublicher, als unglaublich, denn schließlich war Juli. Als er aufstand um die Tassen wegzubringen, damit die Hunde sie später nicht zerdepperten, blieb sein Blick an der Feder hängen, die das Himmelsgeschöpf verloren hatte.
Er hob sie auf und ein feiner goldener Engelregen folgte der Bewegung, die er mit der Feder machte. Während er die Feder betrachtete musste er ihr recht geben. Er war nicht allein, es gab viele Menschen die mit ihm den Weg gehen und die zusammenhalten.
"Morgen".
Auf Schweizerdeutsch ertönte es hinter ihm und riss ihn aus den Gedanken.
"Wo ist Donya?", will Kati wissen, während sie einen Zug von der Zigarette nahm.
"Morgen. Zuhause ist sie. Sie wurde heute früh abgeholt."
"Wie abgeholt? Ja, spinnst du? Es ging ihr gestern sau schlecht? und ein Zuhause? Wo kommt das denn so plötzlich her?"
"Der Mann wollte sie schon in letzten Winter mitnehmen, doch ich hab sie nicht gehen lassen. Heute war er wieder da und ich hab sie ihm mitgegeben. Es wird ihr da sehr gut gehen."
Kati wusste nicht was sie dazu sagen sollte und sie brummelte etwas ungarisches, als sie losmarschierte, um mit der vielen Arbeit des Tages zu beginnen.
An dem Tag im Sommer fiel Gabor noch ein wunderschöner Schmetterling auf, der überall herumflatterte und auch vor der Krankenstation nicht halt machte. Doch im Tagwerk ging der Wunsch verloren, diesen Schmetterling weiter zu beobachten, um herauszufinden, ob das kleine Engelein dahinter steckte.
Das alles ist ein halbes Jahr her und heute, am Weihnachtsabend, wo viele Kinder dieser Welt leuchtende Augen haben, wo viele Kirchenglocken einladend durch die Dunkelheit rufen und wo viele Hunde und Katzen eine extra Portion Leckeres bekommen, geht unsere Geschichte weiter.....
***
Das Tierheim öffnete wie immer früh am Morgen seine Tore. Das gruselige Matschwetter hatte die Wege in eine undurchsichtige Schlammlandschaft verwandelt und von Festtagesstimmung oder Glanz war hier nichts zu sehen. Die Gummistiefel der Mitarbeiter waren voller Dreck und das Fell der Hunde oftmals feucht und struppig von dem Wetter.
Die guten Geister des Tierheims schwirrten umher und erledigten das, was jeden Tag im Jahr getan werden muss. Wirklich jeden Tag. Die Geräuschkulisse war ohrenbetäubend laut, als der alte Mann und das Engelchen den Platz betraten.
Erstmal nahm niemand von ihnen Notiz, denn es kommt ja öfter vor, das Besucher erscheinen um sich umzusehen, oder einen Hund zu adoptieren.
„Wir waren lange nicht hier“, sagte das Engelein betreten zum Alten, als es vor dem Junghundgehege stand und die Hunde beobachtete.
„Ja, das stimmt. Viel zu lange für meinen Geschmack.“
„Schau mal, der Süße da humpelt entsetzlich.“
Das Engelein zeigte auf einen sehr dünnen, braunen Junghund, der seine Vorderpfote nicht voll belastete. Der Alte nickte, er hatte es mit seinem geübten Blick sofort gesehen.
„Soll ich pusten?“ Das Engelein sah ihn fragend an.
„Du weißt, das du haushalten musst mit deinem Staub und sieh dich mal um. Da sind noch so viele Gehege.“
„Ja ich weiß, aber nur ein bisschen, ich kann einfach nicht anders.“
Das Engelein hauchte leicht in das Gehege und ihr feiner goldener Staub breitete sich aus und legte sich auf die Hunde, die Erde, die Dächer der Hundehütten und in die Näpfe.
„Jo reggelt, kann ich euch helfen?“, wurden sie angesprochen. Berna hatte sich zu den Beiden gestellt und fragte freundlich.
„Jo reggelt“, antworteten beide im Chor.
„Wir suchen einen Hund,“ sagte der alte Mann langsam, "und würden uns gerne einmal umsehen, wenn das geht.“
„Natürlich, gerne. Darf ich Ihnen etwas zeigen, oder haben Sie eine besondere Vorstellung?“
„Nein, vielen Dank. Wir wollen einfach mal so gucken.“
Das Engelein mit der hellen Stimme lächelte Berna offen entgegen.
„Gut. Dann tun Sie das. Und wenn Sie Fragen haben, oder Ihnen ein Hund besonders gefällt, dann geben Sie mir Bescheid bitte.“
„Mir gefallen wirklich all eure Hunde,“ sagt der Alte und nun boxte das Engelein ihm in die Seite.
„Danke schön“, bedankte sich das Himmelsgeschöpf höflich bei Bernadett. Sie machte sich auf, um ihre Arbeit fortzusetzen.
„Du verrätst uns noch“, zischte das Engelein und schob den alten Körper weiter zum nächsten Gehege.
„Und wir haben noch so viel zu tun.“
„Du immer mit deinen Ideen“, brummelte der Alte und ließ sich schieben.
Die Beiden besuchten jeden Zwinger und verharrten an jedem Zaun der Gehege. Sie beobachteten die Hunde und das Engelein pustete immer ein wenig von seinem goldenen Staub durch die Gitterstäbe.
Am schlimmsten war es in der Krankenstation wo viele ums Überleben kämpfen und im Welpenhaus, wo die Kleinsten, auch ohne Mutter versuchten am Leben zu bleiben. Sie pustete in jede Bucht und als sie am Ende angekommen war, war ihr Zauber aufgebraucht.
Ihre Augen füllten sich mit Wasser, denn sie waren ja noch nicht an jedem Zwinger im Tierheim gewesen.
„Ich frage mich gerade, wie die Menschen, die Mitarbeiter, das hier ertragen jeden Tag und jeden Tag“, schluchzte es leise zum Alten.
„Ja, das ist wahrlich eine große Leistung.“
Sie waren nun an dem großen Gehege angekommen, wo die Senioren wohnen. Einige lagen mitten im Matsch, nass, der Blick leer und teilnahmslos.
„Mein Engelsstaub ist alle. Was machen wir nur, du musst helfen. Bitte.“
Das Engelein wippelte hin und her und sah immer wieder von seinem Gesicht zum Hund, zuppelte an seinem Ärmel und bettelte ununterbrochen.
„Du musst einfach, sieh nur. Er ist schon ganz nass und es ist kalt, wie soll er sich wohl fühlen, wenn du ihm nicht hilfst. Bitte, bitte,bitte.“
„Ich sehe das ja, aber wieso hast du schon alles verpustet. Es ist deine Aufgabe gewesen zu haushalten, du musst dir das einfach besser einteilen.“
„Ach du weißt doch, das ich das nicht kann. Wenn ich dann hier bin, dann will ich einfach, das jeder etwas ab bekommt. Und zugucken kann ich nicht. Außerdem haben wir doch beinahe alle Wünsche erfüllt, oder etwa nicht??“
„Wieso fragst du mich das? Du bist der Weihnachtsengel, nicht ich.“
„Ja, aber du bist mein Chef und musst alles besser wissen.“
Das Engelein, senkte den Kopf, schaukelte leicht seinen Körper und schmollte ein wenig. Er hatte ja recht und es war auch noch das Prüfungsjahr. Und Prüfungen machen Weihnachtsengel eben immer an Weihnachten. Also heute.
„Ich weiß auch alles besser“, grinste der alte Mann und hob mit seinem Finger das kleine Köpfchen an. Tränengefüllte Augen blickten ihn an und er lächelte.
„Nun komm schon, du immerzuzappelndesnervtötendes Ding. Hör auf zu weinen.“
Während er mit der einen Hand das Kinn des Engels stützte, legte er seine andere Handfläche an den Gehegezaun und für Menschen unsichtbar verteilte sich seine Zauberkraft an die Seelen. Sie würden sich alle bald besser fühlen.
Erleichtert folgte das Engelein dem alten Mann, der wieder an dem Junghundgehege stehen blieb, an dem sie ihren Besuch begonnen hatten. Sie beobachteten die Bande als sich wieder ein Tierheimmitarbeiter, diesmal Fruszi, zu ihnen gesellte.
„Haben Sie einen Hund gefunden?“
„Ich möchte am liebsten alle mitnehmen. Aber heute muss ich noch ohne Hund nach Hause gehen“, antwortete der Alte wahrheitsgemäß und sah der schlanken hochgewachsenen jungen Frau in die Augen. Sie könnte direkt dem Märchen Schneewittchen entsprungen sein, die Haare schwarz wie Ebenholz, dachte er bei sich.
„Wie lange arbeitest du schon hier?“
„Oh, fast drei Jahre.“
„Es ist sicher hart jeden Tag das viele Leid und die Not vor Augen. Ich bewundere dich und alle die sich hier täglich abmühen. Ihr müsst immer wieder aufs Neue die dreckigen Gehege putzen, immer wieder die selben Fliesen abwaschen und dabei zusehen, wie die Dunkelheit viele von ihnen weg holt.“
Das Engelein war betroffen, Fruszi eher überrascht das jemand sich so sehr in die tägliche Arbeit hineindachte.
„Ja, es ist nicht immer leicht hier zu arbeiten, aber es gehen auch viele ins Licht, die sonst keine Chance hätten. Wir haben schon viel erreicht und wir sind nicht alleine. Es gibt Hilfe von einem deutschen Verein, der Pfotenhilfe Ungarn.“
„Wieviele arbeiten denn hier?“
„Also Gabor ist der Chef, dann noch Berna, Edit, Moni, Zsolti, Laci, Jani und ich. Wir sind also 7 Leute insgesamt.“
„Gabor, den kennen wir. Vom letzten Jahr. Da sind wir uns begegnet. Kommt er heute noch?“
„Eigentlich sollte er schon lange hier sein. Sicher ist irgendwas dazwischen gekommen.“
„Ja, das ist es bestimmt.“
Der alte Mann griff nach der feingliedrigen Hand der jungen Frau und schüttelte sie, als er sich verabschiedete.
„Nochmals vielen Dank für alles, was ihr hier tut und ein schönes Weihnachtsfest. Der Himmel steht euch allen bei.“
„Szia.“
„Szia, und die besten Grüße an Gabor, wenn er auftaucht.“
Dann ging das ungleiche Paar durch die schlammgetränkte Strasse davon und Fruszi berichtete allen Kollegen von dieser komischen Begegnung.
Damit sie nicht auffielen nahmen sie schweigsam den beschwerlichen Weg der Strasse zu Fuß auf sich. Vorerst.
„Können wir noch etwas tun?“ Das Engelein hibbelte schon wieder herum.
„Das sollten wir in jedem Fall, denk ich.“
„Aber mein Staub ist immer noch alle, sonst hätte ich für sie gepustet.“
„Ja, es wäre deine Aufgabe gewesen.“
„Meine Prüfung, oder? Das genau war meine Aufgabe, oder? Ich hätte für alle Staub haben müssen ….“
Nun war das Engelein nicht mehr hibbelig.
Der Kopf und die Schulterblätter sackte nach unten.
Es war kreuzunglücklich.
Damit hatte es wieder ein Jahr verloren, wieder würde es auf weitere Fähigkeiten verzichten müssen. Das bedeutete auch weniger Hilfe für die Hunde hier und das war es, was so betrübte. Es wollte das alles nicht für sich. Nein. Es wollte einfach nur weitere Kräfte gegen das Leid und Unrecht.
„So lange hast du ja noch nie geschwiegen." Der alte Mann blieb stehen und hob wieder das Gesicht, damit es ihn ansehen musste.
„Ja, dein Staub ist alle, aber du willst doch nicht aufgeben oder? So kenne ich dich gar nicht.“
„Was soll ich denn jetzt noch tun? Wie soll ich ohne Zauberei …........“
„Ja, also mir käme da sofort eine Idee.“
Das Engelein begann langsam wieder zu denken.
„Fruszi hat doch was von einem Verein erzählt. Pfotenhilfe Ungarn.“
Der alte Mann musste das Engelein jetzt nicht mehr stützen, es dachte nach und hatte auch schnell eine Idee. Wie immer eigentlich.
„Ich habs! Du bist der Allerbeste,“ rief es glücklich und flatterte in seine Gesichtshöhe, um ihm einen dicken Kuss auf die Wange zu geben.
„Lass das fliegen! Sofort!“ brummelte der Alte verlegen.
„Also“, sprudelte es aus dem Engelein.
„Also, ich fliege jetzt schnell rüber nach Deutschland und flüstere den lieben Menschen dort, was für tolle Arbeit hier geleistet wird und dann, dann können die gar nicht mehr anders, als auch an die Mitarbeiter zu denken, oder? Sicher werden sie dann belobigt, oder bekommen ein Geschenk! Dann ist meine Aufgabe erfüllt, oder?“
„Ja. Dann hast du bestanden.“
„Oh, wie toll.“
Ein hüpfendes Engelein am Weihnachtstag im Matsch, das ist ein besonderer Genuss, besonders, wenn der Matsch fast zwei Meter hoch fliegt.
„Stop, stop, stop... laß das! Du bist aber auch ein Wildfang.“
„Ach papperlapapp... dann zaubern wir eben alles wieder sauber!“
Das Engelein strahlte über das ganze Gesicht und sie setzte sich in Bewegung, damit sie sich außerhalb des Blickfeldes der Menschen empor heben konnte. Der alte Mann war jetzt erstaunlich flink, packte es am Ärmel und hielt es zurück.
„Warte. Du kannst doch nicht einfach irgendwem in Deutschland flüstern. Du musst schon wissen, wohin du fliegen musst.“
„Hm, das stimmt. Wohin muss ich denn flüstern?“
„Da gibt es tolle Helfer, das sind die Fories der Pfotenhilfe Ungarn.“
„Fories? Sind die lebendig?“
„Ach du Dummerchen, natürlich sind die lebendig. Das sind genau die Menschen, die du schon mal besucht hast und denen du die Namen ihrer Hunde geflüstert hast.“
„Echt?“
Die großen Augen wurde nochmal größer.
Aber so richtig verstanden hatte das Engelein das noch nicht.
„Also aus denen, die schon einen Hund geflüstert bekamen, ist eine neue Sorte entstanden?“
Der Alte kam ins grübeln.
„Hm... wenn ich darüber nachdenke, irgendwie schon. Diese Menschen, die Fories, sie sind sich begegnet, weil sie einen geflüsterten Hund haben und haben sich zusammen getan, um den Hunden, die noch keinen Platz gefunden haben, zu helfen.“
„Wow... Und wie machen die das? Also haben die auch ein Land oder ein Tierheim?“
Das Engelein verstand nicht mal die Hälfte, wenn man dem Gesichtsausdruck glauben durfte.
„Genug geredet. Du besuchst jetzt nochmal die, die du schon mal beflüstert hast, damit die Mitarbeiter bedacht werden. Und die Fories sind Freunde der Pfotenhilfe Ungarn und der Hunde in Ungarn und Rumänien. Hast du das jetzt verstanden?“
„Ich glaube schon. Ich fliege also zu meinen Hunden in Deutschland und flüstere ihren Menschen, richtig?“
„Richtig! Und beeil dich. Den Rest erklär ich dir später. Und nun los, deine Prüfungskommission wartet schon.“
Am Abend der heiligen Nacht, steht Gabor an seinem Küchenfenster und sieht in die Dunkelheit.
Ein gefalteter Stern spendet ihm sanftes Licht, während er darüber nachdenkt, wie der Weihnachtsabend in den vergangenen Jahren verlaufen war und was ihm im Juli passierte.
Er dachte an Donya, den alten Mann und das Engelein, das heute sicher wieder in den besten Absichten unterwegs war.
"Kommst du endlich?" ruft es aus seinem Wohnzimmer.
"Gleich, ich geh nochmal nach den Hunden sehen."
Die Ungeduld wird im Nebenraum lauter, doch unbeirrt zieht Gabor sich die Jacke über und schlüpft in feste, wasserdichte Schuhe.
Der Matsch der Weihnachten, denkt er bei sich, als er den ersten Schritt in die Kälte tut. Wieder nieselt es und es ist nicht klar, ob es sich um Tropfen oder Flocken handelt.
Ein Blick zum Himmel sagt ihm, das es auch noch länger so anhalten wird. Kein Stern am Himmel zu sehen in dieser Weihnachtsnacht. Als er mit tief in die Tasche gedrückten Händen und hochgezogenen Schultern an dem Zwinger ankommt, in dem er zuletzt den alten Mann gesprochen hatte, ist er beinahe enttäuscht, das dieses Mal niemand dort sitzt und auf ihn wartet.
Nachdem er alle Gehege abgelaufen hat und beruhigt sein könnte, führt ihn sein Weg in die Seniorenresidenz. Dort leben all die Alten und Vergessenen, die niemand mehr haben will. Es ist nur ein kleines Domizil, aber schon als er die Holzstufen hinaufgeht freut er sich wieder, das es überhaupt entstanden ist und den Senioren Schutz bietet. Auch vor der Kälte.
Als er in die Tür kommt, spürt er die Wärme des Ofens und die Hunde rascheln beim aufstehen. Es ist wirklich wie in einem Altersheim, denkt er, als die langsamen Bewegungen der Hunde Geräusche machen. Gabor hockt sich hin und Fama ist sofort bei ihm, um sich kraulen zu lassen.
"Na, altes Mädchen, wie gehts dir am Weihnachtsabend?"
Konor fordert auch seine Aufmerksamkeit und Fram, der Neue aus Rumänien, liegt in seiner dunklen Lieblingsecke und wedelt zaghaft mit dem Schwanz.
"Ja, ja....Ihr seit mir ja auch die Liebsten und frohe Weihnachten...", faselt er, während seine Hände nun Fama und Konor gleichzeitig streicheln.
Begyio reckt und streckt sich. Sein Gähnen ist unüberhörbar, bevor er sich wieder zusammenrollt, um weiter zu schlafen.
"Dir auch frohe Weihnachten!" sagt eine dunkle Stimme in seine Gedanken. Gabor erschreckt furchtbar und als er dann zum Lichtschalter greift, um zu sehen wer ihn so erschreckt, hört er schon das feine, goldene Lachen des Engeleins.
Die Beiden sitzen einträchtig auf dem Hundesofa inmitten der Hundehaare und kraulen, wen sie gerade erwischen.
"Müsst ihr mich so erschrecken?"
"Das war lustig!" Das Engelein kichert immer noch.
"Ja, für euch vielleicht, aber ich hab fast einen Herzinfarkt bekommen."
"Na, na, mein ungarischer Freund. Nun übertreib es mal nicht. Dein Herz ist jung und elastisch wie ein Gummiband. So ein kleiner Schreck belebt es eher und macht es stark."
"Du mußt es ja wissen, alter Mann."
Gabors geheimer Wunsch, heute auf die Zwei zu treffen, ist in Erfüllung gegangen.
"Seit ihr schon lange da?"
"Nein, nicht sehr lange. Wir hatten uns hier verabredet, wenn Ruhe eingekehrt ist und die meisten schon mit ihren erfüllten Wünschen beschäftigt sind. Nur du hast keinen Wunsch geäußert, den wir dir erfüllen konnten."
"Doch, das habt ihr. Ihr seit hier. Das habe ich mir insgeheim gewünscht. Denn ich wollte wissen, wie es Donya und all den anderen Nasen geht, die bei dir leben."
"Es geht ihr gut. Sie hat sich schnell eingelebt und spielt sehr gerne mit Belmondo, obwohl er oft so grobmotorisch ist. Mach dir keine Sorgen."
"Nein, das tue ich auch nicht. Ich weiß, das es nirgends besser sein kann für die Hunde, als bei dir."
"Und ich kann dir sagen, Belmondo ist ein Traum, einen besseren Rudel Chef hätte ich nicht..."
Gabor unterbrach ihn, hob die Hand und winkte kurz ab. Seine Lippen presste zusammen, um dem zittern etwas entgegen zu setzen.
"Du mußt es mir nicht erklären, ich weiß es. Belmondo ist einzigartig. Ich werde diesen Hund nie vergessen."
Das Engelein wippt wieder sein typisches Fußwippen und spricht Gabor an.
"Dir ist kein Wunsch offen geblieben, oder hat sich aufgedrängt in den letzten Monaten?"
"Es sind so viele Wünsche und zu entscheiden, welches der Wichtigste ist, ist mir unmöglich. Immer ist etwas anderes, aus einem anderen Blickwinkel betrachtet, das Allerwichtigste. Heute haben wir um das Leben eines Junghundes gekämpft. Er wurde im Gehege zerbissen. Sicher wäre es für ihn das Wichtigste zu leben, aber was ist mit den anderen Nasen im Tierheim, oder in ganz Ungarn, oder einem anderen Land, oder der ganzen Welt? Das ist so gewaltig und unvorstellbar vielschichtig und groß, das ich schon Kopfschmerzen beim Denken bekomme. Ich kann wirklich keinen Wunsch finden."
"Hm... Das leuchtet ein, wenn du es so beschreibt. Und es ist sehr edelmütig von dir zu verzichten."
"Vielleicht hat jemand anderes einen klaren Wunsch parat, dann erfüllt doch bitte den für mich."
"Sie nennen dich Ritter Gabor und ich weiß jetzt auch warum", sagt die helle Stimme zwischen den brummigen Bässen der Männer.
"Ich habe eine Idee, wenn ihr erlaubt."
Das Engelein erhebt sich und zaubert das Licht aus, dann pustet sie eine goldene Wolke an das Fenster, die sich zusammenschließt, um einen leuchtenden Stern zu bilden.
"Seht ihr?"
"Was sollen wir sehen? Wie schön du Sterne zaubern kannst? Das lernt man schon in der Unterstufe und ist wirklich nichts besonderes."
"Schaut mal hinaus, los! Bewegt euch mal!"
Also stehen die Männer auf, um aus dem sternenbeleuchteten Fenster zu sehen. Ihr Blick geht durch die Dunkelheit hindurch und trifft auf den Stern in der gegenüberliegenden Küche. Sein weiches Licht erhellt die nahegelegenen Umrisse des Fensters.
"Und deine Idee ist also ein Stern?"
"Oh Männer! Sie verstehen wirklich ü b e r h a u p t nichts. Es geht um das Licht im dunklen und den Stern."
"Elektrisches Licht haben wir hier auf der Ranch ja schon."
Das Engelein verdreht die Augen.
"Also. Mein Wunsch für dich ist, das wir hier auf der Erde viele, viele Sterne zum leuchten bringen können. Aus jedem Fenster, aus jeder Stadt, jedem Dorf, aus jedem Haus, jedem Schuppen und aus jedem Herzen am allerliebsten! Es mögen so viele leuchtende, liebende Sterne in den Himmel scheinen, wie sie heraus leuchten. Je mehr wir werden, umso größer ist die Chance, das wir etwas verändern können. Wir verbinden uns mit denen die ebenfalls leuchten, bündeln unsere Kraft und bewachen gemeinsam die Nester."
Das Zwinkern ist deutlich zu erkennen, als es die Hühnergeschichte hervor kramt.
"Nester? Sag mal bist du nun völlig verrückt?"
Der alte Mann sieht sie entgeistert an.
"Das mit dem Licht finde ich gut. Und es erreicht auch sicher viele. Und ein Licht entzünden, kann man in jedem Land der Erde. Und jeder kennt dann die Bedeutung. Das ist gut!"
Gabor ist jetzt ganz bei der Sache.
"Genau. Und wenn ich dann im Himmel auf meiner Wolke sitze, dann kann ich sie sehen. Und ich wünsche mir so viele leuchtende Stern auf der Erde, wie sie am Himmel stehen!"
Die allumfassende Armbewegung, die es dann macht, wird durch die Oberkörper der Männer gestoppt.
Der Alte kratzt sich am Kinn und nickt zufrieden.
"Du hast gute Ideen Engelkind, das läßt sich bestimmt so machen. Außerdem, ist der Stern auch noch wunderschön. Sicher finden sich Abnehmer. Ja, dann lasst es uns versuchen. Wir greifen global an und rütteln die Menschheit wach!"
Der alte Mann spürt sein Kämpferherz pochen. Er hat es nun eilig, um auch in dieser Nacht noch viele Träume erreichen zu können.
"Und du Gabor, geh´ wieder ins Haus. Wir werden die Menschen auf die leuchtenden Sterne aufmerksam machen und es ihnen in die Träume flüstern."
"Au ja!" Das Engelein hüpft vor Freude und der feine Sternenstaub rieselte zu Boden.
„Aber vorher muss ich dir noch das Neuste berichten, Gabor. Ich habe die Engelsprüfung bestanden und wurde befördert. Nun habe ich einen Lehrling zugesprochen bekommen, der mit mir für unsere Sache kämpfen wird. Ist das nicht toll?“
Das Engelein dreht sich um und geht auf die Ecke des Raumes zu, wo Fram sich zufrieden zusammengerollt hat. Dort liegt direkt neben ihm ein kleines Mädchen, das ihn immerzu streichelt.
„Komm!“, fordert das Engelein, „ du musst keine Angst haben.“
Das Mädchen kommt zaghaft aus ihrem sicheren Versteck und schiebt ihre kleine Hand in die des Engels. Sie ist wirklich noch kleiner als das Engelein.
„Gabor, ich möchte dir Paula vorstellen. Sie ist ab jetzt auch immer an eurer Seite und ich werde ihr alles beibringen, was ich weiß. Wie man das macht zu flüstern und Sterne leuchten zu lassen und alles, alles.....“
Gabor hockt sich zu dem Kind, das ihn unsicher an sah. Er berührt sanft ihre Wange und Tränen füllen seine Augen.
„Paula.“ Er spricht langsam, ehrfürchtig.
„Es ist mir eine Ehre, das wir uns begegnen.“
Paulas Blick hebt sich und sie blickt direkt in sein Herz, als sie ebenso glockenhell, wie das Engelein antwortet.
„Und ich bin so glücklich, das ich ab jetzt immer bei euch sein darf.“
Gabor nickte und sagte leise: "Ich weiß wer du bist und wir können dich hier wirklich gut gebrauchen".
„Wir müssen los... lasst uns endlich flüstern gehen,“ der alte Mann unterbrach den Moment, „aber du sollst wissen Gabor, das ihr hier nicht allein seid. „
Gabor schüttelt ungläublig den Kopf und sagte dann mit seiner kräftigen Stimme:
" Ja, geht nur, geht flüstern - the show must go on!"
Und wenn Du heute Nacht aufwachst und hast einen verrückten Gedanken im Kopf und siehst unter der Tür gerade noch den schwachen Schimmer und vielleicht einen kleinen, schmutzigen Fußabdruck am Zimmerboden, dann war das Engelein bei Dir.
Dies ist für Begyio, Konor, Fáma, Linzy, Lujza und für Afton.
Es ist für Fram, der Glück gehabt hat. Der nicht wie ca. 250.000 rumänische Straßenhunde, durch das neue Tierschutzgesetz in Rumänien getötet wird.
Es ist für Belmondo, der im Sozialverhalten ein einzigartiger Hund war.
Es ist auch für Büffel und für David. Stellvertretend für alle Hunde, die respekteinflößend sind und in den richtigen Händen zu Traumhunden werden.
Es ist für alle Tierschützer auf der Welt, die für die kämpfen, die keine Stimme haben.
Es ist für Paula, die stellvertretend für Idealismus und Mut der neuen Generation der Tierschützer steht.
Und es ist für ca. 500 wartende Hunde auf unserer Homepage, für die weiter geflüstert werden muß....
Frohe Weihnachten!
Christine Hartung-Czaja
Pfotenhilfe-Ungarn-Team
Copyright
Text: Christine Hartung-Czaja
Bilder: Katrin Wolff



























