Reisebericht Elke Otte
Reisebericht vom 11.01. bis 13.01.08
Bei dieser Fahrt ist eine Bekannte von mir aus unserem Dorf dabei. Anfang der Woche sagte sie noch, sie könnte eventuell nicht mitfahren, da ein Virus sie flach gelegt hätte. Wir haben dann für Ersatz gesorgt und Nina Hinrichsen, so heißt sie, konnte dann doch mit auf die Reise gehen. Am Donnerstagabend ging es mit dem Transporter los Richtung Gifhorn. Wir übernachteten eine Nacht bei Stefanie Söchtig, um am nächsten Morgen ausgeschlafen zu starten.
Am Abend zuvor hatten wir noch Night übernommen, der im Süden vermittelt war. Monika Weigel tat sich sehr schwer, ihn abzugeben. Dafür hatten wir aber für sie schon wieder Ersatz, nämlich Siboulette, mit der sie anschließend noch viel Freude haben würde. Nachdem wir Night nun einen Abend kennengelernt hatten, konnten wir das alle sehr gut verstehen.
Er ist auch wirklich ein wahrer Schatz und bildschön draufzu.
Wir kamen gut durch, hatten gute Laune und der angeschlagenen Nina ging es auch immer besser. Im Hotel in Ungarn angekommen, haben wir es uns noch im Hotelzimmer gemütlich gemacht und sind dann aber todmüde in die Betten gefallen.
Am nächsten Morgen nach dem Frühstück sind wir noch schnell in den Tesco gefahren, denn Nina hatte ihre Schuhe vergessen.
Sie brauchte Winterstiefel, denn es war hier wirklich bitterkalt und alles zugefroren. Im Tierheim wurden wir bereits vermisst und Gabor musste lachen, als wir erklärten, dass Nina keine Schuhe hatte um hier in der Kälte den Tag durchzustehen. Für Nina war es der erste Besuch überhaupt in Ungarn und auch in einem ausländischen Tierheim.
Ihr verschlug es erstmal die Sprache und ihr war sofort wieder schlecht! Eigentlich ist sie hart im Nehmen, jedoch so hatte sie es sich nicht vorgestellt. Anfangs war sie nicht in der Lage, überhaupt in die Krankenstation zu gehen, oder aber das Welpenhaus zu betreten. Sie brauchte ein bisschen Zeit. Als sie sich berappelt hatte, ging es dann aber doch.
Wir luden die Spenden aus und fingen an, nach dem Plan die Boxen aufzubauen. Sie war abgelenkt mit der Arbeit und in Windeseile standen die Boxen im Transporter.
Im Welpenhaus waren diesmal auffällig viele Welpen, die alle am Husten und Niesen waren. Teilweise lief der Eiter nur so aus den Nasen der Kleinen. Zuvor hatten wir noch in Deutschland erfahren, dass Airport, der reisen sollte, wohl weggelaufen war. Er hatte einen Tumor am Bein, wurde operiert und war vermittelt. Nun wo es endlich so weit war, war er nicht mehr aufzufinden.
Die Übernehmerin jedoch sagte, dann nehmen sie mir bitte einen anderen passenden Hund mit. Das wollten wir auch machen. Wir hatten zuvor bei den letzten Fahrten immer einen kleinen Dackel im Blickfeld, der immer und immer wieder beim Ausladen und Einladen in den Transporter rannte. Wir hatten auf der Fahrt schon überlegt, der könnte passend sein.
Und natürlich war er auch wieder da. Ein so lustiger Hund. Wir hatten die Fahrten zuvor schon eine Menge Spaß mit ihm. Diesmal wollte er sogar den Kaffee von Steffi noch trinken – da streikte sie jedoch. Auch dieses Mal wollte er immer wieder in den Transporter. Wir sagten ihm dann, dieses Mal würden wir ihn nicht zurücklassen.
Er wäre der passende Hund. Und wir erfuhren, dass es Beri sei. Ich konnte mich an Beri überhaupt nicht erinnern. Im Büro schaute ich mir dann das Vermittlungsfoto an. Und da kann man mal wirklich sehen, dass ein Bild gar keine Aussagekraft hat. Er hat ein phantastisches Wesen und ist ein quirliger lustiger Hund.
Der hätte mir auch gefallen. Beri wuselte nur um uns rum, als wolle er wieder sagen: Vergesst mich diesmal nicht.
Bei dem Anblick von Hope, bekamen wir alle Gänsehaut. Sie wurde zuvor abgesagt und es hatte sich Gott sei Dank noch jemand gemeldet. Nicht irgendjemand, sondern die Schwester einer Person, die uns seit Vereinsgründung so sehr bei Seite steht und uns nach wie vor eine große Stütze ist.
Hierfür nochmals herzlichen Dank. Nicht nur für die Unterstützung, sondern natürlich auch für die Übernahme von Hope. Denn schließlich hatte sie hier auch ihre Schwester etwas angespitzt, sonst hätten wir Hope vielleicht nicht mitnehmen können. Hope war frisch operiert und verkroch sich immer wieder mit ihrem Trichter unter der Folie eines großen Strohhaufens. Wir ließen sie auch in Ruhe. Sie war ein einziges Bild des Jammerns. Wir waren uns sicher, sie hätte den Winter nicht überlebt. Uns froren in regelmäßigen Abständen fast die Fingerkuppen ab.
Gabor musste zweimal ins Büro laufen, um sich die Hände aufzuwärmen. Mit Handschuhen konnte man die Boxen irgendwie nicht aufbauen, ohne war es aber nicht auszuhalten. Mein Zahn machte mir wieder Probleme und bei jedem Atemzug der eiskalten Luft, dachte ich, mein Kiefer explodiert gleich. Und ich schwor mir, wenn ich zu Hause sei, würde ich sicher sofort zum Zahnarzt gehen.
Die Pfleger haben es bei den Temperaturen wahrlich nicht leicht. Mit Metallpickeln versuchten sie immer wieder, den Kot der Hunde vom Eis zu lösen. Eine aussichtslose Arbeit bei der Anzahl der Tiere und bei diesen Temperaturen. Am Nachmittag sind Gabor und ich noch zu Attila gefahren. Ich hatte ihm schon länger versprochen, dass ich ihn das nächste Mal besuchen werde.
An der Eingangstür begrüßte mich gleich Dagi. Er sprang mich an und ich konnte ihm direkt in die Augen sehen. Gabor reagierte sofort und hielt mich fest, sonst hätte ich auf dem Rücken gelegen und Dagi hätte mich wahrscheinlich, wie in der Szene bei „Scott und Hutch“ gewaschen. Er ist ein lieber Kerl, keine Frage, aber ich glaube…. der kräftigste Hund, den ich in meinem ganzen Leben je gesehen habe.
Wir mussten dann auch zurück ins Tierheim. Nun war alles wirklich soweit fertig und wir konnten anfangen, zu verladen. Steffi hatte noch einen Welpen extra ausgesucht. Er hatte seine Impfungen und konnte somit ausreisen. Er war auch erkältet. Zuvor hatten wir einen Werbespot gesehen im Internet. Ein Werbespot für das ungarische Tierheim:
Ein Kind steht im Tierheim vor dem Zwinger und schaut sich die Hunde an. Legt sich abends mit ihrem Stoffhund ins Bett und schläft ein. Im Traum wird dieser Hund lebendig und ist ein kleiner Welpe. Es war genau dieser Welpe mit einem Strasshalsband. Das Strasshalsband hatte Astor noch um, hockte aber wieder im Welpenzwinger und hatte Husten.
Steffi konnte ihn nicht zurücklassen und wir nahmen ihn mit. Er tat mir so leid und im Stillen ärgerte ich mich darüber, dass sie ihn wieder zurückgesetzt und ihm nicht mal dieses blöde Glitzerhalsband abgenommen hatten. Nur für diesen Dreh durfte er menschliche Wärme und Streicheleinheiten bekommen. Wie gemein und nun war er auch noch krank.
Wir fingen an zu verladen und wie sollte es anders sein….. Beri war wieder sofort zur Stelle. Er wuselte immer um uns rum. Wir verladen immer nach der Liste, damit auch nichts schief geht und wir niemanden vergessen. Er war eben noch nicht dran, das sah er aber überhaupt nicht so.
Bei Folti flossen dann noch ein paar Tränen. Er bekam einen kleinen Rollkragenpulli an, da er jetzt fast nackt war. Dass dieser kleine Kerl das Tierheim überlebt hatte, grenzte fast an ein Wunder. Aber Folti wollte leben. Er machte es sich sofort in seiner Box bequem und schien die weiche Decke und den Pulli zu genießen. Nun aber endlich war Beri an der Reihe. Er bekam sein Halsband um und der Chip wurde eingelesen.
Ich setzte ihn in seine Box. Diese stand genau links oben neben der Schiebetür. Voller Stolz saß er dort und fraß gleich die Leckerlis aus seiner Box und schaute sich noch um, beobachtete. Weitere Hunde stiegen ein und er blieb ganz ruhig und beobachtete weiter. Dann sagte Gabor, bei Beri habe ich das Flohmittel vergessen.
Das muss er noch haben. Worauf ich Beri wieder aus der Box nehmen wollte. Das fand der kleine Kerl gar nicht nett und er wehrte sich mit allen vier Pfoten. Als wolle er sagen: Nein, so haben wir nicht gewettet – ich will verdammt noch mal mit!!!! Beri bekam das Flohmittel und ich setzte ihn wieder in die Box. Er war wohl sehr erleichtert und legt sich diesmal sofort hinein und war ab dann, auch für den Rest der Fahrt, ein völlig entspannter Beri.
Wir fuhren nun gen Heimat. Wir hatten noch einen Stopp in Nickelsdorf, da Marina uns noch Tiere übergeben sollte. Sie schaute auch noch mal nach Folti, nach Vacsi und auch nach Paulchen. Folti war etwas trocken, da er nicht trinken wollte und bekam somit noch etwas Infusion unter die Haut. Alle Hunde wurden getränkt und bekamen noch eine Kleinigkeit zu fressen und wir fuhren weiter auf die deutsche Grenze zu.
Der alte Vacsi, den Papa bei sich zu Hause am Ofen hatte, damit er nicht im Tierheim erfror, hustete hinter dem Fahrersitz in einer Tour. Der arme Kerl. Er war blind und konnte kaum mehr laufen. Auch er hatte noch einen Gnadenplatz bekommen, damit er nicht im Tierheim oder bei Papa am Ofen sterben musste. Die Übergaben machten uns wieder fit und allen Vier- und Zweibeinern ging es gut.
Nur um das alte Paulchen machten wir uns Sorgen. Ich ging bei jedem Stopp zu ihm, bot ihm Wasser an. Eigentlich wollte er nicht, aber wenn ich dann Geflügelwurst in das Wasser tauchte, kamen seine Lebensgeister zurück.
Ich deckte ihn immer wieder in seiner Box zu und machte seine Nase nass. Ich habe nur immer gedacht: Lieber Gott, lass doch endlich Kassel kommen, damit der arme Kerl aussteigen kann. Paulchens Übergabe war mit die schönste, die ich je erlebt hatte. Seine neuen Zweibeiner hatten lange auf ihn gewartet und wollten genau so einen Hund.
Ihm fehlt der Unterschenkel eines Hinterbeines, er ist alt und krank. Sein Frauchen sah ihn an und weinte und sagte: Er ist so ein schöner Hund. Wir hoben ihn raus und er konnte nicht laufen. Er war wirklich schwach auf den Beinen. Jedoch auf dem Rücksitz seiner neuen Familie steckte er dann schon interessiert den Kopf nach oben.
Es wurde nun langsam leerer im Transporter und wir setzten jetzt auch Angie, den kleinen Boxerwelpen mit dem eingeschlagenen Schädel mit ihrer Schwester um.
So klein wie die beiden waren, machten sie jetzt, wo es hell war, jedoch Radau, als hätten wir dort 6 Boxerwelpen sitzen. Ganz offensichtlich hatte Angie keine Lust mehr und das meinte sie, müsste sie uns in den Pausen auch lauthals mitteilen. Sie wurde im Tierheim abgegeben, da der Versuch, sie zu erschlagen wohl gescheitert war. Sie musste das leider mit einem Auge bezahlen.
In Hannover verließ Steffi unseren Transport und nahm die kleinen Welpen mit. In Hamburg bekamen wir von einem Pflegefrauchen noch eine warme Mahlzeit und eine weitere Übergabe war für mich ein Highlight. Ich hatte im Oktober im Tierheim eine weiße Hündin entdeckt, sie war so lieb und sanft und so menschenbezogen.
Es meldete sich eine Familie aus Hamburg und Narcis konnte endlich in ihr Zuhause einziehen. Ich glaube, Narcis hat gewusst, dass das ihre Familie ist. Sie mochten sich alle sofort. Das Kind war im Gesicht angemalt und Narcis wischte ihr immer wieder durchs Gesicht. Die Sonne schien und alle weinten und schlossen sie gleich in ihr Herz.
Ach …..einfach nur schön. Nun wurde es heimisch und endlich konnte nun auch Hope aus ihrer Box. Wir haben sie vorsichtig herausgehoben und sie auch ins Auto gehoben.
Sie war von der großen OP noch angeschlagen und der Tierheimaufenthalt hatte seine Spuren hinterlassen. Ach Hope, wir waren alle so froh, dass wir Dich mitnehmen konnten und unendlich dankbar…… Du auch!!!! Wir kamen mit wenig Verzögerung zu Hause an. Und nun endlich konnte auch Klein–Angie raus aus ihrer Box.
Es war für einige Fellnasen eine lebensrettende Fahrt. Einige hätten den Winter nicht überlebt, weil sie krank und alt waren. Für zwei kleine Mäuse jedoch, konnte auch hier in Deutschland, nichts mehr getan werden. Bereits am Montag darauf mussten wir zwei Welpen einschläfern lassen. Es ist so ungerecht. Sie hatten alles überstanden.
Jedoch stellte sich beim Tierarzt heraus, dass Furko ein Loch im Herzen hatte. Er war auch wesentlich kleiner und schwächer als sein Bruder. Und dass Csibes ein großes Loch im Zwerchfell hatte. Der Darm war bereits in die Lunge gerutscht. Schweren Herzens haben wir beide am Montag über die Regenbogenbrücke gehen lassen.
Beide Fälle waren inoperabel und wir haben jeweils noch einen anderen Arzt zu Rate gezogen. Aber in beiden Fällen war es besser so. Uns tröstet nur, dass sie nicht allein im Tierheim verstorben sind, sondern sie sind liebevoll auf dem Schoß ihrer Pflegemütter eingeschlafen.
Alle Bilder dieser Fahrt finden Sie hier
Elke Otte

















