Reisebericht Frank Müller
Reisebericht vom 16.01. bis 18.01.09
Für mich war dies die zweite Fahrt nach Kecskemét und ich war sehr gespannt was sich verändert hat! Meine Eindrücke vom Dezember waren noch nicht ganz verarbeitet und nun sollten meine Emotionen wieder gefordert werden. Auf der Fahrt zur Übergabe des Transporters, hatte ich noch einen Termin mit einer netten Dame.
Es ging um eine Vorkontrolle für eine Fellnase die beschlagnahmt wurde. Mir ging die ganze Zeit die Verantwortung durch den Kopf. Man soll in einem kleinen Zeitraum Schicksale entscheiden. Es waren positive Eindrücke aus diesem Gespräch die ich mit nach Ungarn nahm. Elke übergab mir einen Transporter der bis unters Dach mit Spenden gefüllt und am Ende seiner Kapazitäten war.
Ich hatte eine wunderbare Reisebegleitung, Schmusebacke! Wir freundeten uns schnell an. So ging es weiter zu Steffi. Dort ging es dann am nächsten Morgen weiter zu Ina um die Schmusebacke in Ihre Obhut zugeben und Iris abzuholen. Und mal so am Rand - Schmusebacke ist Jemand der ein zu Hause sucht und wer eine Fellnase sucht die klein, anschmiegsam sowie eine herzergreifende Ausstrahlung hat, der sollte schnell mit Ina Kontakt aufnehmen.
So weiter, ich komme schon wieder ins Schwärmen über Schmusi! Die Fahrt ging ohne Probleme weiter und wir kamen zu 21 Uhr im Hotel an. Nach der Planung für den nächsten Tag gingen alle ins Bett, aber schlafen konnte keiner so richtig. Die Aufregung war sehr groß, was der nächste Tag alles so bringen wird. Nach dem Frühstück trafen wie uns mit Gabor und es ging ab ins Tierheim.
Ich hasse diesen „Weg“ dort hin, er ist staubig, unwegsam und gleicht den Wegen zu Mülldeponien. Es passt ja leider auch, es ist für viele dort eine Entsorgungsstelle, wo sie sich ihre überflüssigen Vierbeiner entledigen können. Wir standen vor dem Tor des Tierheims. Dort ist ein Schild, das darauf hin weist, hier ist fotografieren verboten.
Man braucht nicht lange drüber nachdenken, es reichen ein paar Schritte und jeder weiß warum hier nicht fotografiert werden darf!!! Wir wurden vom Tierheimpersonal sehr nett empfangen. Ich muss gestehen, ich habe die Frauen nicht gleich beim Ausladen der Spenden unterstützt, sondern lief sofort von Gehege zu Gehege.
Ich weiß nicht wie ich das Gefühl beschreiben soll oder doch, es ist ein schlechtes Gewissen mit Wut gepaart .
Es gibt dort so viele arme Vierbeiner die von ihren Besitzern verraten bzw. entsorgt wurden. Immer wieder gibt es Auseinandersetzungen nur um an meine Hand zu kommen und mal gestreichelt zu werden oder sie nur zu lecken. Es strömen einem Blicke entgegen, die sagen, hier schau und nimm mich mit, ich weiß du kannst das.
Und so geht man von Gehege zu Gehege und armen Fellnasen in Einzelhaft, weil sie im Rudel mit dem Stress nicht klar kommen. Sie haben keine Möglichkeiten sich zurückzuziehen oder werden regelrecht ausgeschlossen. Sie liegen in der Kälte dann allein ohne Schutz, meistens in Nähe der Gehegetüren. Ich glaube sie wissen genau, wenn es rechtzeitig Hilfe geben kann dann nur durch diese Tür.
Hilfe heißt dort , ich finde ein Platz in diesem weißen Transporter aus Deutschland, kann schnell in Krankenstation nach einer Beißerei oder kann in einen freien Zwinger 1,5 x 1,5m. Ich bin dann in die Krankenstation und war über die Sauberkeit sehr überrascht . Vom meinem letzten Besuch hatte ich noch ein anderes Bild vor Augen.
Nun wurde ich von Steffi an den Ohren zum ausladen geholt. Es ging über Säcke mit Tüchern, Futter sowie Halsbänder und Leckerlis. Nach getaner Arbeit gingen wir ins Welpenhaus. Auch dort war es recht sauber. Zum Glück wusste ich das wir viele der zarten Wesen dort mit nach Deutschland nehmen aber die Härte waren 7 kleine Welpen ca 7-10cm groß, die an Gleisen im Müllsack gefunden wurden.
Was für Veränderungen muss ein Gehirn durchmachen, damit ein Mensch (?) zu so etwas fähig ist . Es gab in den beiden Tagen immer wieder Zwischenfälle mit den Welpen . Der Kreislauf brach zusammen. Es konnten sich keiner erklären was die Ursache war. Aus einem Gespräch ergab sich, dass die Würmchen keine Welpenmilch sondern schon Dosefutter bekamen und dieses der Grund für die Probleme war.
Januar 2009 - MyVideo
Gabor und Steffi klärten das Personal dann sehr energisch auf. Den schwersten Gang habe ich mir zum Schluss gelassen, die Quarantänestation!!!! Die meisten Vierbeiner hier wissen nicht was sie erwartet. Müssen sie zu ihren Besitzern zurück an die Kette, sterben sie an Verletzungen oder kommen sie in Gehege, wo sie ihr Wesen unter dem dort herrschendem Stress verändern.
Und die Zwinger waren voll!!!! Nach diesen Eindrücken machte ich mich wir uns an das Beladen des Transporters mit den Boxen. Es ist eine Wissenschaft für sich aber mit Unterstützung von Katis Mann ging alles doch noch recht gut. Als es dann dunkel wurde, ging es wieder ins Hotel wo alle Eindrücke besprochen und gemeinsam verarbeitet wurden.
Wir waren aber alle der gleichen Meinung, es tut sich etwas Positives im Tierheim! Es sind erst Früchte der Pfotenhilfearbeit zu sehen und wir wurden sehr nett bekocht. Das ist bestimmt ein super Gefühl für alle die vom Anfang bis jetzt hier gekämpft haben. Ein bittere Pille war in meinen Augen, der Tierarzt! Meine medizinischen Kenntnisse sind sehr, sehr begrenzt aber was von seinen „ Werken „ dort zu sehen war, spottet jeder Beschreibung.
Eine vereiterte Listenoperation und Narben von einer Kastration die bald 12cm war. Und es ging nur um Geld. Gabor und Steffi mussten wie auf einem Basar mit ihm um sein Honorar falschen. Es war zum kot………… !!!!!!! Nun wurde es 14 Uhr und wir begann mit dem Belegen der Boxen für den Transport. Es lief alles sehr ruhig und gut organisiert ab.
Es gab viele helfende Hände. Ich staunte wieder, mit welcher Bereitschaft die Vierbeiner in die Boxen gehen. Nachdem alle Pässe kontrolliert waren ging es zu Kati und Gabor noch einige Fellnasen abzuholen. Dort erwartete uns auch schon Kerstin. Sie ist immer sehr hilfsbereit in der Betreuung von Welpen.
Zusammen mit ihrem Mann, der ein deutscher Tierarzt ist, sind natürlich optimale Bedingungen für Welpen in ihrer Obhut!!! Gegen 16.30 Uhr waren wir dann endlich in Richtung Deutschland unterwegs .
Quarantäne - MyVideo
Der Transport ging ohne Probleme bis zur ersten Übergabe um 1.30 Uhr. Es folgten ein Ausstieg nach dem Anderen und immer überglückliche Übernehmer die mit Kaffee und Kuchen auf uns in der eisigen Kälte warteten. Eine nette Übernehmerin zeigt ihre Dankbarkeit mit einer zusätzlichen Spende, weil wir ihren!!!! Schatz mitbrachten.
Man fühlt sich schon wohl, wenn man die Freude und Dankbarkeit spüret . Mit Iris verlies uns wohl auch das Glück in Würzburg! Glatteis und Nebel ist keine gute Kombination auf der Autobahn. Wir kamen nun bloß noch langsam voran. Es schlich sich auch die Müdigkeit in unsere Körper. Aber wir schauten immer und immer wieder nach den Welpen, sie brauchten Milch und alle anderen Wasser.
So bleibt man recht gut wach. Das Gefühl einer Übergabe, ein Vierbeiner aus Kecskemét einem schönem zu Hause zu übergeben, ist schon etwas besonders. Dabei sagt man uns Männer immer Gefühlsarmut nach aber man bekommt schon manchmal das Schlucken. Ab Seevetal ging es für mich noch 300 km bis nach Hause und Elke brachte unser Werk im Norden zu Ende.
Ich musste noch viel nach denken im Auto und so manche Pausen machen! Zu Hause empfing mich meine Familie und unsere Hund. Ich glaube, wer einmal im Tierheim Kecskemet war, spürt die Seele seiner Vierbeiner. Man weiß dann, warum einige viel Zeit brauchen, um mit der neuen Situation umgehen zu können.
Zum Abschluss möchte ich meine Freude über die ersten sichtbaren Schritte im Tierheim und die bessere Einstellung des Tierheimpersonals unterstreichen. Es zeigt dass die Anstrengung der PHU und aller Spender etwas nützt und daran muss man jetzt anschließen.











