Reisebericht Christine Hartung-Czaja
Reisebericht vom 10.07. bis 13.07.08
Morgens um 4 Uhr traf ich mich mit Dagmar und Elke. Na wenigstens fast, denn Elke verspätete sich, da einer ihrer Schützlinge auf der Nachbarwiese die Kühe besuchte und lauthals guten Morgen bellte.
Als wir dann die restlichen Spenden in den Transporter geladen hatten, konnte es endlich losgehen. Wir waren spät dran und mit unseren Kolleginnen Birgit und Steffi in Hannover verabredet. Außerdem begleiteten uns noch zwei unserer Übernehmerinnen Elke N. und Ina N. und natürlich Madlenchen. Elke N. plant mit ihrer Berufsschulklasse ein Projekt in Kecskemét und nutzte die Gelegenheit mitzufahren, um sich vor Ort ein Bild zu machen. Madlen ist eine ihrer Schülerinnen, die ebenfalls spontan Ja sagte, als ein weiterer Fahrer gebraucht wurde. Dem Himmel sei Dank für dieses Mädchen!
Nachdem wir mit fast zwei Stunden Verspätung in Hannover ankamen, gab es erstmal eine herzliche Begrüßung. Unser kleiner Konvoi von nun drei Fahrzeugen rollte bei herrlichem Reisewetter durch Deutschland.
Das Navigationsgerät zählte die Kilometer rückwärts, und unsere Blicke wanderten immer zu der hunderterstelle, die langsam aber stetig kleiner wurde. Nur Steffis Bus machte Probleme, und wir steuerten eine Raststätte an.
Es mangelte an Kühlwasser, und Madlen, unser Brummifahrerlehrling, regelte das Nötige ganz souverän.
Die Weiterfahrt verlief bis auf kleinere Staus Störungs frei , und unser Navi sagte, dass wir gegen 22 Uhr im Hotelbett liegen würden. Wir gönnten uns nur kurze Pausen, aßen Nudelsalat aus Plastikkaffeebechern und gackerten zeitweise über uns selber. Ich möchte an dieser Stelle einmal anmerken, dass Elke Otte nicht einmal die Finger stillhält, wenn sie Beifahrer ist. Selbst dann bucht und regelt sie den Vorstandskram für die PHU. Das, was Elke leistet und verantwortet, kann man gar nicht hoch genug bewerten.
Meine Stimmung war erwartungsvoll, und ich habe mir fast in die Hose gepüscht, als wir ungarischen Boden betraten. Ungarn, ein Land, in dem man weit schauen kann. Noch nie habe ich so viele Sonnenblumen auf einmal gesehen und die hügelige Landschaft blickte sehr malerisch durch unsere Windschutzscheibe.
Wie oft hatte ich schon davon geträumt, einmal live dabei sein zu dürfen. Und diesmal hatte es endlich geklappt. Am liebsten hätte ich laut geschrien vor Freude, aber das ging nicht, denn die Ungarn fahren einen so halsbrecherischen Stil, dass es uns manches Mal für Sekunden den Atem nahm. Elkes Navi wies weiterhin den Weg und ich erinnere noch genau, wie meine Mitfahrer mir berichteten, dass hinter der nächsten Kurve Budapest liege. Es war noch nicht ganz dunkel, und ich hoffte auf einen beeindruckenden Anblick.
Stattdessen klingelte das Handy, und wir erfuhren, dass der Bus von Steffi komische Geräusche von sich gegeben hatte, bevor er liegen blieb. Zum Glück rollte er noch auf eine Tankstelle und war somit wenigstens vor dem verrückten Autobahnverkehr sicher. Wir haben es dann Dank Elkes Cleverness und diesem Supernavi geschafft, einen Weg zurück zu den Gestrandeten zu finden. Gabor war auch informiert und hatte sich auf den Weg gemacht, um uns zu unterstützen. Inzwischen war es dunkel geworden, aber Budapest bei Nacht interessierte mich überhaupt nicht mehr. Madlen, unser rettender Engel, untersuchte den Motor und stellte eine erste Diagnose: Weiterfahrt ausgeschlossen!
Gabor traf dann zum Glück zeitgleich mit dem ADAC ein, der leider Madlens Befürchtung bestätigte.
Das Auto würde keinen Meter mehr fahren dürfen. Es war eine ziemlich unsichere Situation, und niemand wusste so recht, was zu tun sei, welche Entscheidung getroffen werden sollte. Jörg, Steffis Ehemann, regelte und verhandelte von Deutschland aus mit dem ADAC, während Gabor auf Ungarisch mit dem ADAC Mitarbeiter alle denkbaren Modelle durchdachte. Entweder Leihwagen oder Abschleppen, das war die Frage. Während alle Wenn und Aber ausdiskutiert wurden, saßen die anderen auf dem Rinnstein und witzelten oder versuchten auf dem Grünstreifen ein wenig zu schlafen. (Rinnstein) Interna:„Alle lachen da so, weil sie behaupten, dass ICH da hingepieselt habe! Unverschämtheit ;-)“
Alle waren müde und wollten nur noch ankommen und dann ins Bett, doch erstmal musste das mit dem Auto geregelt sein. Gabor bot sich an das Auto abzuschleppen, und dem Himmel sei Dank!!!. Madlen war bei uns. Es gibt da so einen Spruch der lautet: Der liebe Gott schickt die Menschen genau dahin, wo sie am dringendsten gebraucht werden.
Danke lieber Gott, Madlen war bei uns. Sie war die Einzige die es auf sich nahm, im Schlepptau bei Gabor mitzufahren. Auf dem Beifahrersitz saß die tapfere Steffi. Ina, die bei Gabor als Beifahrer mitfuhr erzählte uns später, dass sie sich die Verletzungen vorgestellt hat, die ein Crash mit Hundert am Abschleppseil, verursachen würde. Es muss eine Horrorfahrt gewesen sein. Madlen, Steffi und Ina waren beim Frühstück noch ganz blass. Das waren wir übrigens alle, denn die erste ungarische Nacht begann erst gegen zwei Uhr dreißig, und das Frühstück war für halb neun Uhr angesetzt.
Nach einem kargen Frühstück, trotz vollem Büfett, stand nun mein erster Tierheimbesuch an. Der Weg dahin ist voller Schlaglöcher, und nun, da es trocken ist, sehr staubig. Man muss die Straße verlassen und einen unbequemen holprigen Weg zurücklegen, um zu unseren Schützlingen zu finden. Passt irgendwie.
Die Mitarbeiter kenne ich ja viele Monate von den Fotos, doch Jedem in die Augen zu sehen, ist schon etwas anderes. Wir wurden alle freundlich begrüßt, und ich betrat endlich, nachdem das Tor offen war, meinen „heiligen Boden“ in Kecskemét. Jeden Winkel kenne ich von den Fotos, doch da zu stehen, in dieser Hitze und das erste Mal zu hören, wie 400 Hunde unseren Besuch meldeten, war sehr beeindruckend.
Ich begann mit der Quarantäne. Gleich im zweiten Zwinger lag ein toter Welpe. Ich weiß, dass diese Dinge passieren und dass sie zum Alltag in Kecskemét gehören, aber hier zu stehen und sich so hilflos zu fühlen, ist noch mal etwas anders. Der kleine Kerl war Kian, mein Vermittlungswelpe.
Nachdem ich einen Rundgang gemacht hatte, musste ich mit Erschrecken feststellen, dass ich lange nicht alle Hunde erkannte und Hilfe benötigte, wenn ich Bilder machen wollte.
Aber erstmal mussten die Spenden aus dem Transporter und dem Kombi von Elke geladen werden. Steffis Bus war schon in der Werkstatt und sollte bis Samstag repariert sein. Uns fiel ein Stein vom Herzen, so bestand doch wenigstens die Chance dass wir geplant abreisen konnten und niemanden zurücklassen mussten. Alle halfen, und wir hatten den Transporter schnell leer. Futter, Decken, Näpfe und die Welpenmilch wurden mit großer Freude entgegen genommen. Die Plastikkörbchen waren noch bei Steffi im Bus und lösten dann bei Nici und Papa nochmal Tränen aus, als wir sie Samstag aus dem Kofferraum des Busses zauberten.
Im Tierheim wimmelte es von Menschen, wir waren schon 8 und dann noch Gabor und Kati mit Remo und die Mitarbeiter. Alle hatten etwas zu übersetzen und zu regeln. Elke nahm sich des lästigen Papierkrams an, und Steffi, Ina und Dagmar versorgten Welpen, die sehr schlapp und schwach waren. Ina ist Ärztin und wurde an diesem Tag zur Tierärztin gekört, denn sie versorgte alle Hunde sehr ruhig und vorsichtig. Der kleine Golyo wurde im Gehege zerbissen, und Ina konnte ihn gleich versorgen. Sie machte das wirklich klasse und schaute auch nach Kastrationsnarben, vereiterten Augen, knubbeligen Knoten und aufgeblähten Bäuchen.
Wir anderen waren mit Vielem und Nichts beschäftigt. Die Boxen mussten wieder aufgebaut werden. Und da wir so viele Hunde mitzunehmen hatten, war das eine kniffelige Angelegenheit. Jeder brachte sich irgendwo ein und wenn gerade Leerlauf war, dann schossen wir Fotos oder suchten Hunde auf, die schon lange im Tierheim leben. Vielleicht würden neue Fotos eine bessere Vermittlungschance ergeben.
Ich habe noch nie so viele Hunde auf einem Haufen gehört, gesehen, erlebt, gerochen und gespürt. Und viele sehen sich so unendlich ähnlich. Sogar die weißen Wuschel sind schlecht auseinander zu halten. Unglaublich. Es gab mehrere Zwischenfälle, einer davon war der Übergriff auf Golyo.
Und wenn die in Not geratenen Hunde dann jaulen und schreien, dann stürzen die ungarischen Kollegen sofort los, um den Hund aus der Gefahr zu befreien. Dagmar und ich erlebten so eine Situation hautnah, als wir an den letzten Zwingern standen, um nach einem meiner Hunde zu schauen.
Gegenüber, es erschien mir fast geräuschlos, stürzten sich acht große Hunde auf einen Schäferhund, der keine Chance hatte. Er lag bereits auf dem Rücken, aber die Raufbolde ließen nicht locker. Es war gespenstisch ruhig dabei und Dagmar schnappte sich eine Holzlatte, ging in das Gehege und vertrieb die Angreifer, während ich Gabor und Papa holte.
Dagmar hat sich todesmutig zwischen die Meute und dem armen Bukfenc gestellt. Er wäre sonst vielleicht nicht mehr am Leben.
Leider hatten wir keinen einzigen Schnaps dort, das war so ein Moment, wo man gut einen Doppelten hätte brauchen können.
Birgit war immer da, wo sie gebraucht wurde. Sie war immer an meiner Seite, wenn es mir schlecht ging, und sie erklärte mir, wie es hier noch vor einem Jahr ausgesehen hatte. Gehege wurden verkleinert , und es sind Einzelzwinger dort entstanden. Birgit hat mit ihrer Umsicht und ihrer Liebe einmal mehr Größe bewiesen und mich ganz schwer beeindruckt.
Elke hatte wirklich wenig Zeit für die Hunde, sie schrieb und schrieb, redete mit Nici, Kati übersetzte. Es war wirklich ganz blöd, aber mein Versuch sie zu unterstützen scheiterte kläglich. Das ist alles kompliziert und muss dann auch noch auf Ungarisch und Deutsch ausgefüllt werden.
Madlen fuhr an diesem Tag noch mit Golyo zum Tierarzt. Zwar verstand sie ja kein Wort ungarisch, aber sie fuhr trotzdem mit und sprach mit dem Tierarzt auf Englisch.
An diesem Freitag, als wir dort waren, wurden vier Hunde abgegeben. Ein Welpe, hellbraun. Man sagte, dass Zigeunerkinder damit Fangen gespielt hätten. Der kleine Knopf war voller Ungeziefer, und er wurde gleich behandelt. Dann brachten Menschen einen Hund, der angeblich angefahren war, die Nächsten kamen und gaben einen sehr alten Dackel ab. Sein rechtes Auge eiterte, der kleine Körper war viel zu dick, und es waren lauter Knoten durch das Fell zu sehen.
Eine halbe Stunde später stand ein Pärchen vor dem Zaun am Tierheim und sie gaben eine Mali- Hündin ab, Junghund schätzte ich, total abgemagert. Wie man mir später übersetzte, taugte sie nicht für den Schutzdienst.
Innerlich hab ich geschrien und musste doch kleinlaut zugeben, dass es besser ist die Hunde hier abzugeben, als aus dem Fenster zu werfen bei 100 auf der Autobahn. Ein Hund verließ das Tierheim an diesem Tag. Ein Welpe aus der Quarantäne Station. Er wurde in einen Karton gesetzt und bekam ein rotes, neues Halsband um. Das war viel zu groß und ein schwerer Karabinerhaken zog das kleine Köpfchen nach unten.
Auch das ist Ungarn, und ich muss damit fertig werden.
Gegen Abend waren unsere Boxen gebaut, der Hof halbwegs aufgeräumt und wir fanden unsere Elke N. immer am Zwinger von einigen Welpen. Dior hatte sich in ihr Herz geschlichen, und sie versuchte sich klar zu werden, wie sie nun aus der Nummer raus kam, ohne den Hund mit nach Hause zu nehmen.
Aber ich glaube, es war ihr schon klar, dass sie das Tierheim nur mit ihm verlassen würde. Es gab sehr emotionale Momente für die ich sehr dankbar bin.
Nachdem wir uns geduscht und etwas ausgeruht haben sind wir mit einem Teil unseren ungarischen Kollegen essen gegangen. Hier an dieser Stelle möchte ich mich noch einmal ganz herzlich bei ihnen bedanken. Ohne Gabor und Kati mit ihren Familien, wäre eine Zusammenarbeit sehr schwierig. Und bei dieser Fahrt wären wir aufgeschmissen gewesen. Gabor hat die verbliebene halbe Nacht nach unserer Ankunft noch telefoniert, um eine Reparatur bis Samstag zu ermöglichen. Ich weiß nicht, ob die noch dieselbe Nacht begonnen haben, aber morgens nach dem Frühstück war der Bus schon zerlegt und Steffi erhielt die Zusage, dass er Samstag fertig sein würde. Vielen Dank !
Leider waren wir alle ziemlich schnell müde, die Nacht vorher war viel zu kurz gewesen, und die Nacht des nächsten Tages würde ganz ausfallen, weil wir ja unterwegs sein würden. Also verkrümelten sich alle schnell ins Bett, um möglichst fit die Rückreise anzutreten.
Wir haben am Samstagmorgen gleich unser Gepäck eingeladen und sind gegen 11 Uhr wieder im Tierheim angekommen. Nun war es Zeit die Papiere zu kontrollieren und die Boxen mit den jeweiligen Steckbriefen zu versehen.
Namenlos, ein kleiner Welpe, war am Tag zuvor aus der Pflegestelle entlaufen, und es war unsicher, ob er gefunden würde, um mitzureisen. Unsicher war auch, ob Steffis Bus rechtzeitig aus der Werkstatt kommen würde. Die Stimmung war gut, aber eher etwas verhalten.
Jeder besuchte nochmal seinen Liebling oder hing seinen Gedanken nach. Steffis Bus war einfach notwendig, um alle Tiere zu transportieren. Wenn er ausfiele, müsste man ganz neu planen und vermutlich sogar Tiere zurück lassen. Eine wirkliche Horrorvorstellung, die jeder eher für sich behielt.
Letzte Besuche an den Zwingern und Gehegen, Video nochmal eingeschaltet, Foto geknipst. Leises Versprechen und ein letztes Streicheln.Man könnte meinen, dass die Hunde wissen, dass wir wieder abfahren.
Steffis Bus kam mit zwei Stunden Verspätung im Tierheim an, und wir konnten mit dem Verladen beginnen. Papa, Zoltán und József trugen die Tiere fest und sicher durch einen tobenden Tunnel aus Hundegebell. Alle Hunde bekamen ihr Reisehalsband um, bevor sie in ihrer Box Platz nahmen.
Ich konnte beobachten, wie die ungarischen Kollegen sich die Tränen aus dem Gesicht wischten. Auch für sie hat sich etwas verändert, es ist mehr als ein Job, man konnte das sehr deutlich spüren. Es war so ein traurig schöner Moment. Fuhren doch alle in ein besseres Leben, und warteten doch sehr nette Menschen sehnsüchtig auf ihre Hunde.
Wir verließen das Tierheim mit vielen Umarmungen und letzen Blicken auf die Zwinger. Ich fühlte mich so machtlos und suchte im Kopf schon nach neuen Möglichkeiten, diese Hunde zu inserieren. Wie schaffe ich es nur, noch mehr Hunde zu vermitteln, damit einige von ihnen eine reale Chance erhalten?
Jeder sprach Jedem Mut zu, bevor sich das Tor zum Tierheim schloss. Wir fuhren mit Hunden beladen über den holperigen, sandigen Weg ins neue Leben.
Wir mussten noch Hunde von der Swiss Ranch abholen und dort besuchte ich kurz „meine“ Szirom. Ein grauer Dackel, der mitreisen sollte, doch ihr Gesundheitszustand ließ das nicht zu. Ihr kleiner Körper bebte im Kennel, sie sah mich an. Ich werde diesen Blick niemals vergessen. Die Fotos, die ich machte, sind alle verwackelt, weil wir beide so sehr zitterten.
Steffi war zufrieden, der Bus rollte gut. Madlen, war sehr besorgt um zwei Katzen, die als Waisenkinder in Kecskemét abgegeben wurden. Elke war souverän wie immer, als ihr Navi ausfiel. Sie ist den Weg schon oft gefahren, dass sie so etwas nicht aus der Ruhe bringen konnte. Birgit war damit beschäftigt das Erlebte zu verdauen. Dagmar erzählte von „ihrer“ Meggie, und Elke N. saß überglücklich mit ihrem Dior im Arm und genoss seine Anwesenheit. Inas Gedanken blieben bei den Hunden in Kecskemét, und ich versuchte das alles im Kopf zu sortieren.
Drei Belfegór Hunde stiegen später noch zu. Nun waren wir komplett, und wir setzen unsere Heimreise fort. An der Grenze wurden wir herausgewunken, Steffis Bus und Elkes Kombi konnten problemlos passieren. Nachdem wir unsere Transportpapiere vorgelegt hatten, durften wir weiter fahren. Diese lästige Schreiberei hat sich ausgezahlt. Hat sie auch einen ganzen Tag gekostet, umso wichtiger war es, nun alles vorlegen zu können.
In Höhe Kassel gab es dann nochmal eine Katastrophe. Steffis Bus hatte erneut einen Motorschaden und durfte nicht weiter fahren. Das war furchtbar für alle Beteiligten, denn wir mussten nun den Transporter umladen, damit die Hunde, die Steffi transportierte mit uns reisen konnten. Zum Glück hatten wir in Höhe Würzburg einige Hunde übergeben. Und in Kassel waren es Bence, Trapp und auch noch andere, so dass wir Platz hatten, um Sopi, Serry und die Katzen in den Pfotenhilfe Transporter umzusetzen. Es war schrecklich die Kolleginnen dort zurück zu lassen und für die Übernehmer, die noch warteten, bedeutete es eine weitere Verzögerung von einer Stunde. Von Dior, Elke N. und Madlen haben wir uns auch dort verabschiedet, ihr Heimweg ging auf einer anderen Route weiter.
Wir bemühten uns sehr, vorwärts zu kommen, aber wir kamen von einem Stau in den nächsten, und der Verkehr floss zäh und zäher. Als dann noch eine Vollsperrung vor uns lag, waren wir alle sehr niedergeschlagen. Immerhin hatten wir schon mehr als sechs Stunden Verspätung, und die verspätete Zeit erhöhte sich unaufhaltsam.
Zu jedem der übergebenen Hunde gäbe es eine Geschichte zu schreiben, doch das würde den Rahmen eines Reiseberichts sprengen. Daher beschreibe ich eine, stellvertretend für alle unserer Hunde:
Bolero, der mit verklebten Augen und verfilztem Fell im hintersten Zwinger saß und dann auf der Raststätte liebevoll erwartet wurde. Erst wollte er gar nicht aus dem Kennel. Seine Menschen hatten Leckerchen mit und mit ein bischen Geduld, Hilfe und Spucke konnten wir ihn überzeugen in sein neues Leben zu springen. Er saß dann später wie selbstverständlich auf dem Rücksitz eines BMW, auf einer roten Decke, und blickte stolz nach vorne auf die Fahrbahn. Es lagen vielleicht vierzehn Stunden zwischen dem Bolero in Kecskemét und dem Bolero auf dem Rücksitz des BMW. Ich bin wirklich gespannt auf Fotos aus seinem Zuhause, er ist sicher nicht wiederzuerkennen. Fellpflege und Futter werden in kürzester Zeit eine Schönheit aus ihm machen.
Nachdem wir dann nochmals in eine Vollsperrung gerieten, in Höhe Bordesholm, fuhren wir den Rest des Weges über Landstraßen. Wir waren viel zu spät, total erschöpft, hungrig und durstig. Zum Glück hatte man uns etwas Kaffee eingeflößt und Wasser mitgegeben. So schafften wir den letzten Abschnitt problemlos.
Ich war gegen 23 Uhr zu Hause, meine Familie schlief bereits. Ungarn lag hinter mir und sitzt mir bis heute in den Knochen. Sicher werde ich diese Reise nie vergessen, und noch sicherer werde ich so schnell es geht, wieder mitfahren.
Über all diese vielen Autobahnen und Straßen, vorbei an herrlichen Sonnenblumenfeldern und hügeligen Wäldern. An Autobahnraststätten und Ampeln, vorbei am Zooladen, bis zu einem sandigen holprigen Weg …….
Christine Hartung-Czaja
Alle Bilder dieser Fahrt finden Sie hier




























