Ungarn/Rumänienfahrt 09.05.2010
Am Dienstag dem 4. Mai sollte unsere Reise nach Rumänien starten. Dieses Mal schon so früh, da wir im Shelter in Arad vorsprechen wollten und weil wir einen Termin in der Behörde hatten für Donnerstag den 6.5. um 9 Uhr 30.
Tatsächlich bin ich auch pünktlich um 12 Uhr Mittags mit dem PHR Mobil losgefahren. Mit sehr gemischten Gefühlen dieses Mal, weil mein Jüngster mit Fieber und einer starken Erkältung zu kämpfen hatte. Aber trotzdem er ja bestens versorgt wurde, auch ohne mich, hat mein „Mamaherz“ immer an meinen Zwerg denken müssen.
Meine Reise führte mich erstmal in meine Heimatstadt, wo ich weitere Spenden zulud. Dann ging es bis Kassel, wo Anja zustieg. Sie hatte wieder lauter leckere Sachen dabei und auch einige Spenden, die wir noch einpackten.
Zu dem Zeitpunkt hingen wir eine Stunde hinter dem Zeitplan, der allerdings ja nicht zwingend eingehalten werden mußte. Nur in Höhe Bad Hersfeld hatten wir noch eine Verabredung mit einer Übernehmerin, die Spenden bringen wollte.
Die Strasse war frei und so kamen wir gut voran. Unsere Stimmung war gut, der Kuchen und die Brötchen lecker und ausser meinen quälenden Gedanken, wie wohl die Nacht für mein Kind verlaufen sollte, hatten wir kein Probleme.
Obwohl wir im PHR Mobil nur zu Zweit fahren können, waren wir entschlossen durchzufahren bis Arad. Und wir haben es auch getan. Wir hatten an Wetter alles, was der liebe Gott zu bieten hat. Sonne, Nebel, Regen und wir sind immer weiter und weiter gefahren. Durch den Abend und die Nacht.
Am Morgen hörte ich endlich wieder von meinem Junior und war erstmal beruhigter, dass die Nacht problemlos verlaufen war.
Gegen 15 Uhr am Mittwoch haben wir uns in Arad eingefunden. Dort waren es, für uns höchst erstaunliche 30 Grad, gefühlte 43... Wir haben geölt und uns ausgezogen, aber die ungewohnte Hitze machte uns sehr müde und noch kaputter. (Leider darf ich die dazugehörigen Bilder nicht zeigen, sagt Anja- sind von ihr zensiert ;))
Andreas kam und sammelte uns auf. Wir wollten eigentlich nur noch schlafen, aber erstmal bei ihm angekommen, haben wir dann den plötzlichen Sommer im Gartenstuhl genossen und Andreas hat uns begrillt und mit einem kaltem Bier verwöhnt.
Beim Gespräch während des Essens kam heraus, dass wir den morgigen Termin bei dem Oberbürgermeister von Arad haben. Eine richtige Audienz und alles hoch offiziell. Wir sind dann früh ins Bett gegangen, um bei dem Termin keine Krähenfüsse zu haben. Zum Glück waren wir viel zu müde um darüber nachzudenken, was da passieren sollte.
Leider ging es Anja dann in der Nacht schlecht und sie hat eigentlich gar nicht schlafen können. Wir vermuten einen Hitzeschlag, durch die ungewohnte und plötzliche Wärme, denn sie mußte immerzu spucken und hatte unbändige Kopfschmerzen.
Am nächsten Morgen haben wir uns nett angezogen, aber Anja musste dann doch Zuhause bleiben. Die Beschwerden waren zu stark. Ungern ließen wir sie alleine, aber den Termin konnten wir auch nicht platzen lassen. Also hatten wir es eilig, ins Rathaus nach Arad zu kommen. Die Zeit lief uns weg. In Rumänien ticken die Uhren anders. Eine Stunde Zeitverschiebung brachte mich nochmal richtig ins schwitzen, aber wir kamen pünktlich an.
Das Rathaus ist ein großes, weißes Gebäude ( fotografieren darin natürlich verboten) und Andreas lotste uns in einen Flur. Wir suchten die Tür und waren überrascht, dass es sich um eine öffentliche Anhörung handelte. Mir war grottenübel und die Anspannung war riesig. Da saß ich, mit meinem Perso in der Hand, klein und fremd in einem fernen Land, umgeben von Stimmen die ich nicht verstehen kann, neben Menschen mit wichtigen Papieren in den Händen und neben Andreas, der sichtlich enttäuscht war, das wir keinen Einzeltermin hatten.
In meinem Kopf klangen all die Worte nach, die ich nicht vergessen sollte, was Birgit mir gesagt hat, was Elke vorhin noch sagte und dann wurde es plötzlich ganz eigenartig still in mir.
Christine in Rumänien im Sitzungssaal, zu so einem öffentlichen Termin. Mein Gott, was tue ich da eigentlich??? Hoffentlich fallen mir auch die richtigen Worte ein......
Die Uhr lief immer weiter und im Saal wurde es unruhiger und lauter, denn es war schon 10 Uhr vorbei und niemand ließ sich sehen. Die ersten Wartenden gingen dann auch gegen 10:45 Uhr, aber ich hab da gesessen und hätte auch noch länger gewartet. Immerhin bin ich nicht 2000 km gefahren um dann niemanden anzutreffen.
Gegen 12 Uhr hat die Stellvertreterin des Oberbürgermeisters die Anhörung durchgeführt. Wir sind dann recht schnell dran gekommen und man hat Andreas interessiert zugehört. Da wir nur kurz in Arad blieben, wurden wir sofort an die oberste Verwaltungschefin der Stadt verwiesen. Ihr untersteht auch das Shelter. Dort machte man sofort für uns einen Termin für 13 Uhr aus.
In der Wartezeit haben wir dann mit Anja telefoniert, um uns zu erkundigen, wie es ihr geht. Und wir haben kurz mit einem Teammitglied gesprochen, ob der Transporter, wie geplant, auf dem Weg nach Kecskemet ist. Diesmal bekamen wir durch die Fahrer ja männliche Unterstützung. Jörg und Ralf sind pünktlich weggekommen und waren unterwegs nach Ungarn.
Um 13 Uhr trafen wir auf die Dame der Stadtverwaltung. Es war ein gemischtes Gespräch. Vor uns hatten auch andere sich dort gemeldet, die aber entweder nur angeklagt oder aber ihre Vorhaben nie umgesetzt haben. Man war einfach vorsichtig geworden bei Tierschützern. Trotzdem erhielten wir die Erlaubnis Fotos zu machen und das Shelter aufzusuchen.
Der TH Leiter dort wurde ebenfalls informiert und stand für unsere Fragen zur Verfügung.
Wir wollten so schnell es geht ins Shelter, sahen wir es als Chance, einen Fuß in die Tür zu bekommen. Vorher haben wir rasch noch Anja abgeholt, sie hat dann Bilder über Bilder gemacht, während Andreas und ich mit dem verantwortlichen Leiter sprachen.
Ach, zu gerne möchten wir dort helfen, zu gerne möchten wir regelmäßig dort hin fahren. Der TH Leiter war kooperativ, seine Chefin hatte ihm ja gesagt, dass er uns unterstützen soll.
Nachdem wir dort fertig waren, sind wir zu Andreas gefahren. Die Hunde dort mussten ja auch versorgt werden. Wir hatten alle ein gutes Gefühl und waren voller Hoffnung :)
Am Freitag früh sind wir zeitig nach Minis aufgebrochen, wo wir mit Cristina und Victoria den Tag verlebten. Wir haben unsere Spenden dort gelassen, Bilder und Videos gemacht und mit den Hunden geschmust. Das Wetter war wieder mal der Hammer.
Es regnete erst so stark, dass wir alle aussahen wie die Schmuddelschweine. Aber später, als der Transporter mit Gabor, Jörg und Ralf eintraf, da schien die Sonne. Die Transporterspenden wurden ebenfalls gemeinsam ausgepackt und die Boxen dann aufgestellt. Es sollten 8 Hunde aus Rumänien mit uns nach Kecskemet reisen, um dann Samstag von dort aus nach Hause zu fahren.
Die liebevolle Bianca mit ihren 14 Welpen, meine Frieda, die überhaupt nicht mit mir kuscheln wollte, Fanel, der Bomber und Fiona die hübsche Prinzessin. Oscar, der lieber bei Cristina im Zwinger bleiben wollte, als in der neuen Familie....
Ich wußte da noch nicht, dass ich sie alle niemals wiedersehen würde. Ich kenne beinahe jeden Hund dort und ich bin immer noch sehr traurig.
Die Rückreise nach Kecskemet begann etwa gegen 15:30 Uhr. Da wir noch einen Hund in Arad aufsammeln mußten, trennten wir uns und der Transporter fuhr mit den Hunden schon nach Ungarn vor, damit diese dort schon versorgt werden konnten. Jörg und ich warteten auf Kaya, die ja auch noch mit sollte. Nachdem Andreas dann Kaya übergeben hatte, trennten sich unsere Wege wieder mal. Wann ich wohl wieder nach Arad kommen werde.......
Es ist immer auch ein schmerzlicher Abschied, weil man gerne mehr helfen möchte, weil man soviel Arbeit und so viele sehnsüchtige Augenpaare zurück läßt.
Mit Kaya auf dem Schoß brachte Jörg uns sicher auf die Swiss Ranch, wo Kaya dann sofort von Kati versorgt wurde. Die anderen Hunde hatten schon alle Quartier bezogen und bekamen ihr Futter.
Dori hatte super leckeren Käse aus der Schweiz mitgebracht und so gab es auf der Swiss Ranch ein üppiges Mahl für alle. An dem Abend war ich so kaputt, dass ich es gar nicht abwarten konnte, dass uns jemand ins Hotel brachte. Ich war nicht in Feierlaune und ich war auch nicht sonderlich gesprächig. Sorry Sandra und Laczlo, ich weiß, dass ihr gerne noch weiter gefeiert hättet, aber da bin ich voll abgeknickt.
Die Nacht im Hotel war gut und die Dusche erst!!!! Pünktlich um 8 hatten wir aber schon wieder gepackt, gefrühstückt und sind wieder bei Gabor ins Auto gestiegen. Es ging ins Tierheim in Kecskemet. Immerhin mussten wir noch transportrelavante Arbeiten verrichten.
Dadurch, dass wir eine ganze Menge Leute waren und alles Hand in Hand ging, waren wir tatsächlich noch vor 12 Uhr fertig und haben uns auf die Reise nach Hause gemacht.
Zurück über den holperigen, sandigen Weg, vorbei an Feldern und einen in Fels gehauenen Adler, durch Spurrillen und unzählige Baustellen; gefangen in unseren Gedanken, Wünschen und der Realität.
Das PHR Mobil hat nicht viel Power unter der Haube, so mußten die „Jungs“ oft auf uns Rücksicht nehmen. Aber wir haben den Zeitplan ganz gut halten können und konnten problemlos jede Station anfahren.
Die Freude bei den Übernehmern und das Glück, dass die Hunde ab dann haben, das rechtfertigt jede Anstrengung, jeden Schlafentzug, jede Angst, jeden Zweifel über den eigenen Verstand, den man jemals haben könnte. Raus aus dem Schlamm und Dreck, rein in die schützenden Arme des Menschen, der so sehnsüchtig wartet. Vielen Dank Allen, die einer Notnase ein Zuhause schenken!!! Die sich auf das Abenteuer einlassen und Vertrauen schenken. Es ist wirklich nicht zu glauben, wenn man die Bilder vom Tierheim und dann die aus dem Zuhause sieht.
Anja stieg in Kassel aus und dort wurden wir von unserer Teamkollegin Ina Yildiz empfangen, die das PHR Mobil dann bis Hamburg Harburg steuerte, damit ich nicht alleine fahren muß. Danke Ina :)
Sonntag, am frühen Nachmittag, war ich wieder Zuhause. Noch nie so staufrei und früh wie dieses Mal. Ich war überglücklich, dass ich mein krankes Kind in den Arm nehmen konnte und dass es ihm schon wesentlich besser ging. Meine Schwiegereltern sind dann an dem Nachmittag noch abgereist.
Danke nochmal :)
Nun liegt ein Monat zwischen der Tour und meinen Aufzeichnungen. Es ist viel passiert. Und es war die letzte Tour nach Minis. Aber nicht die letzte nach Rumänien !!
Der Entwurf für die Stadtverwaltung und die ersten Aufzeichnung sind gemacht. Wir sind dran und wir werden nicht aufgeben. Wir waren nun zum zweiten Mal im Shelter und ich kann es kaum erwarten, dort wieder hin zu fahren. Ich weiß, dass es dem ganzen Team so geht. Wir möchten Futter ausladen, desinfizierbare Körbe in die Zwinger stellen, von Zwinger zu Zwinger gehen und einem Hund nach dem anderen von den Zecken befreien, den Welpen artgerechte Milch und verwertbares Futter vorsetzen und den einen oder anderen Hund dem Tierarzt oder in der Klinik vorstellen. Wir möchten erleben, dass das Kastrieren beginnt, dass alle Rüden einen Termin haben und innerhalb einiger Tage operiert werden können.
Dafür mache ich weiter in der Hoffnung, dass wir Gehör bekommen und dort etwas erreichen können.
Leider sind die vielen Bilder aus dem Shelter der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Wir bitten um Verständnis dafür, doch wir dürfen die Bilder ausschließlich für unsere Ausarbeitungen nutzen.
Es ist nicht nur weit, es ist auch ein schmerzhafter Weg, den wir uns in Rumänien ausgesucht haben. Das haben alle nun hautnah erleben müssen. Aber was müssen die Tiere dort erst aushalten? Täglich und immer wieder.....
„Auch aus Steinen, die dir in den Weg gelegt werden, kannst du etwas Schönes bauen.“ Erich Kästner
Lasst uns anfangen.!! Jetzt erst recht!!
Christine Hartung-Czaja
















