Reisebericht vom 29.10. – 01.11.2009
Schwer das alles in Worte zu fassen und noch schwerer den Anfang zu finden, zumal ich ja auch als sehr emotional gelte und das auch nicht abstellen kann - also Ihr werdet damit wohl leben müssen:
Nachdem die Tour aus verschiedenen Gründen um einen Tag auf den 28.10.09 verschoben wurde, der Tourbeginn nicht so klappte wie gehofft - der eine Transporter kämpfte schon kurz nach dem Start mit einem Megastau und verlor so seine, durch einen früheren Start, gewonnene Stunde und mehr, der andere musste noch Hunde einsammeln und verzögerte sich dadurch, weil natürlich nie alles so läuft wie man es gerne hätte, trafen wir uns alle dann in Kassel um unsere Kollegin Anja an Bord zu holen. Diese deckte uns dann auch liebenswürdiger Weise mit lauter Köstlichkeiten aus der eigenen Backstube ein, so das wir auf keinen Fall am Hungertuch würden nagen müssen, selbst wenn nicht ein jeder von uns auch noch etwas mitgenommen hätte. ;-)
Gut gelaunt ging es dann weiter, wir teilten uns auf um noch so einiges an Spenden einzusammeln und dadurch etwas Zeit zu gewinnen. Leider war der Wettergott nicht wirklich auf unserer Seite, denn wir fuhren teilweise auf Straßen welche nicht breiter als der Transporter waren, herrlichste Serpentinen bei einer Sicht von unter 50 Metern durch wabernden Nebel. Belohnt wurden wir durch liebe Spender die der Uhrzeit trotzten und uns trotz weiterer Verspätungen mit einem Lächeln, guter Laune, Kaffee und einem Toilettengang empfingen - Danke noch mal dafür.
Auch durften wir die mitgenommenen Hunde ihren glücklichen neuen Familien übergeben.
Danach war wieder ein Rastplatz unser Treffpunkt und zusammen ging die Fahrt dann weiter. Gehalten wurde lediglich um die Vignetten zu kaufen oder zu tanken und dabei gestatteten wir uns dann auch das Klo aufzusuchen. Wir durchquerten Deutschland, dann Österreich und unser nächster Halt war tags darauf die Swiss-Ranche in Ungarn.
Ich hatte sie mir größer und etwas anders vorgestellt und ich verstehe jetzt wie begrenzt der Platz bei Gabor ist und das es nicht möglich ist immer alle Notfälle dort unterzubringen, auch wenn wir und Ihr es uns noch so wünschten. Auch hier steht noch viel Arbeit an um fertig zu werden und auch hier ist es nur Stück für Stück möglich voran zu kommen, immer das Wichtigste zuerst.
Ich durfte Patata kennen lernen - eine wunderschöne und liebe Hündin, genauso wie ich Levis in einem der Zwinger sah und Suzie, Jim Knopf und und und, ich konnte Gabors Hunde kennen lernen und seinen neusten Nachwuchs welcher sogleich das Herz unserer Kollegin Anja eroberte.
Wir luden die vorgesehenen Spenden aus und schon ging es weiter Richtung Santana, denn uns lief die Zeit davon. Also, Ungarn durchquert und dann waren wir endlich in Rumänien und sehr froh das uns unser Partner Andreas am Treffpunkt abholte und vorweg fuhr. Die Straßen sind sehr gewöhnungsbedürftig und dienen dem Stoßdämpferverschleiß, das Navi findet keine Straße, der Fahrstiel ist an den Straßen gemessen etwas forsch um es nett zu umschreiben und wir trällerten munter Lieder und ließen uns nicht aus der Ruhe bringen.
Endlich angekommen knurrte der Magen, aber tapfer luden wir erst mal die Spenden für Andreas aus, bevor wir uns eine Pause gestatteten. Er war fassungslos über all das was wir da anschleppten und soooo glücklich. Glücklich was wir brachten und glücklich das wir da waren und Wort hielten nach all den Enttäuschungen welche er schon erlebt hatte.
Als alles erledigt war, die Hunde begutachtet und gefüttert, deckten wir den Tisch, aßen und lachten und beratschlagten den nächsten Tag. Wir erfuhren viel über Rumänien, die Zigeuner und die Hirachien. Viel zu spät, bzw. früh gingen wir dann schlafen um für den nächsten Tag gerüstet zu sein, zumal ja auch Gabor erwartet wurde denn wir mussten ja alle Boxen noch aufbauen und festzurren.
Als erstes frühstückten wir und dann ging es los zum Tierarzt um dort vorstellig zu werden damit wir für ihn auch Real sind und nicht nur eine Erzählung von Andreas und um Spenden abzuliefern, dann ging es ins „Tierheim“ den Shelter von Arad.
Um eventuell eine Fotografiererlaubnis zu erhalten und mit einem Oberen reden zu können waren wir angemeldet - ein Fehler den wir nie mehr begehen werden, denn im ganzen Tierheim war nicht ein trockener Fleck zu finden, da natürlich geputzt, bzw. ausgespritzt worden war und die Hunde in der Eiseskälte, wir durften morgens Eiskratzen, nun erst recht froren auf dem nassen Betonboden und laut Andreas waren alle abgemagerten und kränklichen, verletzten Hunde plötzlich verschwunden - was mit ihnen passiert ist möchte ich mir lieber nicht vorstellen. Fotografieren durften wir trotzdem nicht und wollten es auch lieber nicht riskieren, zumal wir unter ständiger Beobachtung standen.
Wir hoffen das unsere Präsenz und die Aussicht auf Spenden ein Umdenken bewirkt und eine Zusammenarbeit somit eines Tages möglich wird.
Also, wir kamen rein und das erste was wir zu hören bekamen war das wir nicht fotografieren dürften. Schon im ersten Gang am 2.Gehege blieb mir der Atem stehen als ich dieses kleine schwarze Wesen sah, welches dort ganz still und teilnahmslos saß, so abgemagert und verloren - ich musste mir die Hand vor den Mund pressen um nicht aufzuschreien vor ohnmächtiger Qual. Die Weisung hatte gelautet das wir keinen Hund mitnehmen können und dürfen. Ich weiß nicht was den Ausschlag gab, aber Christine sagte zu Andreas das er diese kleine Maus reservieren solle, sobald er wieder Platz hat was mir einen kleinen Auftrieb gab.
Es waren so viele Hunde dort, so schöne und liebe, so traurige Augen und alle den Tod vor Augen, wenn kein Wunder geschieht. Den meisten von uns liefen die Tränen in ohnmächtiger Verzweiflung. Wenn wir wenigstens hätten fotografieren dürfen um ein Zuhause für sie zu suchen um ihnen eine Chance zu geben.
Kleine Teddybärwelpen mit von Milben zerfressenen Gesichtchen, sich frierend aneinander kuschelnd, eine Staff-Hündin, welche so sanft und lieb, zurückhaltend und doch nie eine Chance bekommend. Große, kleine, mittlere sanfte verzweifelte Wesen welche einen bittend und verzweifelnd anblicken, wohl wissend das man ihre letzte Chance ist. Kleine Gehege mit unzähligen Hunden welche von einer Matsche aus eingeweichtem Weißbrot mit Trauben, Pflaumen und Kastanien satt werden sollen welche, wenn überhaupt bekömmlich, höchstens für 1 bis 2 Hunde ausreichend wäre.
In einem Gehege eine bildschöne Schäferhündin mit ihren schon etwas größeren Welpen, im anderen ein bunter Haufen zusammengewürfelter Hunde von groß bis klein, ein bunter kleiner Welpe und einer mit Schäferhundzeichnung im Gehege mit Florentina und Gloria zusammen kaum etwas mehr, eine wunderbare schwarz/weiße graumelierte Border-Neufi?-Hündin welche so sanft, ruhig und lieb war und mich tief berührte, eine kleine, braune, ruhige liebe Mischlingshündin, eine weiße um Liebe bettelnde bildschöne Hündin - ich könnte stundenlang weiter aufzählen und zu jedem hat sich mir das Bild tief in meine Seele und mein Herz eingegraben. Ich werde diese Augen nie vergessen, diese Bitte in ihnen und das ich so gar nichts für sie tun kann, ihnen nicht mal die kleinste Hoffnung auf ein gutes Zuhause machen kann, denn uns sind die Hände gebunden.
Diese Ohnmacht und Hilflosigkeit und das Wissen das man, und im Grunde sogar wie man, sie töten wird ist es was uns die Tränen in die Augen treibt und das Herz zerreißt - auch jetzt wo ich diese Zeilen schreibe. Ich habe die Werkzeuge dazu gesehen, sie standen an der Ecke des ersten Geheges, diese riesigen Eisenzangen am Stiel, zum Halten, wenn der Hund um sein Leben kämpft und doch keine Chance hat.
Am Ende konnte auch Christine es nicht ertragen und jeder durfte sich einen Hund aussuchen welchen wir mitnahmen, Gizi, Gizela, Gloria, Greta und Florentine (die Schwester der F´s). Wenigstens diesen 5 konnten wir damit eine Chance geben.
Nach dem Einladen wieder zurück zum Tierarzt zum Impfen und Erstuntersuchung, danach teilten sich die Wege, weil wir natürlich zu viel Zeit verloren hatten. Ein Transporter fuhr schon mal zu Apam, ein anderer erst mal zur Erstversorgung der geretteten Hunde zu Andreas - in diesem Transporter fuhr ich mit.
Bei Andreas versorgten wir schnell die Hunde, fütterten den Rest, machten es ihnen bequem so gut es ging und einige schnelle Bilder damit wir sie inserieren können, dann ging es auch schon dem anderen Transporter hinterher zu Apam.
Da ich den Auftrag hatte Bilder zu machen versuchte ich alles festzuhalten und Andreas musste bei zwei totgefahrenen Hunden anhalten damit ich sie fotografieren konnte - auch das ist nämlich Alltag in Rumänien und es kann sich kaum einer vorstellen wie oft mir fast das Herz stehen blieb, wenn mal wieder ein Auto auf einen Streuner stieß und ich ihn schon überfahren sah. Was mich überraschte war das viele der Streuner sehr anhänglich waren und zutraulich, einige sahen auch gut genährt aus und viele fand ich einfach nur wunderschön - ich werde nie verstehen das keiner diese Hunde haben will.
Tja, und dann passierte das was mir verboten worden war - wir stießen auf einen strubbeligen Streuner und ich sollte ihn fotografieren. Da ja Andreas wie in Rumänien üblich etwas schneller fährt in Bezug auf den Straßenzustand hielten wir ein ganzes Stück vor ihm. Zu meiner Überraschung lief er nicht davon, sondern auf mich zu und entpuppte sich als kleiner zutraulicher Schäferwelpe, der sich genau vor die, von mir noch geöffnete, Beifahrertür setzte und mich hilfesuchend ansah. Wie hätte ich ihn denn da noch verscheuchen können, diesen kleinen ausgemergelten Kerl?
Hilfesuchend sagte ich Silke und Andreas das wir ihn doch nun nicht einfach davonjagen können, auch wenn Christine nein gesagt hatte (aus nachvollziehbaren Gründen) - ich konnte es nicht und meine beiden Kollegen Gott sei es gedankt auch nicht. Andreas meinte das es für einen Streuner keinen Unterschied macht wo er lebt und wir ihn notfalls dann immer noch raussetzen könnten, wenn Christine gar zu sauer würde, jetzt könne er erst mal mitkommen - mir viel ein Stein vom Herzen.
Bei Apam angekommen gestand ich es Christine gleich, machte mich auf ein Donnerwetter gefasst und obwohl sie sicherlich nicht wirklich begeistert war kam kein Wort des Vorwurfs und Andreas erklärte sich bereit den Kleinen erst mal unterzubringen und zu versorgen - danke dir Andreas. Ich war sehr froh darüber und bin sehr dankbar dafür, denn ich hätte dieses unschuldige Wesen nie und nimmer wieder aussetzen können, egal wo.
Nun hieß es aber erst mal Hunde fotografieren so gut es noch im Dämmerlicht ging, Boxen aufbauen und zuvor Spenden ausladen. Danach durften wir uns noch durch ein leckeres Essen von Cristina verwöhnen lassen und bekamen sogar noch tolle Gipsfiguren und Blumen geschenkt - beides aus eigener Herstellung und Zucht.
Cristina und ihre Familie waren so lieb und nett, wir fühlten uns sehr wohl dort. Die Spenden fanden großen Anklang und die ganze Anlage ist sehr schön geführt. Eine Oase im rauen Land. Leider war die Zeit viel zu kurz für alles - uns fehlte der verschobene Tag. Gerne wäre ich länger geblieben, hätte alle Hunde in Ruhe fotografiert und kennen gelernt genauso wie bei Andreas.
Die Hunde lieben Cristina und Victoria, wo immer sie auch vorbei gehen kommen die Hunde ans Gitter und wedeln. Überhaupt sind sie alle wunderschön und, bis auf einige aus Angst zurückhaltendere Hunde, alle sehr zutraulich und für jede Streicheleinheit dankbare Wesen. Ina und Nico sind um soooo vieles kleiner als ich dachte und so hübsch und lieb, Bebe ist ein wunderschöner beeindruckender Hund, die Junghunde eroberten mein Herz, einer hatte ein von Milben zerfressenes Gesicht und dauerte mich sehr.
Codruta war angebunden da sie ja nicht so freundlich sein sollte und damit wir uns frei bewegen konnten - ich habe mich ihr genähert und sie knatschte mich an, aber wich mir auch aus und ihr Verhalten sprach von Angst. Was muss diese wunderschöne Hündin erlebt haben, bevor sie hier eine Zuflucht fand, wie sensible muss sie sein, um so anders wie ihre Geschwister zu reagieren. Am liebsten hätte ich mich knapp in ihrem Bereich hingesetzt, sie nicht beachtet und abgewartet ob sie Kontakt aufnimmt oder mich lieber gefressen hätte - ich denke mit genug Zeit wäre ersteres passiert. Dieser Hund braucht unendlich viel Zeit, Zeit die es in unserer Gesellschaft nicht mehr gibt und ist daher irgendwie auch unser Spiegel.
Der Abschied kam viel zu schnell und wir mussten los, denn es war schon sehr spät. Den Berg herunter und dann der Schreck, es qualmte und stank aus der Motorhaube. Wir also erst mal stehen geblieben und nicht gerade begeistert. Gabor, der voraus führ, merkte das wir nicht kamen und musste mit seinem Hänger drehen und zu uns zurück. Dort nahm er sich des Transporters an und bekam es auch in den Griff - die Erleichterung darüber muss ich wohl nicht beschreiben, immerhin wollten wir am nächsten Tag mit allen Hunden die Reise nach Deutschland antreten. Während wir auf Gabors Wunder warteten gesellte sich ein Hund zu uns als würde er zu uns gehören und da die Rumänen oft ihre Hunde einfach laufen lassen damit sie sich ihr Futter selber suchen und er gut genährt war könnten wir auch nicht sagen ob er zu ersterem gehört oder ein Streuner ist.
Wir fuhren also weiter ohne uns um ihn zu kümmern. Er lief hinter Gabors Wagen her und ich hatte die ganze Zeit Angst das er mir unter die Räder gerät, denn ich fuhr direkt dahinter. Was hatte dieser kleine Kerl bloß für eine Ausdauer und nachdem ich es endlich geschafft hatte an ihm vorbei zu kommen ohne ihn zu überfahren lief er hinter uns her und auch hier wieder sehr ausdauernd, bis er irgendwann endlich vor einer Toreinfahrt einbog und dort sitzen blieb. Ich hoffe das es sein Zuhause war, werde aber wohl nie Gewissheit darüber bekommen.
Ein holperiger Rückweg in „gutem“ Tempo zeigte uns das der eine Transporter nicht optimal mit den Boxen festgezurrt war, denn es krachte alles zusammen und wir mussten trotz der späten Stunde und Eiseskälte komplett von vorne beginnen. Arbeitsteilung war gefragt - einige bauten neu auf, andere kümmerten sich darum das die Hunde bei Andreas versorgt wurden und der Rest kümmerte sich darum das es etwas zu essen und heiße Getränke gab, sobald alles erledigt war und das Zimmer geheizt damit alle erst mal auftauen konnten.
Aber gut das es jetzt passiert war und nicht erst nachdem in den Boxen Hunde sitzen - da sieht man das auch der schlechte rumänische Straßenzustand für etwas gut ist. Wir aßen also noch etwas, besprachen den Ablauf des nächsten Tages und es blieben uns noch sage und schreibe 3 Stunden Schlaf, bis wir wieder los mussten.
Da wir leicht verschliefen, welch Wunder bei dem bisschen Schlaf der uns bisher vergönnt war, brachen wir ohne Frühstück auf um noch pünktlich am Treffpunkt mit Cristina zu sein und die ersten Hunde nach Easy zuzuladen.
Eine Umarmung, ein Umladen der Hunde, ein kurzer Abschied und schon ging es weiter nach Kecskemét um all die glücklichen Fellnasen aufzunehmen welche nun ein besseres Leben erwartete.
Dort angekommen schlug uns das Gebell der Hunde entgegen und Gabor begrüßte uns, denn er war am Morgen gleich hierher aufgebrochen und hatte die Hunde der Swiss-Ranch dabei und unsere Ankunft vorbereitet. Kaum angekommen gab es eine Verzögerung, denn Ödön war gerade das Opfer einer Beißerei geworden und konnte gerade noch vor Schlimmerem bewahrt werden - Gabor und Christine versorgten ihn erst mal.
Die Zwischenzeit nutzte ich indem ich versuchte so viele gute Bilder als möglich zu machen um eventuell dem einen oder anderen eine bessere Chance zu verschaffen gesehen zu werden. Da ich nicht wusste wann es nun los geht und da dann jede Hand gebraucht wird beeilte ich mich um möglichst alle Gehege zu erwischen. Auch versuchte ich nicht zu nah an die Gehege zu gehen damit ich keine Beißerei auslöse. Einige erkannte ich wieder, viele nicht, aber überall begegneten mir traurige
Hundeaugen welche mich um Hilfe baten, einige kamen nicht mehr ans Gitter, es hatte ja doch keinen Zweck, einige gebärdeten sich wie toll um meine Aufmerksamkeit zu erringen, einige saßen nur still da und sahen mich traurig an, einige versuchten wenigstens eine kleine Streicheleinheit zu erhaschen und einige hatten Angst vor mir und beobachteten mich nur aus der Ferne, aber alle bettelten auf ihre Art darum gesehen und geliebt zu werden, alle baten auf ihre Art darum sie doch mitzunehmen.
Diese Augen, diese traurige Bitte in ihnen - auch sie werde ich nie mehr vergessen. Uns zu Ehren hatte man zuvor sauber gemacht und da es ein schöner Tag war, wenn auch eisig, mussten die Hunde wenigstens nicht im Schlamm sitzen oder Dreck. In die meisten Einzelzwinger konnte ich nicht einmal hineingucken, denn sie waren am Ende der großen Gehege mit viel Draht davor, teils erst am Ende des Geheges hinter dem großen Gehege und diesen armen Hunden konnte ich nicht einmal die Chance auf ein Foto und somit mehr Präsenz geben, denn dann hätte ich durch das oder die Gehege müssen und das ging nicht. Es war zum heulen.
Ich sah Pöcök und er ist um soviel hübscher als auf den Bildern und den Giraffenhals, der ihn auf den Bildern immer etwas unproportional aussehen lässt, konnte ich gar nicht finden. Ich entdeckte Kölni der sich lieber aus allen Streitigkeiten heraushält, obwohl er so gerne zu mir gekommen wäre, ich sah die wunderschönen Huskys, welche nur still dasaßen und teilnahmslos wirkten, ich sah Edda welcher am Gitter hochkletterte um mir näher zu sein und dadurch kaum zu fotografieren war, ich sah so viele welche mit uns reisen würden ich kann gar nicht alle aufzählen, aber vor allem sah ich das Leid all derer die hier ausharrten, all die Trauer und Resignation, der Funke der Hoffnung der in den Augen aufblitzte wenn ich am Gehege stand und die Traurigkeit, wenn ich weiterging.
Jeder Hund hier zerreißt mir das Herz, denn ich weiß das ich noch so viele von ihnen auf der Regenbogenbrücke wiederfinden werde - Opfer der menschlichen Grausamkeit und Ignoranz unserer Wegwerfgesellschaft.
Zu einem Hund möchte ich noch etwas sagen, dem Patenhund meiner Tochter. Christine zeigte ihn mir da sie oft deswegen angeschrieben und beschimpft wird - Januar.
Meine kleine süsse Januar ist gebrochen, sie hat die Beißerei bei der sie so schwer verletzt wurde lediglich körperlich überstanden, aber seelisch leider nicht. Wäre das Gitter nicht gewesen hätte sie mich am liebsten zerfleischt und ich könnte heulen, wenn ich daran denke was das Leben dort ihr angetan hat und was es wohl noch anderen antun wird.
Sie so zu vermitteln wäre wirklich grob fahrlässig, denn selbst wenn es sich jemand zutrauen würde, was würde mit ihr bei uns passieren, wenn sie beißt und zwar nicht nur einmal, sondern so vehement wie ich sie erleben musste - laut Gesetz würde sie eingeschläfert werden müssen, denn sie stellt dann eine Gefahr für die Öffentlichkeit dar. Mal ganz davon abgesehen wer es den Eltern des Beißopfers beibringen sollte, wenn sie durch Zufall genau neben einem Kind ausrastet und dieses zerbeißt - wer möchte und kann dafür die Verantwortung übernehmen? Ich möchte es nicht.
Es tut mir so leid meine Süße, aber Deine einzige Chance besteht darin das jemand versucht mit dir zu arbeiten und du therapiert wirst, aber das kostet Unsummen, woher sollen wir soviel Geld nehmen und wer wäre bereit dazu diese Aufgabe zu übernehmen? Ob es dir letztendlich wirklich helfen würde, oder ob du eine verlorene Seele bist, das lässt sich erst dann wirklich sagen, aber was, wenn es dir nichts mehr bringt und du in Deiner Angst gefangen bleibst? Wie sieht dann Dein restliches Leben aus? Jahrelang in einem kleinen Einzelzwinger ohne Hoffnung? Ich fürchte das genau dies Dein Schicksal sein wird und ganz ehrlich? Ich wäre dann an Deiner Stelle lieber tot, aber das wird man dir sicher nicht gestatten, denn man tötet in der ehemaligen Tötungsstation nicht mehr - auch nicht aus Gnade. Mein Mädchen, ich weine um dich.
Aber zurück zum Ablauf, denn es ging nun los und wir kontrollierten ob Hund und Pass laut Chipnummer identisch waren, verabreichten Spot on, suchten nach passenden Halsbändern und verabreichten Wurmkuren, bevor wir sie in die vorbereiteten Boxen brachten. Immer wenn ein Hund den Gang herunter gebracht wurde, der zwischen den Gehegen entlang führt, schwoll der Lärmpegel der anderen Hunde entschieden an - als wollten sie uns zurufen warum wir denn nicht sie mitnehmen würden.
Hunderte von Hundeseelen welche wir enttäuschten, aber einige wenige welche nun endlich würden ein hundgerechtes Leben führen dürfen.
Nachdem wir alle gut verstaut hatten ging es los auf den Weg in die Freiheit und wir waren froh für jeden der an Bord war.
Diesmal brauchten wir keine Vignetten mehr kaufen, sondern konnten so über die Grenzen fahren und da es schon spät war und das Glück uns gewogen, wurden wir auch nicht von den Zöllnern aufgehalten.
Dann kam der erste unbeschreibliche Augenblick - die Übergabe meines ersten Hundes an Übernehmer. Es war wunderschön zu sehen wie sehr man sich auf das neue Familienmitglied freute und zu wissen das es diesem einen ab jetzt gut gehen wird und ein Leben in Liebe erwartet. Das Lächeln auf den glücklichen Gesichtern der Übernehmer - all das ließ uns die Müdigkeit vergessen und stimmte uns froh. Viele, nein fast alle Übernehmer waren nicht nur glücklich, sondern dankten uns das wir ihnen ihre Lieblinge gebracht hatten, beschenkten uns teilweise mit Süßigkeiten und Getränken für die Fahrt oder warteten mit Kaffe auf uns und plötzlich war ich, wie auch die anderen, ein Pfotenengel, obwohl ich mich gar nicht so fühlte, denn ich war einfach nur über jede Seele froh die gerettet werden konnte und nun einem liebevollen Leben entgegen sah ohne Leid, Kälte und Hunger. Dafür verzichtete ich gerne auf Schlaf und Bequemlichkeit und opfere meine Zeit und Urlaub.
Besonders freute es mich Claudia Trageser zu treffen welche überraschend, zumindest für mich, eine Übernehmerin begleitete. Bei diesem Halt wurde unter anderem auch Füles übergeben, welcher sich wie selbstverständlich zwischen uns stellte und der leckeren Geflügelwurst nicht abgeneigt war. Dieser Hund erstaunte mich zutiefst und es war für mich eine besondere Freude ihn ein Stück seines Weges begleiten zu dürfen.
Immer wieder sahen wir auch nach den anderen Hunden und boten immer wieder Wasser und Futter an - die meisten wollten allerdings nicht. Auch räumten wir bei jedem Stopp die beschmutzten Unterlagen aus den Boxen - trotzdem herrschte im Transporter ein besonderer Geruch der sich uns für immer ins Gedächtnis eingegraben hat und der wohl süchtig macht, denn jeder von uns würde und wird all dies wieder auf sich nehmen um zu helfen.
Wir waren glücklich ob all dieser herrlichen Übergaben und all dem was wir erreicht und geschafft hatten bis Kirchheim. Auch hier waren es traumhafte Übergaben mit sehr netten Übernehmern und Hunden welche uns völlig mit ihrem Verhalten überraschten, aber hier entdeckten wir auf einem unserer Kontrollchecks das es dem kleinen Kaktusz nicht gut geht und er unterkühlt ist.
Wir telefonierten mit unserer Ärztin im Team und das einzige was uns blieb war so schnell als möglich nach Kassel zu fahren, denn von dort sollte dann das kleine Wuschelchen mit dem Mann einer Kollegin von uns und seinen Übernehmern in die Tierklinik um sein Leben zu retten. Der kleine Kaktusz lag am Herzen meiner Kollegin Anja um ihn zu wärmen, während ich so schnell fuhr wie ich es nur verantworten konnte mit unserer Fracht, Christine telefonierte und versuchte alles in die Wege zu leiten.
In Kassel angekommen übergab ein Teil von uns die Hunde ihren glücklichen Übernehmern und der andere Teil kümmerte sich um den kleinen Kaktusz und stieß danach zu uns um uns zu unterstützen. Uns allen war die Kehle wie zugeschnürt, wir machten weiter und bibberten und beteten um den kleinen Kerl, als wäre er einer unserer eigenen Hunde. Nachdem die Übernehmer weg waren und ich auf Klo ging kaufte ich meiner Tochter einen kleinen schwarzen Wuschelhund dort als Andenken da er mich so an Kaktusz erinnerte, umklammerte dieses kleine Stoffwesen und betete - leider half das alles nichts mehr. Wenig später kam die Nachricht das es keine Hilfe mehr für ihn gab und man ihn erlösen musste. Das gespannte hoffungsvolle Warten wurde damit enttäuscht und wir brachen alle in Tränen der Verzweiflung aus und keiner von uns wird Kaktusz je vergessen – der Supergau eines jeden Transportes war eingetreten, wir hatten einen von uns verloren.
Unser tiefstes Mitgefühl haben seine Übernehmer für die dies die Hölle gewesen sein muss.
Danach fühlte ich nur noch Leere und mich ausgebrannt - wie gut das unsere Kollegen des Ungarn-Teams uns mit frischen Fahrern versorgt hatten und nun keiner von uns mehr fahren brauchte.
Danach funktionierte ich irgendwie nur noch und versuchte bei den weiteren Übergaben möglichst den Gedanken an Kaktusz zur Seite zu schieben und mich nur auf den Augenblick zu konzentrieren.
Ab Allertal fand wieder ein Fahrerwechsel statt - Elke und Rosie übernahmen und Regina mit Freunden fuhr wieder zurück nach Kassel.
Ich möchte mich bei Euch noch mal bedanken für diesen Luxus den Ihr uns damit bereitet habt und Euren Männern und Freunden das sie all dies mitmachten um uns zu unterstützen.
Meine Endstation war dann Harburg wo ich Vanda, Toffee (Flórian), Tessa (Pety) und Nicol (Paula) nun in meiner Nähe weiß.
Hier wurde ich dann abgeholt und durfte nach Hause.
Mich hat diese Tour verändert, mir Realitäten gezeigt welche unfassbar sind und welche man nicht wahrhaben möchte, mich gelehrt wie gut es doch ein jeder von uns hat und wie weit und beschwerlich der Weg noch ist der vor uns liegt. Ich verstehe vieles besser welches ich vorher nicht einordnen konnte und werde nicht aufhören um eine bessere Zukunft für die Tiere zu kämpfen, auch wenn es nur ein Tropfen auf dem heißen Stein ist. Ich weiß das jeder noch so winzig erscheinende Beitrag das große Ganze stützt und trägt und das der Ersatzfahrer genauso wichtig ist wie der Fahrer oder die Ablösung, das es ohne das alle zusammenhalten nicht funktioniert und das in Rumänien die Zeit von vor 100 Jahren sich mit der Moderne mischt und deshalb völlig anders tickt.
Ich danke meinen Team-Kolleginnen dafür das wir zusammen lachen und weinen konnten, uns immer versucht haben zu helfen, selbst wenn wir anderer Meinung waren, uns gegenseitig gestützt haben und füreinander da waren, den Mut nicht verloren und zusammen über Grenzen gingen, das jeder jeden trug und wir uns aufeinander verlassen konnten. Es hat Spaß gemacht mit Euch - Ihr seid toll und ich würde jederzeit wieder mit Euch in dieses Abenteuer starten.
Danke an all die Übernehmer und Spender, die es uns überhaupt ermöglichen helfen zu können und die uns immer mit einem strahlendem Lächeln erwarteten egal zu welcher Uhrzeit.
Danke Euch allen!
Liebe Grüße
Ina














