Tierheim in der Ukraine
Ein Tierheim bittet um Hilfe
Ein Bericht von „ Namenlos- Tierhilfe kennt keine Grenzen“i.Gr. vom 07.05. – 10.05.2008 über die Zustände aus der Westukraine und Lviv. Wir bekamen von unserem Arbeitspartner Herrn Gnat einen Hilferuf aus der Ukraine, er brauche dringend unsere Unterstützung, sowie die Menschen, die sich um herrenlose Hunde und Katzen kümmern.
Nach einer kurzen Planungsphase fuhren wir zu fünft los. Wir wollten uns vor Ort alles ansehen, um unsere Hilfe dann miteinander abzustimmen. Lviv ist die Hauptstadt der Westukraine, hat 2,5 Millionen Einwohner, einige Universitäten und ca. 12.000 Straßenhunde, die das Straßenbild der großen, lärmenden Stadt mitbestimmen.
Die meisten der Hunde in den Randbezirken und auf dem Lande fristen ihr Leben an einer Kette und dem dazugehörigen Hundehäuschen. Fast jedes Gehöft hat einen Kettenhund. Viele dieser Hunde drehen sich beständig im Kreis, wirken hospitalisiert oder apathisch. Wenn wir die Kette bei Menschen ansprechen, ernten wir verständnislose Blicke, denn es war schon immer so, sagen sie. „ Es ist doch nur ein Hund“.
Das soziale Gleichgewicht ist in der Ukraine aus den Fugen geraten. Der Verdienst eines Arbeiters liegt bei 400 Griwen, umgerechnet ca 50,-Euro. Ein Kilo Schweinefleisch kostet ca. 7,- Euro. Was soll ich den Menschen raten, wenn es um den Tierschutz und die Straßenhunde geht? Sie selber haben nicht genug zum Essen.
Aber Menschlichkeit und Tierleid stehen eng nebeneinander. Die Menschen sind oft unglücklich über ihre Umgangsweise mit Tieren, haben aber nicht den Mut und die Kraft, etwas dagegen zu unternehmen. Hier kann unser Tierschutzverein ansetzen und Hilfestellung geben. Am nächsten Tag suchen wir das einzige Tierheim in der Westukraine.
Die Menschen haben davon gehört, aber keiner kennt die Adresse. Sie wollen uns nichts sagen. Einen halben Tag suchen wir und finden es dann. Zu Anfang dachte ich, ich bin in einem Urwald. Schiefe oder gefallene Bäume neben einem Armeegelände. Dann ein Schild, übersetzt Barmherzigkeit e.V.. Lautes Hundegebell, drei große freie Hunde vor dem Gelände.
Das Gebäude sieht aus, als wenn es dort gebrannt hätte. Provisorische Bretterbaracken, überall Hunde an Ketten, freilaufende Hunde, kranke Hunde. Sogar oben aus den Fenstern des Hauses schauen uns Hunde an.
Zwei junge Frauen kommen vor das Tor und begrüßen uns. Nach kurzer Vorstellung gehen wir mit ihnen auf das Tierheimgelände. Durch den Hilferuf von Igor waren wir vorbereitet, dass dieses Tierheim nicht unseren deutschen Vorstellungen entspricht. Jetzt standen mir die Tränen in den Augen. Darauf war ich nicht vorbereitet.
Mindestens 40 Hunde wuselten um meine Beine und bettelten um Streicheleinheiten, alle Größen so bis 45 cm hoch. Ein paar leere Trinknäpfe standen in einem unsortierten und verwahrlosten Tierheimgelände, überall lagen leere Futterbüchsen rum und Müll in jeder Ecke. Die Hundehütten standen wahllos im Gelände und die größeren Hunde lagen angekettet davor.
Alte und ungepflegte Hunde mitten im Dreck. Mir blutete das Herz. Keiner der Hunde war aggressiv zu uns, eher schüchtern. Die jungen Frauen zeigen uns das Gelände.
Entsetzt sehe ich aufgestapelte Knochen hinter dem Zaun des Tierheimes und frage die Frauen danach. Sie sagen, sie können diese Knochen nur abkochen und später verbrennen, sonst gäbe es eine Beißerei unter den Hunden.
Mir fallen kleine Käfige auf dem Erdboden auf. In allen sitzen Hunde eingezwängt, ohne Wasser. Sie nennen diese Käfige Quarantänekäfige für die Neuankömmlinge. Wieder muss ich mit meinen Tränen kämpfen, aber ich will ja stark sein.
In einem gemauerten Stall fallen mir zwei kleine Hunde hinter dem Gitter auf, die kläglich fast weinen und sich im Gitter festkrallen. Ich sehe in das dunkle innere des Raumes und sehe nur Dreck, leere Hundebüchsen, Hundekot und Müll. Hier leben die Beiden, dürfen nicht raus, weil sie von anderen gemobbt werden.
Mir scheint, dieser Raum ist mit Sicherheit schon lange nicht mehr betreten worden. Die Hundebüchsen werden durch das Gitter geworfen.
Ein kleiner Hund auf drei Beinen begleitet mich die ganze Zeit. Er scheint mir sagen zu wollen, sieh Dir mal meine Pfote an, die tut mir weh. In diesem Moment beschließe ich in meinem Inneren, hier müssen wir etwas tun, wir müssen helfen. Ich fixiere mich sofort auf den 30.06.08, dann kommen wir wieder.
Hier müssen Zäune gezogen werden, damit die Hunde von den Ketten kommen. Es fehlen Hundehütten und eine Überdachung für den Quarantänebereich pp..
Jetzt wollen die jungen Frauen uns noch die Hundeküche zeigen. Wir gehen in einen Bretterverschlag und mir verschlägt es die Sprache. Auf einem“ Metallofen“ kocht Weizenkleie mit Wasser. Zum Abkühlen wird es in zwei daneben stehende Badewannen geschöpft. Ein paar kleine Fische werden nachgeworfen.
Auch hier wieder Müll und Dreck überall auf dem Boden. Mir wird schlecht. Ich kann das nicht mehr verkraften. Will jetzt nur noch raus und in Ruhe überlegen.
In das Hauptgebäude gehen wir nicht mehr, da es genau so aussehen wird, voller Hundeelend, Müll und Dreck. Es ist einfach schrecklich dies alles zu sehen und nicht spontan helfen zu können. Wir verabreden uns für den nächsten Tag, um gemeinsam die Tötungsstation zu besichtigen. Wir lassen Spendengelder da.
Tauschen Telefonnummern und versprechen, am 30.06. mit Helfern wieder zu kommen. Danach setzen wir uns erneut mit dem Bürgermeister von Brody in Verbindung und er verspricht mir, die Ansprechpartner für die Tötungsstation für morgen zu bestellen.
Bericht über die Tötung in Lviv
Am nächsten Tag sitzen uns zwei sehr nervöse Tierärzte gegenüber. Sie sind seit Januar 2008 für diese Station zuständig.
Sie erzählen uns die Geschichte...
Seit 40 Jahren tötete eine einzelne Frau mit ihren Mitarbeitern täglich Hunde in dieser Tötungsstation. Es gab fünf Hundefängerautos. Die Mitarbeiter häuteten die Tiere ab, entfernten das Fett (Seife) und das Fleisch von den Knochen (Knochenmehl für Dünger). Das Fleisch kam auf große Transporter und niemand weiß, wohin es gelangte.
Die Tierfelle wurden ordentlich präpariert und aufeinander gestapelt. Als sich die Tore Ende November 2008 in der Tötungsstation öffneten, fand man noch die gestapelten Tierfelle vor nur kurze Zeit berichtete die Presse darüber. Bis zu dieser Zeit wurden die Hunde mit 380 Volt getötet. Der Stromkasten ist auf einem Bild zu sehen.
Auch der Stein zum Häuten und das Gerüst zum Hängen. Auf dem Gelände war es sehr still. Nur 3 Kettenhunde bellten uns an. Einer davon hatte eine gebrochene Hinterpfote. Die Stadtverwaltung in Lviv übernahm ab 2008 die Führung der Tötungsstation. Zwei Tierärzte überwachen dies. Sonst gibt es wahrscheinlich die gleichen Mitarbeiter, die zu unserem Zeitpunkt nicht anwesend waren.
Beim Durchgehen, auch zu den Tötungszwingern, hatte ich nicht das Gefühl, das die an uns gemachten Angaben stimmen. Wir waren leider angemeldet. Alles war sauber ausgespritzt, die eingesperrten Hunde hatten gutes Futter und Wasser. Ich fand keine Hinweise zu durchgeführten Injektionstötungen. Vielmehr war der Stromkasten nicht abgeklemmt, also noch aktiv.
Die kleineren Hunde saßen in den Käfigen, zu zweit, zu dritt und die großen toten Hunde befanden sich in den Müllcontainern am Gebäude. Das war ein Ort des Todes, ich bekam eine Gänsehaut. Die Hundeaugen in den Käfigen haben sich in mein Gedächtnis gebrannt. Die geschundenen Tiere warten bis zu 5 Tagen auf ihren Tod in den Käfigen.
Das bezahlt die Stadt, mehr nicht. Die zwei jungen Frauen kamen noch hinzu, da sie selber noch Hunde rausholen wollten. Auch hier bekommen sie lediglich die 5 Tage bezahlt. Ich frage besorgt, wo sie die Hunde noch bei sich unterbringen wollen. Wir besprechen die gemeinsame Zusammenarbeit, auch innerhalb der Vermittlung.
Wir wissen, wir müssen hier helfen, helfen bei Allem, auch bei politischem Druck gegenüber den Verwaltungen und der Hilfe für dieses Tierheim. Es sind 7 engagierte ehrenamtliche Tierschützer, die dringend Hilfe und Unterstützung brauchen.
Bitte helfen Sie den Hunden aus der Westukraine.
Verfasst am 13.05.08 von Uta Ludwig Vorstandsvorsitzende
Namenlos- Tierhilfe kennt keine Grenzen e.V. i.Gr.
Unsere Erreichbarkeit:
Der Vorstand des Vereins „Namenlos – Tierhilfe kennt keine Grenzen“ i.G
Uta Ludwig Zwingerweg 8 15328 Reitwein Tel.: 033601-3161
E-Mail: utaludwig(ät)aol.com
Dietmar Müller Tel.: 033479-4225
E-Mail: muellerdu(ät)freenet.de
Steffen Utz Tel.: 0172-3666681
E-Mail: sutz(ät)enviatel.net
Bankverbindung:
Raiffeisen – Volksbank Oder – Spree eG Kontonr: 1138189 BLZ: 17062428 Bei Geldspenden für die Hunde aus der Ukraine bitte Kennwort: Ukraine 08
Sachspenden können an die oben genannten Adresse abgeben werden, oder aber dorthin versandt werden.
Unser Verein betreibt noch keine Homepage, diese wird ca. Ende Mai 2008 fertig gestellt sein und dann unter der Domain
erreichbar sein.
Den Reisebericht können Sie hier als PDF Datei runterladen.
Hier der Link zur Homepage des Tierheimes.
Danke für Ihre Hilfe
Uta Ludwig
























