Die Geschichte von Bobby
Sie begann bereits vor der Zeit, als wir ihn kennenlernen durften und uns ist nicht allzu vieles darüber bekannt.
Wir wissen nur, dass Bobby und Lola die Eltern von Tara, Tilly, Bruno und Bessy sind und die gesamte Hundefamilie am 14.12.2023, also ziemlich genau vor zwei Jahren, ins Tierschutz-Zentrum einzog. Damals hieß es, dass der Besitzer verstorben sei und seine Witwe sich nicht ausreichend um die sechs Hunde kümmern könne und um Hilfe gebeten hatte.
Wir sahen an diesem Tag sechs sehr verängstigte Wesen vor uns, die versuchten sich gemeinsam in einer Hundehütte zu verstecken.
Bobby und Lola wurden damals auf ca. 5 bzw. knapp 1 ½ Jahre geschätzt und ihr Nachwuchs auf etwa 10 Monate.
Da waren sie nun, so verloren und so voller Angst. Sie kannten rein gar nichts und wollten es auch dabei belassen. Wir Menschen waren gruselig und die Familie hatte bereits beschlossen, sich lieber aneinander zu orientieren.
Lola, und Bruno knickten als erstes ein und nahmen in den Monaten nach ihrer Ankunft vorsichtig Kontakt zu ihren Pflegern auf. Tilly und Tara machten es ihnen schön langsam nach, nur Bessy und Bobby verweigerten noch jegliche Kontaktaufnahme.
In der ersten Zeit teilten sie sich noch zu sechst ein Waldgehege, um sich einzugewöhnen im Alltag des Tierheims. Doch irgendwann kommt für jede Familie der Zeitpunkt, an dem der Nachwuchs flügge wird. Die Jungspunde wurden in verschiedene Hundegruppen integriert und profitierten alle davon. Sie tauten peu a peu auf und öffneten sich der Menschenwelt.
Auch Lola zog um und freundete sich mit Ficko und Zila an. Und auch sie entdeckte nun, dass man sich vor den Menschen nicht fürchten muss und es sich in aller Regel für einen lohnt, wenn man mutig ist und sich auf sein Pflegepersonal einlässt.
Bessy bekam ein Intensivtraining verordnet und kroch auch aus ihrem Schneckenhaus heraus.
Doch da war noch Bobby. Er ist ein ausgesprochen ruhiger Hundemann, der voller Misstrauen und Argwohn uns Menschen gegenüber steckt.
Er benötigte einen langen Zeitraum, um zu verstehen, dass die Welt nicht nur aus ihm und anderen Hunden bestehen muss. In diesem Sommer wollten wir ihn aus seinem Fellpanzer befreien, doch wie soll man einen Hund in Narkose legen der keinen an sich heranlässt?
Bobby reagierte zu keinem Zeitpunkt mit Aggressionen, nein, er entzog sich einfach. Erst mithilfe eines Blasrohres und da auch erst im zweiten Versuch gelang es uns Bobby vorübergehend ins Reich der Träume zu schicken.
Zahlreiche Hände machten sich sogleich ans Werk, um Bobby zu scheren, seine Krallen zu kürzen, den Zahnstein zu entfernen, ihn zu impfen und seine Öhrchen zu spülen und zu säubern. Nachdem er rundum erneuert war, legten wir ihn vorsichtig, noch schlafend, zurück in sein Gehege und ließen ihn in Ruhe aufwachen. Livi, die zu diesem Zeitpunkt mit ihm zusammenlebte, musste für einen Tag umziehen, damit Bobby ohne Störung wieder zu sich kommen konnte.
An diesem Tag erhielt er von einer der Helferinnen das Versprechen, dass er später ein zu Hause erhalten würde, wenn ein Platz bei ihr frei würde.
Tilly fand in diesem Jahr ihren Platz, ebenso wie Lola, die erst vor Kurzem reisen durfte. Auch Bessy hat es geschafft und wird das Tierschutz-Zentrum demnächst verlassen.
Bruno und Tara haben sich zu kontaktfreudigen Hunden entwickelt, die noch ein zu Hause suchen und Bobby, nun der lebte so vor sich hin.
Die Pflegeaktion im Sommer hat ihm sehr gutgetan und er vermittelte einem das Gefühl, dass er sich deutlich wohler in seiner Haut fühlen würde.
Inzwischen, nach fast 2 Jahren im Tierschutz-Zentrum, kommt er einem entgegen, denn für ein Leckerchen ist er stets zu haben.
Und dann geschah das Wunder. Es meldeten sich Übernehmer, die der PHU bereits bekannt waren und fragten an ob sie Luna (eine Junghündin aus der Rettungsaktion bei Elizabeta) und Bobby ein zu Hause schenken dürften.
Gleich nach den ersten Gesprächen wurden Luna und Bobby aneinander gewöhnt und mit beiden Hunden ein Verhaltenstraining aufgenommen. Zu unserem Glück unterstützt uns eine fachlich ausgebildete Dame in Ungarn, die in diesem Jahr bereits mehrfach geholfen hat Hunde auf ihre Ausreise vorzubereiten.
Luna ist im November in ihrem neuen zu Hause angekommen und darf sich dort schon mal umsehen, bis Bobby in zwei Wochen nachkommen wird.
Bobby, der Hund, der zwei Jahre benötigte, um sich für ein Leben mit uns Menschen zu entscheiden.
Bobbys Geschichte berührt uns alle sehr, denn sie zeigt was man mit Geduld und einem unerschütterlichen Willen erreichen kann.
Für manche mag Bobby nur ein Hund unter all den anderen sein, doch für uns ist er ein weiterer Meilenstein in unserem Bestreben Tierschutz zu betreiben.
Mach es gut Bobby und hab ein langes und schönes Leben mit Luna bei deinen neuen Menschen, die Dich ebenso lieben werden, wie wir es tun.







