Familie Weber und Bonnie
Meine Geschichte mit Bonnie beginnt eigentlich mit einem sehr traurigen Ereignis. Im Herbst 2008 starb meine Katze Luzie und obwohl mein Mann und ich der Ansicht waren, dass nicht sofort wieder eine Katze bei uns einziehen sollte, begann ich nach einiger Zeit (mehr oder weniger heimlich) die Seiten von Tierschutzorgas nach einer Katze zu durchsuchen.
Irgendwann spätabends stiess ich auf einen link „=> hier geht es zu den Welpen der Pfotenhilfe Ungarn“.
Warum auch immer, ich klickte ihn an. Ich suchte keinen Hund, ein zweiter Hund war bei uns kein Thema. Trotzdem blätterte ich die Seite durch- und dann sah ich sie. Ein kleiner Welpe, kein Name, nur eine Nummer, weiß, mit einem schwarzen Auge und einem schwarzen Ohr, irgendwie schloss ich sie sofort ins Herz.
Ich klickte ihren Text an. Schluck. Sie wurde auf der Strasse gefunden, nachdem Kinder mit ihr Fussball gespielt hatten (sie war der Ball), bis endlich jemand das Tierheim anrief und sie dort abgeholt wurde. Ich war völlig fassungslos.
Obwohl fast alle meine Tiere immer aus dem Tierheim stammten, hatte ich mich mit Tierschutz bisher wenig beschäftigt, mit dem Auslandstierschutz schon gar nicht.
In den nächsten Tagen kehrte ich immer wieder auf die Seite der Pfotenhilfe Ungarn zurück. Ich glaube, ich habe sie von vorne bis hinten gelesen. Und immer wieder fiel mein Blick auf diesen kleinen Welpen.
Es hat ein paar Tage gedauert, bis ich soweit war, der Vermittlerin eine Email zu schicken. Ich hatte so viele Fragen. Tausend. Gespannt wartete ich auf Antwort, die auch ziemlich schnell kam. Die kleine Hündin sei so gut wie vermittelt, nur das „reserviert“ fehlte noch. Hmmm, schade. Aber wir wollten ja sowieso keinen Hund.
Immer wieder rief ich die Seite der Pfotenhilfe auf. Und- unter uns Frauen- ich glaube, ich brauche niemandem zu erzählen, wie oft ich heulend vor dem Bildschirm saß.
Und immer wieder besuchte ich die Anzeige des Welpen, der es mir so angetan hatte. Nach ein paar Tagen hatte sie einen Namen bekommen- Bärbel- und auch das reserviert. Trotzdem „sah“ ich jeden Tag nach ihr. Eines Abends traute ich meinen Augen kaum: Das „reserviert“ hinter ihrem Namen fehlte. Sofort schrieb ich der Vermittlerin eine Email, falls „Bärbel“ wieder zur Vermittlung stehen würde, wäre es sehr nett, wenn sie mich noch einmal kontaktieren würde. Am nächsten Tag kam die Antwort, tatsächlich, „Bärbel“ war abgesagt worden, weil die zukünftigen Übernehmer in der Zwischenzeit zum Pflegestellenversager geworden waren.
In den nächsten Tagen ging alles relativ schnell, Telefonate mit der Vermittlerin folgten, ich wurde endlich meine 1000 Fragen los, auch meinem Mann hatte ich mittlerweile gebeichtet, dass ich mich in einen Hund verliebt hatte (wir hatten ja nur ausgemacht, dass nicht sofort wieder eine KATZE einziehen sollte!) und voller Nervosität sah ich meiner ersten Vorkontrolle entgegen.
Noch am Abend nach der VK rief die Vermittlerin an- wir hatten bestanden und Bärbel, die bei uns Bonnie heißen sollte, durfte bei uns einziehen!
Die Wochen bis zum Transport vergingen nur langsam. In der Zwischenzeit erzählte ich jedem, der es hören wollte oder auch nicht, dass ich einen Welpen bekomme.
Am Transportwochenende musste mein Mann natürlich arbeiten, zum Glück erklärte sich meine Freundin bereit, sich mit mir die Nacht um die Ohren zu schlagen und Bonnie abzuholen. Mit Margit, meiner VK, hatte ich vereinbart, dass wir zuerst zu ihr fahren würden und dann zusammen zum Treffpunkt am Rastplatz. Endlich war es soweit, der Transportsamstag brach an! Die Transportliste hatte ich vor Tagen schon bekommen, der Transport sollte mitten in der Nacht am Übergabeort ankommen. Abends noch mal mit Margit telefoniert, Transport hat Verspätung, alles easy. Beruhigt gab ich meiner Freundin die neue Ankunftszeit durch, in aller Ruhe ging ich ins Bett und stellte mir den Wecker. Tja, soviel zur Theorie.
Mitten in der Nacht dann der Anruf: Sie kommen früher, wir müssen sofort losfahren! Leichte Panik brach aus.
Es war eine Höllenfahrt. Regen, dunkel, unbekannte Strecke, ich war mehr als froh, als wir heil in Kirchheim ankamen. Endlich kamen die Transporter in Sicht!
Und dann ging alles irgendwie furchtbar schnell und ich hatte ein kleines, weisses, zappelndes Bündel auf dem Arm. Schnell noch ein Bild gemacht- und schon waren die Transporter wieder auf der Weiterfahrt.
Auf der Heimfahrt fuhr meine Freundin, Bonnie durfte auf meinem Schoß fahren und es dauerte gar nicht lange, bis sie aufhörte zu zittern und am liebsten im Auto rumgekrabbelt wäre. Bis wir zu Hause waren, war es schon wieder hell. Schnell holte ich Jacky, unseren Rüden, aus dem Haus, Bonnie hatte ich auf dem Arm, als wir ein Stück weit im Feld waren setzte ich sie runter, damit Jacky sie kennen lernen konnte.
Er guckte zwar ein wenig erstaunt (wahrscheinlich hatte er noch nie so einen stinkenden Hund gesehen!), aber sonst gab es mit den beiden keine Probleme. (Ausser, als Bonnie versuchte, zu ihm ins Körbchen zu kriechen, das fand er gar nicht lustig.)Er hat sich aber dann doch noch zum Kuscheln überreden lassen.
Sehr erleichtert war ich, als Bonnie auch mit meinen Kindern kein Problem hatte, das war aufgrund ihrer Vorgeschichte eigentlich das einzige gewesen, wo ich mit Schwierigkeiten gerechnet hatte.
Nach ein paar Wochen stellten wir fest, dass Bonnie Angst vor anderen Hunden hatte. Sah sie einen auf sich zukommen, wäre sie am liebsten bis ans Ende der Welt geflüchtet. Aber durch viele Begegnungen (ausnahmsweise an der Leine) mit netten Hunden hat sich auch dieses Problem gegeben. Komischerweise hat sie dieses Problem mit Jacky nie gehabt, ihm hat sie sofort vertraut.
Das alles ist jetzt über vier Jahre her- die Pfotenhilfe Ungarn hat mich nicht losgelassen. Mittlerweile ist auch schon der eine oder andere Pflegehund hier ein- und wieder ausgezogen und Bonnie ist mein Kümmerhund. Sie spielt mit den Pflegis, kuschelt mit ihnen und bringt ihnen bei, wo die Mülltonnen stehen (und noch jede Menge andere, völlig wichtige Dinge!)
Alles in allem glaube ich, dass sie sich hier ziemlich sauwohl fühlt.










