Mit dem Herzen sehen
Mit dem Herzen sehen — Live aus Ungarn, Aufenthalt Juni 2014
Der Himmel ist strahlend blau, kein Lüftchen geht und es herrscht irgendwie eine angenehme Stille…
Selten haben wir wirklich Zeit, diese Momente zu erleben und sie auch in uns aufzunehmen, manches Mal aber gelingt es und dieses Mal möchten wir Sie mitnehmen auf unsere Beobachtungs-Reise durchs Tierheim.
In einem der vorderen Gehege lebt Hana zusammen mit Noe und Arvacska. Arvacska hatte zu diesem Zeitpunkt, als wir uns auf Beobachten einließen noch keine Ahnung davon, dass ihre Tage im Tierheim gezählt waren, denn sie durfte mit uns mitreisen.
Hana, eine unscheinbar wirkende Hündin, zurück gezogen aber mit einem ausdrucksvollen Blick. Was sagt er uns? Hoffnung? Trauer? Angst? Nun, von allem ein bisschen… warum wohl hat sich bisher niemand für sie interessiert????
Und Noe ist genau das Gegenteil von Hana, er ist ungestüm, gut drauf, lustig und kann sich gar nicht beruhigen, wenn man zu ihm geht! Er tut der sanften Hana gut, denn er reist sie ganz oft aus ihrem „vor sich hin harren“ heraus.
Gustav machte einen sehr souveränen Eindruck, er kennt die täglichen Abläufe und seine Haltung strahlt etwas Desinteresse uns Menschen gegenüber aus.
Helga dagegen ist eine sehr offene Hündin, die dank Menschengemachter Listen im falschen Fell geboren zu sein scheint und dadurch minimalisieren sich ihre Vermittlungschancen sehr …
Ja und der große Tökfej ist der eigentliche Herr dieses Geheges. Er scheint die Menschen nicht wirklich zu mögen oder zu brauchen, aber sein Interesse an uns wird von Mal zu Mal größer, denn er schaut es sich von den anderen ab die immer sofort ans Gitter kommen.
Eigentlich gibt es ja für jeden Topf seinen Deckel, eigentlich… und bestimmt gibt es auch irgendwo da draußen in der großen Welt Menschen die genau ihn gehändelt bekommen würden, deren Umfeld stimmt und die für Tökfej die große Veränderung seines Lebens bedeuten würden…nur wie und wann finden wir diese?
Nebenan ist uns Zoe aufgefallen, eine hübsche, mittelgroße Hundedame, die genau weiß was sie will und auch genau weiß was ihr fehlt: Bewegung und Laufen, Rennen und über Wiesen jagen… mit starken und erfahrenen Menschen an ihrer Seite!
An ihrer Seite lebt Lucifer! Groß, schwarz, bildhübsch und war lange Zeit nicht vermittelbar. Dies hat sich jedoch geändert, denn Lucifer gibt alles, wirklich alles um entdeckt zu werden, um zu zeigen, dass er sich geändert hat und seine Chance ergreifen will.
Die Temperaturen steigen während unserer Beobachtungen immer mehr an, die Sonne brennt erbarmungslos auf uns nieder und wir machen es den Hunden nach und bewegen uns nur noch sehr langsam.
Alles ist still, eine friedliche Ruhe liegt über der Anlage. Gegenüber vom großen Gehege sind uns direkt vier der dort lebenden Hunde aufgefallen.
Tarzan, ein kleiner hübscher Hüpfer mit großen Ohren und einer großen Neugierde. Er springt und wackelt und man kann sich kaum vorstellen, dass Tarzan bisher als zurzeit nicht zu vermitteln galt.
Er hat sich wirklich gut entwickelt, allerdings suchen wir noch immer Menschen, die behutsam und deutlich mit ihm umgehen, denn manches Mal erschrickt er noch über seinen eigenen Mut und in solchen Situationen kann es sein, dass er mal eben Zähnchen zeigt.
Dean ist Tarzans neuer Freund geworden, die beiden haben zusammen eine Menge Spaß und Dean ist ein bildhübscher Wuschel. Unverständlich, dass er noch kein Ausreiseticket bekommen hat.
Und dann, dann haben wir uns sehr gefreut, Mister Sanyi Ur zu sehen und zu besuchen.
Sanyi ist von einer der hinteren Anlagen nach vorne umgezogen und Sanyi Ur strahlte eine große Ruhe aus! Ein souveräner älterer Hund, der auftaut, wenn man behutsam mit ihm umgeht.
Wie sehr würden wir uns freuen, Sanyi Ur endlich ausreisen lassen zu dürfen.
Sein Bild hat uns alle sehr erfreut, denn er zeigte in seiner ganzen Haltung endlich einmal eine aufrechte Körperhaltung und signalisierte so seine zurückerlangte Würde. Wenn man Sanyi Ur kennt, dann darf man auch Momente erleben in denen er ein kleiner Clown ist und richtig Spaß hat.
Die Stille wird bei diesem Gehege dann durch das aufgeregte und heisere Gebell von Hannibal unterbrochen, er ist der Vierte im Bunde, ein kleiner, blonder Racker der denkt, er müsse sich, alle anderen und sein Gehege mit Dauerbellen verteidigen…
Leider ist Hannibal aufgrund seines Verhaltens, welches denn neben dem Bellen auch mal zuschnappend sein kann, zurzeit nicht zu vermitteln, aber auch für ihn geben wir die Hoffnung nicht auf, dass die Zeit und die Geduld unserer Kollegen vor Ort, Hannibal`s Verhalten ändern wird.
Dann fällt unser Blick auf ein Gehege im mittleren Bereich, dort lebt Bodo, ein zurzeit nicht vermittelbarer Hund, der mit uns Menschen nichts am Hut zu haben scheint.
Bodo schaut oft sehr wild aus, ein Puli mit Rastafari-Look, der sich mit der Tierheimsituation gut arrangiert hat und irgendwie Frieden mit sich und der Welt zu haben scheint, auch wenn wir Menschen denken, dass ihm unbedingt geholfen werden müsse.
Sicher bleiben wir bei ihm auch am Ball, besuchen ihn immer wieder und wenn es einmal wirklich Interessenten für ihn gäbe, dann sollte Bodo die Chance bekommen, dass man mit ihm intensiv arbeitet.
Als wir nach rechts laufen sehen wir schon von weitem Ipoly tanzen. Trotz der Hitze freut er sich wie immer, wenn er Menschen sieht und ist so gut drauf, als wäre unser Besuch nun das absolut Größte für ihn.
Natürlich bleibe ich bei ihm „hängen“ und verbringe eine Weile mit Streicheleinheit und Aufmerksamkeit für Ipoly, später nimmt er sogar ein ausgiebiges Bad im Auslauf :-))
In etlichen Zwingern neben ihm sind ganz viele der nicht zu vermittelnden Hunde untergebracht und sie alle schauen einen sehnsüchtig an, kommen an die Gitter und wollen gestreichelt werden.
Die sogenannten Listenhunde sind alle super freundlich zu uns Menschen und sie haben alle ein Lachen im Gesicht. Wenn man sie beobachtet, dann ist das schon eine sehr skurrile Situation, denn selber überkommt einen genau an diesen Zwingern eine große Traurigkeit und eine Schwere macht sich in einem breit, möchte man ihnen doch so gerne ihre Situation verbessern, ein Heim für sie finden und ihnen seine Aufmerksamkeit schenken - und sie, sie strahlen Hoffnungslosigkeit und Freude gleichzeitig aus.
Für mich sind die „Unsichtbaren“ ganz besondere Hunde, denn es ist einfach eine Schande, das wieder Menschen dafür verantwortlich sind, dass diese Lebewesen in Kategorien gepackt werden und als Hunde zweiter Klasse behandelt werden...
Mit dem Resultat müssen die Hunde zurechtkommen und die, die sich um sie kümmern, sich ihrer annehmen…
Und wieder steigt Trauer und auch Wut in einem auf und dann schaffen es diese Seelen mit ihrem Verhalten und mit ihrem Blick, uns ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern und es kommt in mir der Gedanke auf, dass es ein Privileg ist, hier zu stehen und mit ihnen Zeit zu verbringen, welches denen, die nur urteilen und beschließen, nie widerfahren wird!
Magda ist das Maskottchen unserer nicht zu vermittelnden Hunde und Magda ist eine Seele von einem Hund! Kein Wort kann beschreiben, was Magda in einem auslöst und was ihr Blick zu sagen möchte!
Die Mittagshitze hat scheinbar ihren Höhepunkt erreicht und viele der Hunde haben sich Kuhlen gegraben oder liegen in ihren Hütten um der sengenden Sonne zu entkommen. Mache liegen im Sand auf Schattenplätzen und nur wenige genießen ein Sonnenbad auf dem Dach ihrer Hütte oder einfach mitten im Gehege.
Gegenüber liegt Mörfi faul im Schatten und kommt dann aber doch von der Neugierde übermannt ans Gitter und guckt, was wir wohl wollen.
Balu, der im selben Gehege untergebracht ist bringt sich neben Mörfi fast um vor Freude und er hüpft wie ein Flummi auf und ab und bringt uns zum Lachen.
Weiter um die Ecke liegt Astor im Schatten und als er uns erkennt, springt er jedoch freudig auf um Ansprache zu bekommen. Könnte er sprechen würde er bestimmt sagen: „ schön, dass ihr wieder hier seit, ich freue mich, aber wann darf ich endlich auch mit euch mit?“
Astor wartet seit unglaublichen fünf Jahren im Tierheim und es gab bis heute noch nie auch nur eine einzige Anfrage für ihn. Dieses Wissen macht uns bei aller Freude ihn zu sehen und später auch mit ihm spazieren zu gehen, sehr traurig.
Es geht noch immer kein Lüftchen und noch immer, obwohl wir durch alle Gänge laufen, ist es ruhig im Tierheim. Wir machen ganz viele Fotos und ein jeder von uns wünscht dem einen oder anderen etwas ganz besonderes…
Taxi ein wirklich hübscher Hund steht leider zurzeit nicht zur Vermittlung da er die Menschen gar nicht mag…und Stefani ist eine forsche kleine Lady die ausstrahlt, dass sie eigentlich genau weiß, was sie will.
Über jeden Einzelnen gäbe es so viel mehr zu schreiben, sie alle sind etwas ganz Besonderes und sie alle haben die Hoffnung auf eine Veränderung in ihrem Leben noch nicht aufgegeben.
Tief in ihrem Inneren spüren sie, dass es außerhalb ihres Bereiches noch ein ganz anderes Leben gibt und die einen können es gar nicht erwarten, dieses entdecken zu dürfen, andere ängstigt diese Vorstellung, dieses innere Wissen - und ganz andere haben aufgehört, daran denken zu wollen.
Im Auslauf ist zu dieser Zeit Agustus, ein schon in die Jahre gekommener Rotti-Mix, der als unverträglich mit Artgenossen gilt, aber die Menschen sehr mag.
Agustus bewegt sich langsam und er strahlt diese Ruhe aus, die nur von Senioren ausgestrahlt wird. Er beobachtet den gegenüber parkenden Transporter und vielleicht fragt er sich genau in diesem Moment, ob er auch irgendwann einmal dort einsteigen dürfe? Wie viele hat er schon abreisen sehen…wie viele?
In den MIT Zwingern sind Baltazar, Ivy, Jacky, Merges, Bianka und Egon untergebracht. Alles Hunde mit einer ganz eigenen Geschichte.
Ivy war genau vor einem Jahr ein medizinischer Notfall und ist aber jetzt wieder völlig genesen. Sie erlangt ganz langsam das Vertrauen in die Menschen zurück.
Bianka ist noch am Anfang ihrer Übungen, sie braucht noch Zeit uns Menschen wieder vertrauen zu können.
Merges ist mit Yola zusammen untergebracht, zum Zeitpunkt unseres Besuches war Yola allerdings noch auf der Krankenstation zur Nachsorge ihrer Kastration.
Egon ist ein alter Herr, er möchte seine Ruhe und Egon machte einem einsamen Eindruck. Nun nachdem wir wieder zurück sind, ist Lipi bei Egon eingezogen, die beiden kennen und mögen sich und das tut Egon, dem alten Herrn gut!
Baltazar taut richtig auf, er hat gerade einen „Run“ und all seinen Mut zusammen genommen, spürt er doch, dass sich sein Leben dann ändern kann.
Und sogar Jacky, die kleine, schnelle Maus, die oft schon Zähnchen gezeigt hat, möchte sich von ihrer besseren Seite zeigen und nimmt artig Leckerlies aus der Hand. Jacky ist somit ebenfalls auf dem richtigen Weg, sicherlich aber nur zu erfahrenen Menschen, die noch etwas Geduld haben, bis Jacky noch mehr Sicherheit erlangt hat.
Und Pepita ist am Samstagmorgen zurück in einen der MIT Zwinger gezogen, denn auch mit ihr muss weiter gearbeitet werden und Pepita macht das auch wirklich toll. Ihre Haltung wird stetig aufrechter und ihr Blick hat die Panik verloren.
Am Ende unseres Rundganges an diesem Tag waren wir voller Eindrücke und manche davon lassen sich nicht niederschreiben, sondern sie brennen sich in unsere Seele ein und man vergisst sie nicht mehr, ohne sie wirklich in Worte fassen zu können.
Ein Tierheim ist für keinen Hund eine ideale Bleibe, obwohl viele diese Situation erstaunlich gut meistern.
Bei all den vielen Gehegen und Gittern schaffen es diese Tiere, ihren Lebensmut nicht zu verlieren und es lag eine wirklich friedliche Atmosphäre in der heißen Luft.
Die Zeit des Beobachtens ist eine ganz Besondere, in der man viel über diese Hunde lernt. Für jeden Einzelnen lohnt es sich für uns, sich einzusetzen, über ihn zu berichten, für ihn zu kämpfen - für jeden Einzelnen!
Copyright Anke für Pfotenhilfe
Update zu unseren Hautpatienten
Liebe Tierfreunde,
vor einiger Zeit hatten wir Ihnen von Melani und Elke berichtet. Beides Hunde mit einem massiven Hautproblem.
Bei Elke wurde zusätzlich eine Unterfunktion der Schilddrüse konstatiert wogegen sie nun mit Tabletten behandelt wird. Elkes Haut bessert sich zusehends und sie ist gut drauf und hat Spaß am Leben.
Elke liebt es, im Auslauf rennen und toben zu dürfen und sie ist unglaublich menschenbezogen. Schmusen und sich ihrer Streicheleinheiten abholen ist für Elke das Allergrößte.
Für sie würden wir uns sehr freuen, wenn Sie sie entdecken und adoptieren möchten. Ganz oft geht bei aller medizinischen Abklärung ein Hautproblem auch mit der Psyche einher und möglicherweise wird ihre Haut in einem festen und bleibenden Zuhause auch besser, da Elke dann vielleicht endlich das Gefühl der Zugehörigkeit bekommt, auf welches sie sehnlich zu warten scheint.
Bei Melani wurde der Schilddrüsentest ebenfalls durchgeführt. Ihr Ergebnis ist negativ und so wird sie nun weiter medizinisch gegen ihre Hauterkrankung behandelt.
Melani fällt leider in die Kategorie der sogenannten Listenhunde und wir hoffen für sie, dass sich Interessenten in Ungarn für sie melden, so dass auch sie ein schönes und ruhiges Zuhause finden wird.
Melani ist gut drauf, Menschen gegenüber zurückhaltend, denen die sie kennt, schenkt sie allerdings ihr Vertrauen und die Pfleger vor Ort bemühen sich sehr um diese geschundene Hundedame.
Im Auslauf hat Melani es nun entdeckt, dass Ballspiele Spaß bringen und in diesen Momenten vergisst sie ihre juckende Haut.
Für beide suchen wir nach wie vor Paten und Menschen, die helfen möchten die medizinischen Kosten der Hundedamen zu tragen.
Vielen Dank!
Pfotenhilfe Ungarn Team
Copyright Anke für Pfotenhilfe
Abwechslung für unsere Listis
Liebe Tierfreunde,
wie ihr wisst, leben in unserem Tierheim auch viele Tiere, die wir nicht nach Deutschland vermitteln dürfen, da es sich bei ihnen um die sogenannten „Listenhunde“ handelt.
Wir bemühen uns, Menschen außerhalb Deutschlands für diese Tiere zu finden, aber sie haben es natürlich ungleich schwerer Menschen zu finden als all die anderen Hunde und so leben auch die meisten von ihnen schon länger bei uns und die Chancen, dass sie vermittelt werden, sind nicht wirklich hoch :-((
Viele von ihnen sitzen in Einzelzwingern und das ist für alle Hunde besonders frustrierend und langweilig. Aaaaber: es gibt auch Highlights im Leben unserer „Listis“:
Die Mitarbeiter im Tierheim möchten besonders diesen Tieren auch immer wieder Abwechslung und vor allem die Möglichkeit für Bewegung bieten: sie versuchen, täglich Hunde und ganz besonders unsere Staffs und Co. in den Auslauf zu führen und dort mit ihnen zu spielen und zu toben.
Und das tut diesen Hunden soooooo gut und sie haben soooo viel Spaß dabei : endlich wieder rennen und sich auspowern können… und endlich nochmal ungeteilte Aufmerksamkeit von unseren Mitarbeitern - das bedeutet Frustabbau, Lebendigkeit und unbändige Freude für diese Schätze, da gibt es was zu entdecken und zu lernen und das macht ihr Leben spannend und lebenswert!
Schauen Sie selbst:
Unser Auslauf ist im Moment noch ein wenig kahl und hätte auch einige schattige Eckchen nötig – deshalb suchen wir dringend zwei Sonnensegel, die wir über den Auslauf spannen können.
Zur Abkühlung an besonders heißen Tagen steht unseren Hunden ein kleiner „Swimmingpool“ zur Verfügung, den sie auch gerne und reichlich nutzen :-))
Wenn also der ein oder andere von Ihnen/euch unseren Pfötchen ein Sonnensegel spendieren möchte, dann danken wir Ihnen/euch herzlich und sind sicher, dass die Fellnasen sich sehr darüber freuen!
Vielen lieben Dank
Copyright Heike für Pfotenhilfe
Sachspenden bitte an: Petra Ulbricht-Sauerwald, Friedlandstr. 1, 53844 Troisdorf
Bei finanzieller Unterstützung geben Sie bitte bei Ihrer Überweisung „Sonnensegel Auslauf“ an. Sollten mehr Spenden als benötigt eingehen, werden diese zu Vereinszwecken genutzt. Sollten Sie damit nicht einverstanden sein, nehmen Sie bitte Kontakt zu uns auf unter: info@pfotenhilfe-ungarn.de

























































